Mehr Zoonosen

Tierkrankheiten springen immer häufiger auf den Menschen über

von Dennis L.

Das neue Coronavirus wurde laut jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen offenbar vom Tier auf den Menschen übertragen. Nun sorgt eine neue UN-Studie für Besorgnis: Krankheiten könnten künftig immer häufiger auf den Menschen überspringen.

Nairobi (Kenia). Die massive Ausbeutung der Umwelt durch den Menschen scheint immer schlimmere Folgen zu haben: Zoonosen genannte Krankheiten, die eigentlich nur bei Tieren bekannt waren, springen immer öfter auf den Menschen über. Mit großer Wahrscheinlichkeit war dies auch beim neuen Coronavirus der Fall und könnte sich künftig häufiger wiederholen. Vor dieser Entwicklung warnen das UN-Umweltprogramm (UNEP) und das International Livestock Research Institute (ILRI) in einem jüngst veröffentlichten Bericht.

Stetige Steigerung erwartet

„Wenn wir weiterhin die Tierwelt ausbeuten und unsere Ökosysteme zerstören, können wir einen stetigen Strom dieser Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, in den kommenden Jahren erwarten“, warnt Inger Andersen, Chefin der UNEP. Die zunehmende Nachfrage nach Fleisch, die steigende Urbanisierung und der Klimawandel seien nur einige der Gründe für diese Entwicklung, so der Bericht, der auch als Video veröffentlicht wurde (Link).

Eine zoonotische Krankheit oder Zoonose ist eine Krankheit, die aus tierischen Quellen in die menschliche Bevölkerung übergegangen ist. COVID-19, das weltweit bereits mehr als eine halbe Million Todesfälle verursacht hat, stammt höchstwahrscheinlich von Fledermäusen. COVID-19 ist jedoch nur die neueste in einer wachsenden Anzahl von Krankheiten - einschließlich Ebola, MERS, West-Nil-Fieber und Rift-Valley-Fieber - deren Ausbreitung von tierischen Wirten in menschliche Populationen durch anthropogenen Druck verstärkt wurde.

Lösung könnte in Afrika liegen

Der UNEP-Bericht zählt sieben Trends auf, die das zunehmende Auftreten von Zoonosen vorantreiben. Hierzu zählen unter anderem die erhöhte Nachfrage nach tierischem Eiweiß, ein Anstieg der intensiven und nicht nachhaltigen Landwirtschaft, die verstärkte Nutzung und Ausbeutung von Wildtieren sowie die Klimakrise. Zoonosenkrankheiten nehmen überall auf der Welt zu, und afrikanische Länder - von denen einige tödliche Zoonose-Ausbrüche erfolgreich bewältigt haben - haben laut UNEP das Potenzial, diese Erfahrung zu nutzen, um zukünftige Ausbrüche durch Ansätze zu bekämpfen, die die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt berücksichtigen.

Um künftige Zoonose-Ausbrüche zu verhindern, scheint ein globales Umdenken unabdingbar: Die Autoren des Berichts identifizieren den One-Health-Ansatz, der Fachwissen in den Bereichen öffentliche Gesundheit, Veterinärwesen und Umwelt vereint, als die optimale Methode zur Vorbeugung und Reaktion auf Ausbrüche und Pandemien von Zoonosen.

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