Ergonomie am Arbeitsplatz

So könnten Menschen mit einem Bürojob in 20 Jahren aussehen

Dennis L.

Rund 25 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland arbeiten in einem Bürojob. Jedoch achten nur die Wenigsten auf eine ausreichend ergonomische Körperhaltung am Arbeitsplatz. Welche gesundheitlichen Folgen dies bereits binnen weniger Jahre haben kann, zeigt nun eindrucksvoll die speziell dafür entwickelte Puppe Emma.

Hannover (Deutschland). Zieht man die öffentliche Verwaltung mit ein, so arbeitet rund jeder vierte sozialversicherungspflichtigen Deutsche in einem Bürojob. Die meiste Zeit des Tages verbringen diese Beschäftigten sitzend hinter dem Schreibtisch, was bereits verdeutlicht, wie enorm wichtig das Thema Ergonomie am Arbeitsplatz ist. Die wenigsten Beschäftigten haben sich jedoch bisher ernsthaft mit den gesundheitlichen Folgen der falschen Körperhaltung am Arbeitsplatz auseinandergesetzt. Wie jahrelanges falsches Sitzen den Körper verändern kann, zeigt auf schockierende Art und Weise die lebensgroße Puppe Emma.

Die Puppe ist ein wissenschaftliches Projekt, welches in Zusammenarbeit mit dem Hersteller von Büroprodukten Fellowes entwickelt wurde. Emma soll anschaulich zeigen, welche Folgen stundenlanges falsches Sitzen und ein starrer Blick auf den Monitor haben kann. Ein gekrümmter Rücken, rote Augen, blasse Haut, Krampfadern sowie behaarte Nasen und Ohren sind nur die direkt sichtbaren Folgen.

Das Video zeigt auf erschreckende Art und Weise, zu welchen körperlichen Veränderungen unsere moderne Arbeitsweise führen kann – vor allem dann, wenn es an ergonomischer Büroausstattung fehlt. Hierzu zählen vor allem ein ergonomischer Hocker bzw. Bürostuhl, ein in Höhe und Neigung einstellbarer Bildschirm sowie passende Belichtung und Schallschutz. Idealerweise verfügt ein moderner Arbeitsplatz noch über einen höhenverstellbaren Schreibtisch, welches es den Beschäftigten ermöglicht, auch eine Zeit im Stehen zu arbeiten.

Gesundheitliche Folgen durch falsches Sitzen

Die gesundheitlichen Folgen, welche durch falsches Sitzen entstehen können, sieht man an Emma besonders gut. Ihr starker Rundrücken ist das Resultat von jahrelangem Sitzen in schlechter Haltung, was auch negativen Einfluss auf die Durchblutung hat und Krampfadern verursacht. Durch immer gleiche Bewegungsabläufe sind ihre Handgelenke und Knöchel geschwollen und das permanente künstliche Licht hat ihre Haut fahl werden lassen. Also Folge schlechter Luftqualität hat der Haarwuchs in Ohren und Nase zugenommen und der jahrelange Stress ist die Ursache für die dargestellten Ekzeme.

Der abschließende Bericht betont nochmals die gravierenden Folgen für den Körper und die damit verbundene Wichtigkeit eines ergonomischen Arbeitsplatzes.

Sport am Abend kann die mangelnde Bewegung nicht ausgleichen

Sportwissenschaftler, die ebenfalls bei der Entwicklung der Puppe beteiligt waren, sagen zu Aussehen von Emma: „Das ist durchaus realistisch, langanhaltende und jahrzehntelange Bürotätigkeit kann in der Tat solche Folgen haben. Wobei Emma natürlich alle Krankheiten auf einmal in sich vereint, das ist etwas überspitzt dargestellt, aber grundsätzlich wird an Emma exemplarisch sehr schön gezeigt, welche Körpersysteme – nämlich am Ende alle – unter dieser sitzenden Bürotätigkeit leiden.“

„Wenn man acht Stunden am Tag nur sitzt und dann abends versucht, das auszugleichen, indem man eine Stunde ins Fitnessstudio, joggen, radfahren oder spazieren geht, ist das natürlich zunächst positiv, weil man sich überhaupt mal bewegt und seinen Stoffwechsel ankurbelt. Sitzen ist gesundheitsschädlich und nicht aufzuwiegen in dem Sinne, dass ich lange Sitzzeiten – mehr als zwei Stunden am Stück – durch Bewegung wieder kompensieren kann“, erklärt der Diplom-Sportwissenschaftler Christof Otte.

Jede 15 Minuten die Haltung wechseln

Ein Teil der Studie ist eine Befragung von mehr als 3.000 Probanden, die täglich mehr als sechs Stunden am Schreibtisch sitzen. Ganze 65 Prozent von ihnen leiden unter Rückenschmerzen, 60 Prozent unter regelmäßigen Kopfschmerzen und 46 Prozent unter müden Augen.

Es ist wichtig, seine Körperhaltung regelmäßig zu wechseln, um den Stoffwechsel anzukurbeln und den Bewegungsapparat nicht einseitig zu belasten, so Otte. „Auch permanentes Stehen ist nicht gesund.“ Die ständige Dynamik mache den Unterschied. „Der gesundheitliche Gewinn liegt in jenem kurzen Augenblick, in dem ich vom Sitzen zum Stehen übergehe oder umgekehrt. Zwar fördern ergonomische Hocker, Stühle oder Sitzbälle eine gesunde Körperhaltung, sie ersetzen aber nicht das geforderte Aufstehen um Umherlaufen.“

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