Hohe Genauigkeit

piRNA Bluttest zeigt, ob ein Mensch in den nächsten zwei Jahren stirbt

 Robert Klatt

Bluttest zeigt Sterberisiko von Senioren )moc.sotohptisopedeuqiuqotof(Foto: © 

Ein neuer Bluttest kann anhand von piRNA-Molekülen, die unterschiedliche Vorgänge im Körper steuern, darunter auch den Alterungsprozess, präzise vorhersagen, ob eine Person in den kommenden zwei Jahren stirbt.

Durham (U.S.A.). Die Wissenschaft arbeitet seit Langem daran, die noch verbleibende Lebenszeit von Menschen präzise prognostizieren zu können. Forscher der Danmarks Tekniske Universitet (DTU) haben dazu kürzlich die Künstliche Intelligenz (KI) Life2vec entwickelt, die anhand von zentralen Ereignissen im Leben eines Menschen prognostizieren kann, ob er in den kommenden Jahren stirbt. Nun hat ein Team der Duke University einen neuen Bluttest vorgestellt, mit dem man erkennen kann, ob eine Person die kommenden zwei Jahre überlebt.

Die Wissenschaftler haben kleine, nicht RNA-Moleküle (miRNA) aus den Blutproben von 1.271 Erwachsenen ab 71 Jahren untersucht. Diese Moleküle bilden im Gegensatz zu RNA-Molekülen keine Proteine, sondern steuern unterschiedliche Vorgänge im Körper, darunter auch den Alterungsprozess.

Die Rolle der piRNAs

In der Medizin ging man bisher davon aus, dass piRNAs, eine Untergruppe der miRNA, die DNA der Fortpflanzungszellen schützt. Um die weiteren Rollen der piRNAs zu untersuchen, haben die Forscher der Duke University mit einer Künstlichen Intelligenz (KI) analysiert, wie sich rund 800 unterschiedliche Moleküle aus den Blutproben auf das Sterberisiko auswirken und wie groß deren Einfluss im Vergleich zu 187 anderen klinischen Faktoren ist.

Die Forscher konnten so ein Modell entwickeln, das anhand von nur sechs spezifischen piRNAs mit einer hohen Genauigkeit (86 %) zeigen kann, ob ein älterer Erwachsener in den nächsten zwei Jahren stirbt.

„Was uns am meisten überraschte, war, dass dieses starke Signal von einem einfachen Bluttest stammte.“

Die Genauigkeit der Prognose ist damit im Zeitraum von zwei Jahren deutlich höher als bei Gesundheitsindikatoren wie dem chronologischen Alter. Langfristige Prognosen über einen Zeitraum von fünf und mehr Jahren sind aber präziser, wenn man Lebensstilfaktoren und den Gesundheitszustand einer Person untersucht.

Höhere Lebenserwartung bei geringeren piRNA-Werten

Laut den Forschern ist es zudem überraschend, dass Menschen mit hohen piRNA-Werten im Blut ein höheres Sterberisiko haben, obwohl die Moleküle regulierende Funktionen im Körper einnehmen. Sie konnten neun piRNAs identifizieren, die bei Menschen mit einer hohen Lebenserwartung in einer geringeren Konzentration als beim Durchschnitt vorkommen. Diese können als Basis für neue Therapien zur Lebensverlängerung dienen.

„Wir wissen sehr wenig über piRNAs im Blut, aber was wir sehen, ist, dass niedrigere Werte bestimmter spezifischer Moleküle besser sind. Wenn diese Moleküle in höheren Mengen vorhanden sind, kann das signalisieren, dass etwas im Körper aus der Bahn geraten ist.“

piRNA-Werte im Blut, die auf ein hohes Sterberisiko hindeuten, sind also nicht immer eine Garantie für ein unausweichliches Schicksal, sondern können wohl auch dazu genutzt werden, durch Lebensstilveränderungen und Medikamente das Leben zu verlängern.

„Zu verstehen, warum, könnte neue Möglichkeiten für Therapien eröffnen, die gesundes Altern fördern.“

Quellen:

Studie im Fachmagazin Aging Cell, doi: 10.1111/acel.70403

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