Erste klinische Studie

Ohr-Akupressur hilft bei Chemotherapie-induzierter Obstipation

Dennis L.

Koreanische Forscher konnten in einer klinischen Studie nachweisen, dass die Ohr-Akupressur nachweislich bei einer Chemotherapie-induzierten Obstipation wirkt. So kann das traditionelle Heilverfahren die meist hohe Medikamentendosis der Patienten reduzieren und die Symptome ganz ohne Medikamente lindern.

Seoul (Korea). Wie eine aktuelle Studie aus Korea zeigt, müssen für manche Beschwerden nicht immer Medikamente zur Linderung eingesetzt werden. Speziell im Fall einer Chemotherapie-induzierten Obstipation, einer nicht selten auftretenden Verstopfung nach einer Chemotherapie bei Brustkrebspatienten, konnten Forscher in einer randomisierten klinischen Studie nachweisen, dass auch das alte japanische Heilverfahren der Akupressur, im speziellen die Ohr-Akupressur, die Obstipation lösen kann.

Das japanische Heilverfahren der Akupressur, auch Akupunktmassage genannt, nutzt stumpfen Druck auf ganz bestimmte Körperstellen, um energetische Blockaden zu lösen, die körpereigenen Selbstheilungskräfte anzuregen und um das innere Gleichgewicht wieder herzustellen, um so verschiedenste Beschwerden und Schmerzen zu lindern. Dabei kommen in der Regel die Daumen, die Handballen, der Ellenbogen, die Knie, Füße oder aber auch technische Hilfsmittel zum Einsatz. Im Fall der Ohr-Akupressur reichen die Daumen, mit denen die wichtigsten Ohr-Akupressurpunkte massiert werden. Dieser nicht-invasive Eingriff ist eine relativ einfach durchzuführende Behandlungsmethode ohne Nebenwirkungen, die man mit etwas Übung auch einfach selbst durchführen kann. Wer die Ohr-Akupressur lernen möchte, kann dazu einfach im Internet die wichtigsten Punkte nachlesen oder um etwas tiefer in die Materie einzusteigen, auf entsprechende Fachliteratur setzen.

Ohr-Akupressur mit Kuhkraut-Samen

Für ihre Studie haben die Forscher Jeongran Shin & Hyojung Park von der Ewha Womans University Seoul insgesamt 56 Patientinnen nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt, wobei eine als Kontrollgruppe diente. Wie die Forscher im Fachmagazin Western Journal of Nursing Research schreiben, wurde die Ohr-Akupressur in sechs aufeinander folgenden Wochen durchgeführt, wobei die ersten drei Wochen in den chemotherapeutischen Behandlungszyklus fielen. Für die Ohr-Akupressur haben die Forscher Kuhkraut-Samen (Vaccaria), welche fester Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sind, an den sieben Ohr-Akupressurpunkten für Dickdarm, Lunge, Milz, Rektum, San Jiao, Subcortex und Vegetativum fixiert und so fest gedrückt, bis die Probanden einen leichten Schmerz verspürten. In den folgenden Tagen sollten die Probanden drei- bis viermal am Tag diese Punkte am Ohr selbst stimulieren. Nach fünf Tagen entfernten die Forscher die Kuhkraut-Samen von den Akupressurpunkten und es folgten zwei akupressurfreie Tage bis zur nächsten Akupunktmassage.

Chemotherapie-induzierter Obstipation ist nicht zu unterschätzen

In vielen Fällen ist eine Brustkrebsdiagnose der Beginn eines langwierigen therapeutischen Prozesses, der zwar die Überlebenschancen der Patientin signifikant erhöht, aber auch von zahlreichen Nebenwirkungen begleitet wird. Zu den typischen Nebenwirkungen zählen dabei Appetitlosigkeit, Erbrechen, Übelkeit sowie Verdauungsstörungen und Verstopfung. Diese Nebenwirkungen können zudem durch Antidepressiva, Antiemetika und Schmerzmittel noch verstärkt werden.

Die zusätzliche Einnahme von Medikamenten ist wegen der Bestrahlung bzw. der Chemotherapie oftmals nicht erwünscht, wodurch die Medizin vermehrt nach zuverlässigen Alternativen sucht. Die koreanischen Forscher stießen bei der Suche nach möglichen Alternativen zu den Medikamenten auf die Ohr-Akupressur, welche laut den Studienergebnisse für signifikante Verbesserung der Symptome sorgte.

Statistisch hochsignifikante Verbesserung durch die Ohr-Akupressur

Bereits nach der Hälfte der Studiendauer (drei Wochen), hatte sie dich Verstopfungsbeschwerden, die Stuhlbeschaffenheit sowie die subjektive Lebensqualität durch die Ohr-Akupressur deutlich verbessert. Nach Abschluss der Studie (nach insgesamt sechs Wochen) haben sie diese Werte nochmals positiv verändert. Die Forscher schreiben, dass sich die Werte der Kontrollgruppe hingegen nur geringfügig veränderten. „Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen waren statistisch hochsignifikant“, so Jeongran Shin.

Western Journal of Nursing Research, doi: 10.1177/0193945916680362

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