AIDS-Forschung

Neuer Angriffspunkt für möglich HIV-Behandlung entdeckt

Dennis L.

Forscher aus Österreich haben einen bisher unbekannten Mechanismus des HI-Virus identifizieren können, welcher für die Vermehrung im menschlichen Körper eine zentrale Rolle spielt.

Innsbruck (Österreich). Obwohl die Medizin in den letzten Jahren enorme Fortschritte bei der Behandlung von AIDS gemacht hat und sich HIV immer besser therapieren lässt, so ist die Infektionskrankheit immer noch nicht vollständig heilbar. Zwar gelang es Medizinern einige wenige Menschen mit AIDS zu heilen, eine flächendeckende Behandlung aller Betroffenen ist jedoch zur Zeit aus verschiedenen Gründen noch nicht möglich.

Nun haben Kathrin Breuker und ihre Kollegen vom Institut für Organische Chemie der Universität Innsbruck eine bisher ganz neue Entdeckung gemacht: Sie haben einen bisher unbekannten Mechanismus entdeckt, welcher bei der Vermehrung des HI-Virus im menschlichen Körper eine zentrale Rolle spielt. Konkret bedeutet dies, dass die Forscher eine neue Bindungsstelle gefunden haben, welche für zukünftige Therapien interessant sein könnte.

Weltweit sind Mediziner und Wissenschaftler auf der Suche nach effizienteren Therapien zur Behandlung von AIDS. Der Fokus der Forschung liegt dabei vor allem bei der Bekämpfung des Virus, aber auch bei Mechanismen, welche die Vermehrung verhindern.

Um sich im Körper anzusiedeln, dringt das HI-Virus in menschliche Zellen ein baut dort seine Erbinformationen im Zellkern der DNA ein. Auf diese Weise wird modifizierte mRNA produziert, welche vom Zellkern in die Zellflüssigkeit gelangt und dort Proteine so verändert, dass sie der Virusreplikation dienen.

Vermehrung des HI-Virus unterbrechen

Damit die Virus-mRNA den Zellkern schnell verlassen kann, braucht sie acht bis zehn Moleküle eines ganz bestimmten Proteins (rev). Bisher war jedoch völlig unklar, wo genau an der RNA und auch in welcher Reihenfolge sich die rev-Proteine anlagern. Versteht man diesen Vorgang jedoch genau und besitzt das Wissen über die Anlagerung, so kann man die Vermehrung des Virus stoppen.

Mit Hilfe einer ganz neuen Methode haben die Forscher den Replikationsmechanismus des Virus genauer untersucht und dabei eine neue Bindungsstelle entdeckt. An ihr werden die rev-Proteine eingefangen und an bereits länger bekannten Bindungsstellen weitergeleitet, wodurch wiederum die Bildung von stabilen RNA-Protein-Komplexen ermöglicht wird.

Genau an diesem Punkt könnten zukünftige Therapien ansetzen und die Vermehrung des HI-Virus im Körper unterbrechen. Wie die Forscher im Fachmagazin Nature Communications berichten, sind die neuen Forschungsergebnisse nicht nur im Hinblick auf neue AIDS-Therapien interessant, sie erklären auch ältere Forschungsergebnisse, welche bisher nicht oder zur zu Teilen verstanden wurden.

Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-020-19144-7

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