Pulmonale Hypertonie

Lungenhochdruck - Studie gibt neue Hoffnung

D. Lenz

Lungenhochdruck betrifft das Lungengefäßsystem und wird grundlegend in zwei Arten unterschieden. Die primäre pulmonale Hypertonie hat keine erkennbare Ursache, sie ist eine sogenannte idiopathische Erkrankung. Häufiger tritt jedoch die sekundäre pulmonale Hypertonie auf. Neuste Studienergebnisse geben Hoffnung für die Erkrankten, die mit ein bis zwei pro einer Million eher als selten einzustufen ist.

Allschwil (Schweiz). Das Unternehmen Actelion Ltd. gab die neuesten Ergebnisse der Phase-III-Studie Griphon bekannt. Getestet wurde Selexipag an 1.156 Patienten, die unter pulmonaler arterieller Hypertonie leiden. Das Ergebnis zeigt, dass die Datenanalyse den primären Wirksamkeitsendpunkt mit einer sehr hohen statistischen Signifikanz erreicht hat. Die Studie ist auf klinische Ereignisse ausgerichtet.

Selexipag vermindert nachweislich das Risiko eines Morbiditätsereignisses beziehungsweise eines Mortalitätsereignisses, und zwar gegenüber Plazebo um genau 39 Prozent. Die Wirksamkeit wurde aufgrund von Alter und Geschlecht, PAG spezifischer Grundmedikation, WHO-Funktionsklasse und PAH Ätiologie beobachtet. Die maximale Behandlungsdauer betrug bei dieser Studie 4,3 Jahre und das Profil der Verträglichkeit entsprach den Prostazyklin-Therapien. Selexipag in der durchgeführten Griphon Studie überragt mit beeindruckend positiven Ergebnissen.

Gemeinsam mit Nippon Shinyaku ist es nunmehr möglich, dass Patienten, die von Lungenhochdruck betroffen sind, mit oraler Medikation geholfen werden kann. Sobald die Datenanalyse endgültig abgeschlossen ist, werden die ersten Zulassungsanträge bei den entsprechenden Gesundheitsbehörden eingereicht, um die Therapie möglichst zügig anbieten zu können. Actelion listet die Ergebnisse der Studie sowie die Hintergründe ausführlich auf.

Actelion Ltd. mit viel Erfahrung

Die Actelion Ltd. ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, welches sich auf die Entdeckung, Entwicklung sowie Vermarktung von Medikamenten spezialisiert hat. Das Hauptgebiet liegt auf der pulmonalen arteriellen Hypertonie, wodurch die Studie eine besondere Konzentration erfuhr. Das Portfolio deckt die WHO-Funktionsklassen II bis IV ab und es umfasst Therapien mit oralen, inhalierbaren sowie intravenösen Medikamenten. Behördlich zugelassene Therapien stehen durch Actelion zur Verfügung, die jedoch nicht in allen Ländern erhältlich sind. Die Behandlung von Lungenhochdruck erfolgt zudem immer durch einen Spezialisten.

Positive Ergebnisse

Bedeutende Professoren, wie Pneumologen am Spital Le Kremlin-Bicétre der Uni Paris Süd in Frankreich sind von den Ergebnissen mehr als begeistert. Bisher wurden den PAH-Patienten eine intravenöse Prostazyklin Therapie angeboten. Aufgrund der Ergebnisse von Griphon ist ein weiterer Schritt getan. Selexipag wird oral verabreicht und wirkt wesentlich besser als die vorherigen Therapiewege. Belegt wurde zudem die signifikante Verringerung des bestehenden Risikos in dem Hinblick auf den klinisch relevanten Endpunkt. Der Leiter der weltweiten klinischen Entwicklung ist ebenso begeistert von den bisherigen Ergebnissen. Die Langzeitstudie von Actelion hat ermöglicht, dass die Ergebnisse selbst bei einer individuellen Titrierung von Selexipag Erfolge zeigt. Konstante Ergebnisse erstreckten sich über den gesamten Dosierungsbereich.

Die Abteilung der Herz-Kreislauf-Medizin an der Uni Michigan ist von Selexipag ebenfalls überzeugt. Besonders die konsistenten Resultate in der Wirksamkeit anhand der wichtigen unterschiedlichen Untergruppen geht von der Griphon Studie hervor. Die Behandlung kann daher an den verschiedensten Patientengruppen durchgeführt werden.

Durch das verbesserte Verständnis dieser Krankheit und anhand der evidenzbasierten Richtlinien ist eine zielgerichtete Behandlung sowie eine wirkungsvolle Kombinationstherapie möglich. Anhand der vorliegenden Erkenntnisse können weitere klinische Studien entwickelt und durchgeführt werden.

Klassifizierung von Lungenhochdruck

Lungenhochdruck wurde bereits 1891 entdeckt. Prof. Dr. med. Ernst von Romberg hat in diesem Jahr seine Abhandlung zu diesem Thema geschrieben. Von diesem deutschen Arzt wurde eine Unterteilung in primäre und sekundäre pulmonale Hypertonie vorgenommen. Die Weltgesundheitsorganisation stellte 1998 neue Richtlinien der Klassifizierung auf und 2003 erfolgte eine erneute Überarbeitung. Unterschieden wird der Lungenhochdruck daher in:

  • pulmonal-arterielle Hypertonie
  • pulmonale Hypertonie (Linksherzerkrankung)
  • pulmonale Hypertonie (assoziiert mit Hypoxie)
  • pulmonale Hypertonie (aufgrund embolischer/thrombotischer Erkrankung)
  • sonstige Hypertonie (zusammen mit Befall der Lungengefäße)

Der Lungenhochdruck ist eine lebensbedrohliche und chronische Erkrankung. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass betroffene Patienten einen hohen Blutdruck in den Arterien aufweisen, und zwar zwischen der Lunge und dem Herzen. Die Symptome einer Hypertonie sind sehr unterschiedlich und können bei normaler Aktivität zu Atemlosigkeit führen. Schwerwiegende Beeinträchtigungen zeigen sich mit einem Rechtsherzversagen, was die Lebensdauer entscheidend verkürzen kann. Aufgrund der verschiedenen Spezifikationen kann die pulmonale Hypertonie durch angeborene Herzerkrankungen, Bindegewebserkrankungen oder durch HIV-Infektion auftreten.

Selexipag

Entdeckt wurde Selexipag von Nippon Shinyaku. Er synthetisierte den selektiven Prostazyklin-IP-Rezeptor-Agonist in eine Tablettenform. Selexipag bindet diese Rezeptoren und Prostazyklin aktiviert sie. Dadurch wird bewirkt, dass die Gefäße erweitert werden, und verhindert die Proliferation an glatten Muskelzellen in den Gefäßen. Besonderheit bei Selexipag ist das selektive Binden der IP-Rezeptoren. In entsprechend präklinischen Modellen wurde aufgezeigt, dass die positive Wirkung der Bindung an den Rezeptoren die Wirksamkeit beeinflusst und gleichzeitig Nebenwirkungen vermindert.

Vor der bahnbrechenden Phase-III-Studie wurde die Phase-II-Studie an 43 Patienten durchgeführt. Die Patienten erhielten im Verhältnis 3:1 zum PDE-5-Inhibitor Selexipag oder eben Plazebo. Die Ergebnisse waren so überzeugend, dass die abschließende Langzeitstudie durchgeführt wurde.

Actelion sowie Nippon Shinyaku unterzeichneten im Jahre 2008 eine Lizenzvereinbarung, welche weltweit gültig ist. Sie beschreibt die Zusammenarbeit bezüglich Selexipag und die Therapie an Patienten, die unter Lungenhochdruck leiden. Actelion ist für die Kommerzialisierung und Entwicklung zuständig, und zwar außerhalb von Japan. Somit steht Selexipag von beiden Unternehmen weiterentwickelt und auch vermarktet.

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