Dennis L.
Chronische Verstopfung beeinträchtigt die Lebensqualität von etwa jedem zehnten Erwachsenen weltweit und führt zu Symptomen wie seltener Stuhlentleerung harter Konsistenz und unangenehmem Völlegefühl. Aktuelle evidenzbasierte Leitlinien der British Dietetic Association analysieren Dutzende randomisierte kontrollierte Studien um die Wirksamkeit verschiedener Nahrungsmittel und Ergänzungen präzise zu bewerten. Die Ergebnisse bieten konkrete Anhaltspunkte für Betroffene und zeigen dass nicht alle populären Empfehlungen gleichermaßen fundiert sind.
Chronische Verstopfung stellt ein komplexes funktionelles Störungsbild des Gastrointestinaltrakts dar das nach den Rome-IV-Kriterien durch weniger als drei spontane komplette Stuhlentleerungen pro Woche harte Stuhlform nach der Bristol Stool Form Scale Typ 1 oder 2 sowie subjektive Beschwerden wie starkes Pressen Gefühl der unvollständigen Entleerung oder manuelle Manöver zur Erleichterung definiert wird. Die Prävalenz liegt bei Erwachsenen zwischen 10 und 15 Prozent mit höheren Raten bei Frauen und älteren Personen wobei die Pathophysiologie multifaktoriell ist und eine verlangsamte Kolontransitzeit reduzierte rektale Sensibilität oder gestörte Beckenbodenkoordination umfasst. Die Darmmotilität wird durch das enterische Nervensystem gesteuert das Serotoninrezeptoren und osmotische Gradienten nutzt um Wasserretention und Peristaltik zu regulieren. Ohne Behandlung kann die Erkrankung zu sekundären Komplikationen wie Hämorrhoiden oder Divertikulose führen und die gesundheitsbezogene Lebensqualität messbar senken gemessen an validierten Instrumenten wie dem Patient Assessment of Constipation Quality of Life Fragebogen. Ernährungsinterventionen zielen daher auf eine Modulation dieser Mechanismen ab ohne primär auf pharmakologische Laxanzien zurückzugreifen.
Wissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahren zunehmend diätetische Ansätze in den Fokus gerückt da diese oft besser verträglich sind und langfristig angewendet werden können. Die Darmmikrobiota spielt dabei eine zentrale Rolle indem sie kurzkettige Fettsäuren produziert die die Kolonmotilität anregen und die Barrierefunktion stärken. Randomisierte Studien messen Effekte typischerweise über primäre Endpunkte wie die Anzahl kompletter spontaner Stuhlentleerungen pro Woche sowie sekundäre Parameter wie Stuhlkonsistenz auf der siebenstufigen Bristol-Skala oder Symptomscores auf Likert-Skalen von 0 bis 5. Solche quantitativen Daten erlauben eine GRADE-basierte Bewertung der Evidenzstärke die von sehr niedrig bis moderat reicht und Unsicherheiten durch kleine Stichproben oder kurze Beobachtungszeiträume von zwei bis sechs Wochen transparent macht. Betroffene profitieren von einer individuellen Anpassung da Toleranz gegenüber bestimmten Substanzen variiert und Nebenwirkungen wie Blähungen oder weicher Stuhl minimiert werden sollen.
Die 2025 veröffentlichten British Dietetic Association Guidelines basierend auf der systematischen Auswertung von 75 randomisierten kontrollierten Studien stellen erstmals umfassende evidenzbasierte Empfehlungen für diätetische Maßnahmen zusammen. Experten des King's College London und weiterer Institutionen nutzten die GRADE-Methodik um Aussagen zu klinischem Benefit Stuhlfrequenz Symptomen und Lebensqualität abzuleiten wobei nur Ergebnisse aus mindestens zwei Studien berücksichtigt wurden. Die Leitlinien unterscheiden klar zwischen Nahrungsmitteln Ergänzungen und Getränken und betonen dass ganze Diäten bisher nicht ausreichend untersucht sind.
Diese Maßnahmen weisen niedrige bis moderate Evidenzstärke auf und werden mit qualifizierten oder starken Empfehlungen versehen.
Frische Kiwis enthalten lösliche Ballaststoffe sowie spezielle Enzyme und Raphide-Kristalle die die Schleimproduktion im Darm anregen und die Passage erleichtern. In direkten Vergleichsstudien erwiesen sie sich gegenüber Flohsamenschalen als überlegen bei der Steigerung der Stuhlfrequenz ohne die bei vielen Ballaststoffen häufig auftretenden Blähungen in gleichem Maße zu verstärken. Die Empfehlung lautet zwei bis drei ganze Früchte täglich über mindestens vier Wochen zu verzehren wobei die Schale optional ist. Im Gegensatz dazu zeigten Kiwis in Kapsel- oder Pulverform keine signifikanten Effekte auf Stuhlfrequenz oder Konsistenz. Patienten berichten zudem von einer verbesserten globalen Symptomlast und höherer Zufriedenheit. Solche Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung ganzer Lebensmittel gegenüber isolierten Extrakten und passen zu Erkenntnissen aus der Darmgesundheit Forschung die den synergistischen Effekt von Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen hervorhebt
Magnesiumoxid wirkt primär als osmotisches Laxans indem es Wasser im Darm bindet und die Motilität steigert. Meta-Analysen belegen eine Zunahme von bis zu 3,7 kompletten spontanen Stuhlentleerungen pro Woche eine deutliche Aufweichung der Konsistenz sowie Reduktion von Blähungen und Bauchschmerzen bei moderater Evidenz. Die Einnahme sollte schrittweise erfolgen um Durchfall zu vermeiden. Roggenbrot in Mengen von sechs bis acht Scheiben täglich steigert die Stuhlfrequenz im Vergleich zu Weißbrot um 0,43 Entleerungen pro Woche kann jedoch globale Symptome leicht verschlechtern. Mineralreiches Wasser mit hohem Magnesium- und Sulfatgehalt in einer Menge von 0,5 bis 1,5 Litern täglich zeigt einen klinischen Benefit mit einer relativen Risikosteigerung von 1,47. Bestimmte Probiotika wie Bifidobacterium lactis oder Bacillus coagulans Unique IS2 verbessern Symptome wie unvollständige Entleerung und Bauchschmerzen bei niedriger Evidenz und guter Verträglichkeit.
Viele traditionelle Empfehlungen halten einer strengen Prüfung nicht stand. Senna-Präparate zeigen keinen signifikanten Effekt auf klinischen Benefit oder Stuhlfrequenz. Synbiotika und bestimmte Ballaststoffmischungen wie Polydextrose oder Inulin-Gemische beeinflussen weder Frequenz noch Konsistenz relevant. Kiwi-Extrakte in supplementierter Form bleiben wirkungslos im Gegensatz zu den frischen Früchten. Diese Differenzierung hilft Betroffenen Fehlinvestitionen zu vermeiden und sich auf evidenzgestützte Optionen zu konzentrieren.
British Dietetic Association Guidelines for the Dietary Management of Chronic Constipation in Adults; doi:10.1111/nmo.70173