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Blutreinigung

Künstliche Milz filtert Bakterien und Viren aus dem Blut

Bei Blutvergiftungen soll zukünftig ein medizinisches Gerät zum Einsatz kommen, welches in der Funktionsweise der Milz sehr ähnelt. Derzeit kann das Gerät rund 90 Prozent der Erreger aus dem Blut filtern.

Cambridge (U.S.A.). Donald Ingber und sein Kollegen von der Harvard Universität in Cambridge haben ein Gerät entwickelt, welches bei Blutvergiftungen schnelle Hilfe verspricht. Das Gerät erinnert mit seiner Funktionsweise an die Milz, nur das es mit Hilfe von magnetischen Kügelchen Krankheitserreger aus dem Blut filtert. Im Labor wurde die künstliche Milz schon mehrfach erfolgreich an Ratten getestet, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Nature Medicine berichten.

Erfolgreiche Behandlung von Blutvergiftungen

Bei einer Blutvergiftung lösen Bakterien, Pilze, Viren oder deren Stoffwechselprodukte heftige Reaktionen des Immunsystems aus. "Weltweit erleiden 18 Millionen Menschen jedes Jahr eine Blutvergiftung, selbst auf Intensivstationen mit dem neuesten technischen Standard liegt die Sterberate bei 30 bis 50 Prozent", erklärt Ingber.

Um Blutvergiftungen besser behandeln zu können, haben die Wissenschaftler die künstliche Milz entwickelt. Das Prinzip ähnelt der Blutwäsche bei der Dialyse. So wird der Patient an einen externen Blutkreislauf angeschlossen. Das infizierte Blut fließt anschließend über Schläuche in das gerät. Dort werden dem Blut magnetische Kugeln mit einem Durchmesser von 128 Millionstel Millimeter hinzugegeben im Blut verteilt.

Die kleinen magnetischen Kugeln sind mit einer Eiweißschicht überzogen, welche Kohlenhydrate binden und so eine Vielzahl von Krankheitserregern an sich binden kann. Versuche haben gezeigt, dass an einem Krankheitserreger von einem Mikrometer Größe rund 40 Nanokugeln haften.

Das infizierte Blut fließt samt Nanokugeln wieder zurück in die künstliche Milz. Dort werden die verunreinigten Kugeln samt Krankheitserregern aussortiert. Der Vorgang kann mehrmals wiederholt werden, betonen die Wissenschaftler.

Durchbruch bei Experimenten mit Ratten

In mehreren Experimenten haben die Wissenschaftler Ratten eine tödliche Dosis eines bakteriellen Giftstoffes gespritzt. Mit Hilfe der künstlichen Milz überlebten fast 90 Prozent der Tiere. „Der große Vorteil des Gerätes ist, dass es eine Vielzahl von Stoffen aus dem Blut filtern kann. Im Falle einer Blutvergiftung bleibt oft nur wenig Zeit um das passende Antibiotikum zu finden“, betonen die Forscher.

Die künstliche Milz bietet theoretisch viele Möglichkeiten der Heilung. So können auch ganz bestimmte Zelltypen aus dem Blut gefiltert werden. Dazu müssen die Nanokügelchen lediglich mit den passenden Rezeptoren bedeckt werden. Selbst Eiweiße, die Autoimmunerkrankungen auslösen, oder sogar Krebszellen könnten mit der künstlichen Milz aus dem Blutkreislauf gefiltert werden.

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