Gesundheit

Körperliche und psychische Probleme durch Energydrinks bei Kindern?

Robert Klatt

Energydrinks können bei Kindern unterschiedliche psychische und mentale Gesundheitsprobleme auslösen. Bei einem hohen Konsum bestehen sogar Assoziationen mit einer späten Drogensucht.  

York (England). Energydrinks enthalten neben viel Zucker und Koffein oft noch andere aktive Inhaltstoffe wie Guarana oder Taurin. Vor allem Kinder und Jugendliche nutzen die süßen Getränke deshalb gerne zur Steigerung der Konzentration und als Wachmacher. Studien deuten jedoch darauf hin, dass Koffein, Guarana und Taurin bei Kindern in hohen Dosierungen Herz-Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen und andere Nebenwirkungen auszulösen können.

Wissenschaftler der University of York haben nun im Auftrag der britischen Regierung die Risiken und Nebenwirkungen bei Energydrinks bei Kindern analysiert. Laut der Publikation im British Medical Journal analysierte das Team um Claire Khouja dazu, wie hoch der Konsum von Energydrinks bei Personen unter 18 Jahren tatsächlich ist und wie dieser die mentale und physische Gesundheit beeinflusst.

Energydrinks sind bei Kindern beliebt

Die Forscher konnten für ihre Metastudie auf 74 Studien zurückgreifen, die seit 2013 zu diesem Thema publiziert wurden. Mehr als zwei Drittel (67 %) der Probanden gaben an, innerhalb des letzten Jahres mindestens einen Energydrink konsumiert zu haben. Etwa die Hälfte der Minderjährigen trinkt mindestens einmal pro Woche ein solches Getränk.

Herz-Kreislauf-Probleme und Nierenversagen durch Energydrinks

Die Studien liefern überdies Hinweise darauf, dass Energydrinks sich negativ auf die körperliche Gesundheit bei Kindern auswirken. „Kinder, die koffeinhaltige Energydrinks konsumieren, berichteten häufiger über Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Schlafprobleme als diejenigen, die dies nicht taten“, erklären die Autoren. Außerdem zeigen Studiendaten, dass durch Energydrinks der Blutdruck steigt. Ein Teil der Energydrinks berichtete sogar davon, dass es bei Kindern durch Energydrinks zu akuten Herz-Kreislauf-Problemen und Nierenversagen kam.

Energydrinks führen zu Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefiziten

Energydrinks können laut den analysierten Studien auch die psychische Gesundheit und das Verhalten beeinflussen. Ein hoher Konsum ist bei Kindern etwa mit Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefiziten verknüpft. „Es wurden zudem Zusammenhänge mit Stress, Ängstlichkeit oder Depression gefunden“, erklärt Khoudja. Diese Effekte wurden jedoch nicht in allen Studien beobachtet.

Ein Teil der Studien hat zudem die Langzeitfolgen untersucht, die der Konsum von Energydrinks bei Kindern auslöst. Demnach ist der problematische Konsum von Alkohol und andere Drogen sowie selbstverletzendes Verhalten und Selbstmordgefährdungen bei Menschen höher, wenn sie als Minderjährigen häufig Energydrinks konsumiert haben.

Schlechteres Wohlbefinden durch Energydrinks

„Daten aus Großbritannien deuten darauf hin, dass Kinder, die Energydrinks an fünf oder mehr Tagen in der Woche konsumieren, ein schlechteres psychologisches und physisches Wohlbefinden aufweisen als Nicht-Konsumenten, Es bleibt aber unklar, ob das Trinken von Energydrinks zu schlechtem Wohlbefinden führt oder das schlechte Wohlbefinden zum Konsum von Energydrinks“, konstatiert Khouja.

„Die Daten unterstützen die Idee von einer Verbindung zwischen dem Trinken von Energydrinks und verschlechterter Gesundheit und Verhalten von Kindern, obwohl die Ursache unklar ist“, so Khouja. Die Studien können jedoch nicht Ursache von Wirkung unterscheiden, weil die Daten größtenteils aus Fragebögen und Querschnittstudien stammen. Um einen kausalen Zusammenhang zu belegen, sind demnach weitere Langzeitstudien nötig.

British Medical Journal, doi: 10.1136/bmjopen-2020-047746

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