Social Distancing und Co.

Keine Grippewelle 2020 dank Covid-19-Maßnahmen?

Robert Klatt

Maßnahmen gegen Covid-19 wie die verpflichtende Nutzung eines Mund-Nasen-Schutz (MNS) und Social Distancing scheinen die Grippewelle 2020 zu verhindern.

Druid Hills (U.S.A.). Laut einer Studie des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die im Journal Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR) publiziert wurde, wird die Grippewelle 2020 weltweit deutlich weniger Menschen infizieren oder sogar ganz ausbleiben. Verantwortlich dafür sind laut den Wissenschaftlern die Maßnahmen wie Social Distancing und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutz (MNS) im öffentlichen Raum, die aufgrund der Covid-19-Pandemie in vielen Staaten verpflichtend eingeführt wurden.

Daten von Ländern der Südhalbkugel wie Argentinien, Australien oder Südafrika, wo die Grippesaison bereits begonnen hat, zeigen deutlich weniger Infektionen als in den Jahren zuvor. Von April bis Juli wurden in Australien zum Beispiel nur 33 Personen positiv auf Influenza getestet. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzeichnet auf der Südhalbkugel praktisch keine Grippe-Infektionen.

Tiefstand bei Influenzafällen

Auch in den USA befinden sich laut dem CDC die Influenzafälle auf einem historischen Tiefstand. Laut einer Stellungnahme des der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch-Instituts (RKI) ist für Deutschland aufgrund der geringen Stichprobengröße bisher keine zuverlässige Einschätzung möglich. Der Wegfall von Massenveranstaltungen und die übrigen Covid-19-Schutzmaßnahmen sollten aber auch in der Bundesrepublik die Influenzafälle signifikant reduzieren.

Influenza fördert SARS-CoV-2-Verbreitung

Diese Nebenwirkung der Covid-19-Maßnahmen ist laut Experten aus zwei Gründen eine mehr als positive Nachricht. Die Grippe selbst verursacht jährlich in Deutschland vor allen unter Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen tausende Todesfälle, die dieses Jahr nicht auftreten sollten. Außerdem hätte eine starke Grippewelle laut einer auf dem Preprint-Server medRxiv veröffentlichten Publikation des Max-Planck-Institutes für Infektionsbiologie (MPIIB) dafür gesorgt, dass sich Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 verdoppeln.

Die Auswirkungen der Covid-19-Maßnahmen auf andere Atemwegserkrankungen sind laut dem Influenza-Monatsbericht des RKI leider nur minimal. In den letzten zwei Wochen sind in Deutschland Atemwegsinfektionen deutlich angestiegen. Verantwortlich dafür sind laut der Sentinel-Überwachung des RKI vor allen Rhinoviren, die wie die Influenza jährlich in Wellen auftreten und hauptsächlich durch Schmierinfektion verbreitet werden.

Morbidity and Mortality Weekly Report, doi: 10.15585/mmwr.mm6937a6e

medRxiv, doi: 10.1101/2020.09.07.20189779

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