Mesenchymale Zellen

Keine Glatze mehr? Implantierbare Haarfollikel im Labor gezüchtet

 Robert Klatt

Implantierbare Haarfollikel gegen Glatze )moc.sotohptisopedacirfAweN(Foto: © 

Etwa zwei Milliarden Menschen leiden unter Haarausfall. Nun wurden erstmals implantierbare Haarfollikel gezüchtet, die in die Dermis einwachsen, sich vollständig in das Nerven- und Muskelsystem integrieren und den natürlichen Zyklus aus Ausfall und erneutem Wachstum durchlaufen.

Hyogo (Japan). Haarausfall durch Autoimmunerkrankungen wie Alopecia oder altersbedingte Glatzenbildung betrifft etwa ein Viertel der Weltbevölkerung, also rund zwei Milliarden Menschen. Behandlungen, mit denen der Haarausfall verhindert oder sogar umgekehrt werden kann, sind deshalb ein Milliardenmarkt. Die Wissenschaft arbeitet deswegen seit Langem daran, funktionierende Haarfollikel zu züchten, die betroffenen Menschen dann implantiert werden sollen.

Forscher des RIKEN Centre for Biosystems Dynamics Research (BDR) haben nun entdeckt, dass mesenchymale Zellen entscheidend dafür sind, dass Haare nach unten in die Lederhaut wachsen. Sie konnten auf Basis des neuen Wissens einen biotechnologischen „Keim“ züchten, der den Tieren anschließend eingepflanzt werden konnte.

Komplette Haarfollikel durch dritten Zelltypen

Im Rahmen der vom Unternehmen OrganTech geförderten Studie haben die Forscher aus epithelialen Stammzellen und dermalen Papillazellen neue Haarfollikel gezüchtet. Sie haben als dritten Zelltypen die mesenchymalen Zellen genutzt, die zuvor kaum beachtet worden waren. Mesenchymale Zellen bilden das unterstützende Gewebe und fördern die Entstehung einer verdickten Zellregion (Haarplakode), die als Ursprung der Haarfollikel gilt.

Die epithelialen Stammzellen und dermalen Papillazellen sorgen beim Menschen für die grundlegende Haaranlage und die mesenchymalen Zellen dafür, dass die Haarfollikel in die Lederhaut (Dermis), eine kollagenfaserreiche Bindegewebsschicht zwischen der Oberhaut (Epidermis) und der Unterhaut (Subcutis), einwachsen. Sie sind somit entscheidend für die Bildung eines vollständigen Haarfollikels.

Haarfollikel aus dem Organ-Keim-Verfahren

Die Wissenschaftler haben mit dem etablierten Organ-Keim-Verfahren Haarfollikel-Keime erzeugt, die aus Papillazellen, Stammzellen und mesenchymalen Zellen bestanden. Diese Haarfollikel-Keime haben sie Mäusen implantiert. Nach nur zwei Wochen sind die Haarfollikel in die Dermis gewachsen und haben einen sichtbaren Haarschaft gebildet. Die Haare haben sich vollständig in das Nerven- und Muskelsystem der Tiere integriert und in einem Zeitraum von 68 Tagen den natürlichen Zyklus aus Ausfall und erneutem Wachstum durchlaufen.

Laut den Forschern ist die erstmalige Züchtung von funktionierenden Haarfollikeln nicht nur als Mittel gegen Glatzen und Haarausfall relevant, sondern kann auch dabei helfen, die Regeneration von anderen Organen besser zu verstehen.

„Diese Arbeit definiert eine grundlegende zelluläre Konfiguration für die funktionelle Regeneration von Haarfollikeln. Über die Haarbiologie hinaus stärkt sie unsere umfassendere Strategie der organbasierten regenerativen Medizin, bei der präzise orchestrierte Interaktionen zwischen epithelialen und mesenchymalen Zellen eine stabile und funktionelle Geweberekonstruktion ermöglichen.“

Quellen:

Pressemitteilung von OrganTech (PDF)

Studie im Fachmagazin Biochemical and Biophysical Research Communications, doi: 10.1016/j.bbrc.2026.153459

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