Unnatürliche Geburt

Kaiserschnitt ist schädlich für die Entwicklung des Gehirns

D. Lenz

Forscher weisen die Schädlichkeit von Kaiserschnitten bei Mäusen nach. Durch den medizinischen Eingriff produzieren die Mäusebabys bei Ihrer Geburt ein bestimmtes Protein nur in geringen Mengen. Dieses Protein beeinflusst unter anderem den Orientierungssinn und das Lang- sowie Kurzzeitgedächtnis.

New Haven (USA). Amerikanische Mediziner haben in Zusammenarbeit mit spanischen Kollegen nachweisen können, dass Kaiserschnitte bei Mäusen Entwicklungsstörungen im Gehirn auslösen. Die Mediziner beobachteten, dass bei natürlichen Geburten das Protein UCP2 im Hippocampus (eine Region im Temporallappen des Gehirns) produziert wird. Bei Entbindungen per Kaiserschnitt konnten die Mediziner dieses Protein im Gehirn der Mäusebabys kaum nachweisen.

Das Protein UCP2 spielt bei der Hirnentwicklung eine zentrale Rolle, denn es ist nicht nur für die Vernetzung der Nervenzellen verantwortlich, es hat auch Einfluss auf den Orientierungssinn sowie auf das Lang- und Kurzzeitgedächtnis. Spätere Untersuchungen bestätigten, dass durch die gestörte Hirnentwicklung Beeinträchtigungen sogar bis in das Erwachsenenalter bestehen. Genaue Untersuchungen haben gezeigt, dass durch das fehlende Protein die Zahl und Größe der Nervenzellen, das Wachstum der Nervenzellfortsätze sowie die Vernetzung der Synapsen untereinander deutlich weniger ausgeprägt waren, als bei jungen Mäusen die durch eine natürliche Geburt auf die Welt kamen. "Diese Ergebnisse zeigen eine möglicherweise entscheidende Rolle von UCP2 für die korrekte Entwicklung von Hirn-Schaltkreisen und den damit zusammenhängenden Verhaltensweisen", so Tamas Horvath von der Yale School of Medicine. "Auch beim Menschen könnte die ansteigende Verbreitung von Kaiserschnitten aus Bequemlichkeit statt medizinischer Notwendigkeit einen bislang unerwarteten Langzeiteffekt auf Hirnentwicklung und -funktion haben".

In der Tat ist eine starke Tendenz in westlichen Ländern zum Kaiserschnitt festzustellen. Viele Mütter entscheiden sich immer häufiger aus Bequemlichkeit oder aus Angst vor den Geburtsschmerzen und Komplikationen zu der unnatürlichen Geburt. Welche Auswirkungen der Kaiserschnitt beim Menschen hat, ist bisher noch nicht erforscht, jedoch schließen Horvath und seine Kollegen ähnliche Effekte beim Menschen nicht aus.

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