Von: Andreas S.
Schnell und sicher

Im Atem lässt sich Darmkrebs nachweisen

Zukünftig könnte eine Analyse der ausgeatmeten Luft ausreichen, um Darmkrebs zu diagnostizieren. Forscher haben herausgefunden, dass in der ausgeatmeten Luft von Menschen, die an Darmkrebs erkrankt sind, bestimmte gasförmige Substanzen häufiger vorkommen und auf den Krebs schließen lassen.

Darmkrebs unter dem Mikroskop.
© Kwz / wikipedia.org

Bari (Italien). Die Darmkrebserkrankung hat in den letzten 30 Jahren rasant zugenommen. Mediziner schätzen, dass die weltweite Zahl an jährlichen Neuerkrankungen an diesem Krebs bei etwa eine Million Menschen liegt. Wird der Darmkrebs rechtzeitig erkannt, bestehen sehr gute Chancen, den Krebs erfolgreich behandeln zu können. Nun haben italienische Forscher ein Diagnoseverfahren entwickelt, welches mit einer sehr hohen Genauigkeit Darmkrebs in der ausgeatmeten Luft diagnostizieren kann.

So erläutern die Forscher, dass derzeitig noch weitere Tests nötig sind, um die Eignung des Atemtests für den Einsatz in der Praxis zu prüfen. Jedoch deuten die ersten Ergebnisse bereits darauf hin, dass der neuen Diagnosemethode dem Praxiseinsatz nichts im Wege stehen würde. Im Fachmagazin British Journal of Surgery erklären die Forscher, wie genau der Test funktioniert.

Donato Altomare und seine Kollegen von der Universität Aldo Moro in Bari erklären, dass der Medizin derzeit ein effektives Mittel fehlt, um Darmkrebs ohne großen Aufwand zweifelsfrei und kostengünstig diagnostizieren zu können. So ist eine Diagnose per Darmspiegelung zwar relativ genau, aber mit großem Aufwand für Patienten und Ärzte verbunden. Die Darmkrebsdiagnose anhand einer Stuhlprobe zu stellen, halten die Forscher für weniger vernünftig, denn die Treffsicherheit beträgt gerade einmal zwischen 20 und 40 Prozent. Erst bei einer regelmäßigen Untersuchung der Stuhlprobe steigt die Genauigkeit. Altomare sagt: "Ein Atemtest ist simpel und nicht-invasiv." Wie die Forscher nachweisen konnten, ist der Atemtest zur Darmkrebsdiagnose zudem mit einer relativ hohen Treffsicherheit von rund 76 Prozent verbunden. Wenn sich das Diagnoseverfahren in weiteren Studien bewährt, so könnte der Atemtest zukünftig für die Früherkennung von Darmkrebs eingesetzt werden.

Der erste Teil der Studie bestand darin, dass neben 41 gesunden Kontrollpersonen, 37 an Darmkrebs erkrankte Personen in einen Filter atmen mussten. Bei den Darmkrebspatienten wurde der Krebs per Darmspiegelung diagnostiziert und kurz nach der Studie operativ entfernt. Die Atmung durch den Filter sei notwendig, damit die Raumluft und die in ihr enthaltenen Substanzen das Testergebnis nicht verfälschen. Nachdem die Probanden fünf Minuten in den Filter geatmet hatten, mussten sie knapp zwei Liter Luft in einen Probebehälter ausatmen.

Insgesamt identifizierten die Forscher 58 flüchtige Verbindungen in den Probebehältern beider Gruppen. Größtenteils handelte es sich um gasförmige Kohlenwasserstoffe. "Diese Verbindungen werden in verschiedenen Körpergeweben produziert, erreichen über das Blut die Lungenbläschen und werden dann mit ausgeatmet", so die Forscher. Da in Tumorgeweben allerdings andere Stoffwechselprozesse ablaufen, sind auch die Molekülmischungen verändert. Diese lassen sich in der Atemluft nachweisen.

Die Auswertung der Proben ergab, dass 15 der 58 flüchtigen Verbindungen in der Atemluft der Krebspatienten in deutlich höheren Konzentrationen vorhanden waren, als es bei den gesunden Kontrollpersonen der Fall war. Anhand der 15 Substanzen konnte ein Analyseprogramm die Darmkrebspatienten mit einer Treffsicherheit von 85 Prozent identifizieren. Jedoch wurden fünf der 37 Probanden falsch klassifiziert.

In einem weiteren Blindtest haben die Forscher den Atem von 15 Darmkrebspatienten und 10 gesunden Menschen überprüft. Hier konnten die Forscher 19 der 25 Proben korrekt zuordnen. Dies ergibt eine Genauigkeit der Darmkrebsdiagnose von rund 76 Prozent. Damit ist die Diagnose per Atemluft erheblich genauer als die Darmkrebsdiagnose per Stuhlprobe, berichten die Forscher. Zudem sind die Kosten für die Untersuchung wesentlich geringer.

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