Medikamenten-Studie

Häufig falscher Umgang mit rezeptfreien Medikamenten

Dennis L.

Auf den Punkt gebracht
  • Kampagne Bewusst richtig handeln soll über rezeptfreie Medikamente aufklären
  • Die Wenigsten halten sich bei rezeptfreien Medikamenten an die exakte Dosierung
  • Viele unterschätzen die Nebenwirkungen freiverkäuflicher Medikamente

Studien haben gezeigt, dass die meisten Bundesbürger mit Over-the-Counter-Medikamenten nicht richtig umgehen. Ob Dosierung, Risiken oder Entsorgung - die Wissenslücke der Deutschen ist bei diesem Thema groß. Eine medizinische Aufklärungskampagne soll über den richtigen und verantwortungsvollen Umgang mit rezeptfreien Medikamenten informieren.

München (Deutschland). GSK Consumer Healthcare hat mit „Bewusst richtig handeln“ eine Aufklärungskampagne für den korrekten Umgang mit rezeptfreien Medikamenten, sogenannten Over-the-Counter Medikamente, gestartet und informiert ausführlich über Aufbewahrung, Anwendung, Dosierung, Nebenwirkungen und Entsorgung. Auf der speziell dafür eingerichteten Website bewusstrichtighandeln.de erhalten Verbraucher wichtigen Informationen zu dem Thema. Eine begleitende wissenschaftliche Studie zur Kampagne macht deutlich, wie groß der Aufklärungsbedarf in der Bundesrepublik wirklich ist.

„Wir freuen uns eine so wichtige Kampagne zu starten und sind fest von ihrer Notwendigkeit überzeugt. Als eines der weltweit größten Gesundheitsunternehmen wollen wir etwas gegen die Wissenslücken im Bereich der Selbstmedikation unternehmen und unseren Teil zu einem sicheren und nachhaltigen Umgang mit unseren Produkten leisten“, erklärt Agnes Magdalena Hug, Medical Director GSK Consumer Healthcare DACH. Alleine die Tatsache, dass Verbraucher im Internet nach beispielsweise Begriffen wie Sildenafil rezeptfrei oder Sildenafil ohne Rezept kaufen suchen, zeigt deutlich, wie sehr Verbraucher die Wirkung von Medikamenten - ob rezeptfrei oder verschreibungspflichtig - unterschätzen.

Im Rahmen der Kampagne veröffentlicht GSK auch die Ergebnisse einer in Deutschland durchgeführten repräsentativen Studie zum Gebrauch von rezeptfreien Medikamenten. Die Forscher wollten vor allem wissen, wie die befragten Verbraucher ihre Medikamente charakterisieren und wie sie diese verwenden, dosieren, lagern und entsorgen.

Nur 6 von 10 halten sich an die exakte Dosierung

Laut der aktuellen Studie nimmt rund jeder achte Deutsche (12,3 Prozent) täglich rezeptfreie Arzneimittel ein. Allerdings halten sich nur knapp sechs von zehn Befragten (60,3 Prozent) stets genau an die Dosierungsangaben in der Packungsbeilage. Knapp jeder Zehnte (9,9 Prozent) tut dies nur manchmal und zwei Prozent halten sich überhaupt nicht an die Dosierungsanleitung.

„An die Vorgaben aus dem Beipackzettel sollte man sich unbedingt halten. Sie beruhen auf sorgfältig durchgeführten Studien der Hersteller. Daraus ergibt sich ein Dosierungsbereich, in dem das Medikament sicher und wirksam ist. Die maximale Tagesdosis eines OTC-Medikaments sollte auf gar keinen Fall ohne Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin überschritten werden“, erklärt Prof. Dr. med. Justus Benrath, Leiter der Schmerz-Ambulanz am Universitätsklinikum Mannheim.

Die Studie zeigt weiter, dass sich bei der Dosierung von noch unbekannten OTC-Medikamenten durch den Verbraucher, deutlich mehr an die Packungsbeilage halten (51 Prozent). Etwa 44,2 Prozent lassen sich in der Apotheke beraten. Bei bewährten Medikamenten verlassen sich hingegen 47,8 Prozent der Befragten vor allem auf ihre bisherigen Erfahrungen.

Für Mediziner schockierend war das Ergebnis, dass 28,5 Prozent der 18- bis 34-jährigen Befragten entweder sehr selten oder nie das Verfallsdatum von OTC-Medikamenten prüfen. Etwas gewissenhafter sind Menschen über 55 Jahren: Hier achten nur rund 19,5 weniger oder gar nicht auf das Haltbarkeitsdatum der Medikamente.

Kritisch sehen Experten auch, dass 37,4 Prozent der Verbraucher mit Kindern ihre Medikamente in einem einfach zugänglichen Schrank oder einer Schublade aufbewahren. Die Wirkung von OTC-Medikamenten, geschweige denn von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, ist nicht zu unterschätzen und eine Überdosierung - vor allem bei Kindern - kann ernsthafte Folgen haben. „Medikamente, ganz gleich welcher Art und Weise, müssen vor dem Zugriff von Menschen, die keinen Zugriff haben sollten, sicher geschützt werden“, so Justus Benrath.

Medikamentenentsorgung: Wenig Verständnis für die Umwelt

Die Studie ergab zudem, dass 50,8 Prozent der Deutschen Cremes und Gele mit den Händen auftragen und sie dann waschen. Dies ist jedoch der falsche Weg, wie Agnes Magdalena Hug betont: „Durch das Händewaschen können Arzneimittelrückstände in die Umwelt gelangen. Deshalb ist es besser, sich die Hände mit einem Papierhandtuch abzuwischen und dieses dann im Hausmüll zu entsorgen.“

Die Autoren der Studie haben die Verbraucher auch zur Medikamentenentsorgung befragt. Demnach entsorgen 28 Prozent der Befragten ihre Medikamente zumindest teilweise falsch, zum Beispiel indem sie sie in die gelbe Tonne werfen oder die Toilette herunterspülen. Bei den jungen Menschen zwischen 18 und 34 Jahren sind es sogar über 55 Prozent, die sie falsch entsorgen. Gesundheitsexperte Benrath erklärt: „Das Entsorgen von Medikamenten ist in den meisten Fällen ganz einfach: Sie gehören in den Restmüll. Niemals sollten Medikamente in der Toilette oder im Waschbecken heruntergespült werden.“ Agnes Magdalena Hug ergänzt: „Wer sich noch unsicher ist, kann auch auf der Internetseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte nachschauen oder in der Apotheke nachfragen, wie man seine Medikamente richtig entsorgt.“

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