Influenza

Grippeimpfung beeinflusst auch SARS-CoV-2

Robert Klatt

Laut einer neuen Studie reduziert eine Grippeimpfung auch das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion. Außerdem sind schwere Covid-19-Verläufe nach einer Grippeimpfung seltener.

 Ann Arbor (U.S.A.). Wissenschaftler der University of Michigan haben im American Journal of Infection Control eine Studie publiziert, laut der eine Impfung gegen die echte Grippe (Influenza) auch das Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 reduziert. Außerdem zeigen die Daten, dass Menschen, die eine Grippeimpfung erhielten, seltener schwer an Covid-19 erkranken, seltener beatmet werden müssen und schneller wieder aus der Klinik entlassen werden können.

Das Team um die Ärztin Anna Conlon hat für ihre Studie auf die Datenbank des Gesundheitssystems des US-Bundesstaats zurückgegriffen. Ausgewertet wurden Gesundheitsdaten von 27.000 Menschen, die bis zum 15. Juli 2020 ein positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. 13.000 davon wurden in den 12 Monaten davor gegen die Grippe geimpft.

Infektionsrisiko sinkt

In der nicht gegen Grippe geimpften Gruppe diagnostizierten Ärzte bei 4,9 Prozent der Personen Covid-19. Bei den zuvor gegen Grippe geimpften Probanden trat Covid-19 hingegen nur bei 4,0 Prozent der Personen auf. Eine Grippeimpfung reduziert demnach das Risiko positiv auf Covid-19 getestet zu werden um 24 Prozent.

Außerdem mussten Personen ohne Grippeimpfung, die an Covid-19 erkrankten, ein Drittel öfter im Krankenhaus behandelt und zweimal so oft beatmet werden. Auch die mittlere Länge des Aufenthalts im Krankenhaus war bei dieser Gruppe deutlich länger. Laut Conlon ist dies besonders überraschend, weil die Geimpften tendenziell öfter Mitglied einer Risikogruppe sind. Ob die Grippeimpfung sich auch auf die Sterblichkeit auswertet, ist bisher nicht bekannt.

Immunsystem wird aktiviert

Als Ursache für diese Schutzwirkung sehen die Wissenschaftler eine Aktivierung des Immunsystems durch die Grippeimpfung. Diese erlernte Immunantwort gegen das Grippevirus würde demnach das Immunsystem in Alarmbereitschaft versetzen und somit auch einen Teilschutz gegen das neue Coronavirus bieten. Dieser in der Medizin als „trainierte Immunantwort“ bekannte Effekt tritt wahrscheinliche auch bei anderen Impfungen auf. Weil die Grippeimpfung jährlich erneuert werden muss, kann die trainierte Immunität bei ihr jedoch einfacher nachgewiesen werden.

American Journal of Infection Control, doi: 10.1016/j.ajic.2021.02.012

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