Stress

Fußballschauen ist Risikofaktor für Herzinfarkte

Robert Klatt

Während der Fussball-WM 2014 kam es zu deutlich mehr Herzinfarkten bei deutschen Zuschauern. Verantwortlich dafür ist kollektiver Stress, der auch durch Terrorismus, Kriege und Naturkatastrophen ausgelöst wird.

Mainz (Deutschland). In der Medizin ist schon seit Langem bekannt, dass kollektiver Stress, der unter anderem durch Terrorismus, Kriege und Naturkatastrophen ausgelöst werden kann, die Anzahl der Herzinfarkte signifikant erhöht. Wissenschaftler der des Zentrums für Kardiologie der Unimedizin Mainz und der Abteilung für Sportmedizin der Uniklinik Heidelberg haben nun anhand von Krankenhausdaten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) untersucht, ob auch sportliche Großereignisse unter den Zuschauern zu mehr Herzinfarkten führen. In der Wissenschaft galt ein solcher Zusammenhang zuvor als umstritten.

Analysiert hat das Team um Karsten Keller dazu laut ihrer Publikation im Fachmagazin Scientific Reports die Fußball-Weltmeisterschaft 2014, deren Finale in Deutschland 34,5 Millionen Menschen im Fernsehen verfolgten. Als Vergleich nutzten die Wissenschaftler den 12. Juni bis 13. Juli 2013 und 2015 sowie den Folgemonat im selben Jahr, den 14. Juli bis 14. August 2014.

Herzinfarkte während Fußball-WM signifikant höher

Während der Fussball-WM wurden in Deutschland 18.479 Patienten mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert. Dies sind 2,1 Prozent mehr als 2013, 3,7 Prozent mehr als 2015 und 5,4 Prozent mehr als im Monat nach der WM. Unterschiede in Bezug auf das Alter, Geschlecht und andere Risikofaktoren gab es in den verschiedenen Zeiträumen nicht. Das Durchschnittsalter lag bei 71 bis 72 Jahren und zwei Drittel der Patienten waren Männer. Auch das Wetter, ein weiterer Risikofaktor für Herzinfarkte, war in den Untersuchungszeiträumen vergleichbar.

Sterblichkeit der Patienten gleich

In den betrachteten Jahren wurden die Behandlungsmethoden lediglich geringfügig verändert. Eine Veränderung der Sterblichkeit der Patienten zwischen der WM und den Vergleichszeiträumen gab es deshalb nicht. Eine Ausnahme bildet lediglich das Finale Deutschland gegen Argentinien, bei dem die Sterblichkeit mit zwölf Prozent am höchsten war. In Deutschland starben an diesem Tag 144 Menschen an den Folgen eines Herzinfarkts.

Spielverlauf hat Einfluss auf Herzinfarkt-Rate

Zusätzlich analysierten die Wissenschaftler, ob der Spielverlauf die Herzinfarkt-Rate beeinflusst. In drei der sieben Spiele der WM konnte die deutsche Nationalmannschaft schon in der ersten Halbzeit ein Tor erzielen. Dies beeinflusste das Herzinfarkte-Risiko der Zuschauer jedoch nicht. Ob Torschüsse früh oder erst spät im Spiel erfolgen, hat demnach keinen Einfluss darauf, wie viele Zuschauer einen Herzinfarkt am jeweiligen Tag hatten.

„Große Sportereignisse können das Auftreten von Herzinfarkten sowie die damit verbundene Sterblichkeit erhöhen. Herzinfarkte sind für rund 20 Prozent aller Todesfälle in Europa und den USA verantwortlich. Daher ist es besonders wichtig, mögliche Trigger zu identifizieren. Unsere Daten können helfen, Krankenhauskapazitäten besser zu planen und so zum richtigen Zeitpunkt ausreichend Kapazität bereitstellen zu können“, konstatieren die Forscher.

Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-021-90582-z

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