Pilotstudie

Forscher entwickeln ein Medikament gegen Spielsucht

von Dennis L.

Auf der Suche nach wirksamen Therapien gegen das pathologische Spielen haben finnische Forscher einen eher untypischen Weg eingeschlagen und nach einer medikamentösen Behandlung der Spielsucht gesucht. Die Ergebnisse ihrer ersten Pilotstudie liegen nun vor und die Erfolge sprechen für sich.

Helsinki (Finnland). Spielsucht ist ein Problem, welches in vielen Ländern immer größer wird. In der Bundesrepublik Deutschland liegt die Zahl der spielsüchtigen Menschen schätzungsweise zwischen 100.000 und 290.000 (Stand: 2020). In Finnland, wo Forscher nun erfolgreich ein Medikament gegen Glücksspielsucht getestet haben, sind ganze 1,3 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 74 Jahren von der Spielsucht betroffen. In Österreich sind es immerhin noch 0,66 bzw. 0,71 Prozent und in der Schweiz noch 0,5 Prozent der Bevölkerung.

Aber obwohl das zwanghafte Spielen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) längst als Krankheit klassifiziert ist, lassen sich nur sehr wenige Menschen behandeln, so Studienautorin Sari Castrén. Dies liegt vielleicht auch daran, dass die Therapie, wie bei fast allen Süchten, ein sehr langwieriger Prozess ist. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Glücksspielsucht nicht gleich Glücksspielsucht ist und es gewisse Unterschiede bei dieser Form der Sucht gibt. So sind beispielsweise mehr Frauen als Männer spielsüchtig und eine ältere Studie aus dem Jahr 2014 konnte belegen, dass Online-Spieler weniger suchtanfällig sind als die Menschen, die in echten Casinos an Spielautomaten um Geld spielen. Dies gilt jedoch nur für lizenzierten Online-Casinos, wie beispielsweise die Auflistung der Internet-Spielotheken von CasinoHEX.at. Während bisherige Therapien immer individuell auf den Patienten zugeschnitten waren, haben Forscher der University of Helsinki einen ganz anderen Ansatz verfolgt: Ein einfaches Medikament, dass sie Spielsucht unterdrückt.

Naloxon ist ein vielversprechender Kandidat

In einer Pilotstudie, die bereits im Jahr 2017 gestartet ist, haben die Forscher um Castrén klinische Versuche mit dem Medikament Naloxon gemacht. Der Fokus der ersten Studie lag neben der Wirksamkeit gegen Spielsucht auch auf der Verträglichkeit sowie der praktischen Realisierbarkeit. Nun liegen die Ergebnisse der Studie vor und die medikamentöse Behandlung scheint tatsächlich zu funktionieren.

Für ihre Pilotstudie haben die Forscher 20 Probanden, elf Frauen und neun Männer, die zuvor von Medizinern als pathologische Spieler eingestuft wurden, in zwei Gruppen mit jeweils zehn Personen aufgeteilt. Beide Gruppen sollten sich den Wirkstoff Naloxon in Form eines Nasensprays bei Suchtdruck eigenständig verabreichen. Die eine Gruppe durfte jedoch nur viermal täglich jeweils einen Pumpstoß zu je 2mg nehmen, während die andere Gruppe die doppelte Menge, also maximal viermal täglich zwei Pumpstöß nahm.

Spieldruck und Depressionen verbesserten sich

Die Auswertung aller Daten zeigte, dass an 73 Prozent der Tage, an denen die Probanden das Medikament eingenommen haben, diese nicht an Spielautomaten oder anderen Glücksspielen teilgenommen haben. An den Tagen, an denen sie dennoch gespielt haben, sank aber die Intensität des Spiels deutlich.

Bei 15 der 20 Probanden zeigte sich zudem ein Rückgang der mit der Glückspielsucht einhergehenden depressiven Symptome im Untersuchungszeitraum, wie die Forscher im wissenschaftlichen Fachmagazin British Medical Journal berichten.

Der direkte Vergleich der beiden Gruppen zeigt zudem, dass die Kontrollgruppe, welche die höher dosierte Menge des Wirkstoffes Naloxon einnahm, eine geringere Wahrscheinlichkeit aufwies, rückfällig zu werden.

Medikament nicht ganz ohne Nebenwirkungen

Da die Forscher in Ihrer Studie nicht nur die Wirksamkeit einer medikamentösen Behandlung untersuchten, sondern auch die damit verbundenen Nebenwirkungen, führten sie diese in ihrem abschließenden Bericht mit auf. Die Gruppe, die weniger des Medikaments einnahm, zeigte interessanterweise die stärkeren Nebenwirkungen. Dazu zählten vor allem Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Ein Vorher-Nachher-Vergleich beider Gruppen zeigte zudem, dass die Vergleichsgruppe mit der niedrigeren Einnahme zwar auch weniger am Spielautomaten oder im Online-Casino gespielt haben, jedoch konnten die Forscher zeitgleich einen deutlichen Anstieg der Ausgaben beim Glücksspiel beobachten.

Aber trotz der ungewollten Nebenwirkungen erwies sich die medikamentöse Behandlung für alle Probanden unterm Strich als Vorteilhaft. Eine 29-jährige Studienteilnehmerin gab nach Beendigung der Pilotstudie zu Protokoll, dass das Medikament sehr einfach anzuwenden war und sie Niemanden erklären musste, was für ein Medikament man einnehme, da es wie ein gewöhnliches Nasenspray aussieht.

Weitere Studien laufen derzeit

Die kleine Pilotstudie der Forscher ist natürlich nicht repräsentativ. Die Anzahl der Probanden war dafür zu gering und es gab auch keine Kontrollgruppe, die im Versuchszeitraum ein Placebo einnahm. Dennoch könnte die Studie zeigen, dass auch eine medikamentöse Behandlung von Glücksspielsucht möglich ist.

Eine größere Studie, ebenfalls in Finnland durchgeführt, mit 130 Teilnehmern läuft derzeit noch. Erste Ergebnisse sind in Kürze, im Frühjahr 2020 zu erwarten.

In der Behandlung substanzgebundene Suchterkrankungen hat sich der unterstützende Einsatz von Medikamenten bereits etabliert. Bei stoffungebundenen Abhängigkeiten wie der Glückspielsucht hingegen hält sich, trotz vergleichbarer biochemischer Prozesse im Körper, in weiten Kreisen der Gesellschaft die Annahme, dass der Ausstieg aus der Sucht alleine durch die Willenskraft des Betroffenen gelingen kann.

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