Familienstand

Erwachsene, die nie verheiratet waren, erkranken öfter an Krebs

 Robert Klatt

Familienstand beeinflusst das Krebsrisiko stark )moc.sotohptisopediksvonativ(Foto: © 

Erwachsene, die verheiratet waren oder es sind, erkranken deutlich seltener an Krebs. Bei einigen Krebsarten sind die Unterschiede signifikant. Männer, ohne Ehegeschichte, erkranken rund fünfmal öfter an Analkrebs als verheiratete Männer.

Miami (U.S.A.). In der Medizin ist es seit Langem bekannt, dass Krebs bei verheirateten Menschen früher diagnostiziert wird und dass die Überlebenschance bei ihnen höher ist, unter anderem, weil sie im Mittel über stabilere soziale Netzwerke verfügen und weil ihre finanzielle Situation besser ist. Die Wissenschaft hat bisher aber fast nur den Zeitraum nach der Krebsdiagnose untersucht und kaum Studien durchgeführt, die analysiert haben, ob sich der Familienstand auch auf das Risiko, an Krebs zu erkranken, auswirkt.

Forscher der University of Miami Miller School of Medicine haben deshalb eine Studie mit Daten von mehr als 100 Millionen Menschen, bei denen es im Zeitraum von 2015 bis 2022 zu über vier Millionen Krebsdiagnosen kam, erstellt. Sie konnten so vergleichen, ob bestimmte oder alle Krebsarten je nach Familienstand, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und Alter vermehrt auftreten.

„Wir wollten herausfinden, wer mit größerer Wahrscheinlichkeit Krebs bekommt – verheiratete oder unverheiratete Menschen.“

Ehegeschichte beeinflusst Krebsrisiko

Die Wissenschaftler haben die Probanden in eine Gruppe, die verheiratet ist oder es früher war, und eine Gruppe, die nie verheiratet war, unterteilt. Laut den analysierten Daten entwickeln Erwachsene ohne Ehegeschichte signifikant öfter Krebs, als Personen, die verheiratet sind oder es waren.

Der Zusammenhang war vor allem bei Krebsarten, die mit Infektionen, Rauchen oder Alkoholkonsum verbunden sind, hoch. Bei Krebsarten mit etablierten Vorsorgeprogrammen, etwa Brust-, Schilddrüsen- und Prostatakrebs, waren die Unterschiede deutlich geringer. Am größten waren die Unterschiede bei Männern bei Analkrebs. Dieser tritt bei Männern, die nie verheiratet waren, rund fünfmal öfter auf. Frauen, die nie verheiratet waren, erkranken hingegen dreimal so oft an Gebärmutterhalskrebs wie verheiratete Frauen.

„Das ist ein klares und starkes Signal dafür, dass bestimmte Gruppen ein höheres Risiko haben.“

Der umfassende Datensatz zeigt zudem, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Frauen, die nie verheiratet waren, haben ein deutlich höheres Krebsrisiko als Frauen mit einer Ehegeschichte (+ 85 %). Bei Männern ist die Differenz geringer (75 %). Außerdem belegen die Daten, dass schwarze Männer, die nie verheiratet waren, die höchste Krebsrate aller untersuchten Bevölkerungsgruppen haben. Schwarze Männer mit einer Ehegeschichte erkranken hingegen seltener an Krebs als verheiratete weiße Männer, was darauf hindeutet, dass sie gesundheitlich besonders stark von einer Ehe profitieren.

„Diese Ergebnisse legen nahe, dass soziale Faktoren wie der Familienstand wichtige Indikatoren für das Krebsrisiko auf Bevölkerungsebene sein können.“

Schützt eine Heirat vor Krebs?

Laut den Forschern belegen die Daten jedoch nicht, dass eine Heirat vor Krebs schützt und Menschen deshalb eine Ehe eingehen sollten.

„Es bedeutet, dass man, wenn man nicht verheiratet ist, besonders auf Krebsrisikofaktoren achten, notwendige Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und medizinisch auf dem neuesten Stand bleiben sollte. Für Präventionsmaßnahmen zeigen unsere Ergebnisse, wie wichtig es ist, das Bewusstsein für Krebsrisiken und Strategien zur Vorbeugung unter Berücksichtigung des Familienstands gezielt zu stärken.“

Die deutlichen Unterschiede können laut den Autoren auch darauf zurückgehen, dass Menschen, die gesünder leben, weniger rauchen oder trinken und stärker sozial eingebunden sind, öfter heiraten, als Menschen mit einem eher ungesunden Lebensstil. Die Studie hat außerdem nicht untersucht, ob dieselben Gesundheitsvorteile auch bei Menschen bestehen, die nie geheiratet haben, aber seit Langem in einer festen, oft eheähnlichen Partnerschaft leben.

Quellen:

Pressemitteilung der University of Miami Miller School of Medicine

Studie im Fachmagazin Cancer Research Communications, doi: 10.1158/2767-9764.CRC-25-0814

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