Gewebeimplantat

Erstmals Ohr mit 3D-Drucker aus eigenen Zellen erzeugt

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • 3DBio Therapeutics hat erstmals aus körpereigenen Zellen mit einem 3D-Drucker ein Gewebeimplantat erzeugt
  • Das Ohr wurde eine jungen Frau mit Mikrotie, einer Missbildung der Ohrmuschel, transplantiert
  • Sollte die klinische Studie erfolgreich verlaufen könnte das Verfahren die Transplantationsmedizin revolutionieren

Einer Frau mit einer Missbildung der Ohrmuschel (Mikrotie) wurde erstmals ein neues Ohr aus körpereigenen Zellen transplantiert, das mit einem 3D-Drucker erzeugt wurde.

New York (U.S.A.). Bei einer Mikrotie (Ohrmuscheldysplasie), also einer Missbildung der Ohrmuschel, hat die Medizin bislang Knorpel aus den Rippen des Patienten oder synthetische Materialien zur Rekonstruktion verwendet. Wissenschaftler des Unternehmens 3DBio Therapeutics (3DBio) haben laut einem Bericht der New York Times (Paywall) nun erstmals aus eigenen Zellen eines Menschen mithilfe eines 3-D-Druckers ein neues Ohr erzeugt.

Bei der Probandin der frühen klinischen Studie war das Außenohr klein und nicht richtig ausgebildet. Zur Rekonstruktion scannte 3DBio das gesunden Ohr der Patientin, um die genaue Form des Implantats zu bestimmen. Anschließend erzeugten die Wissenschaftler als Zellen, die aus dem Knorpelgewebe des gesunden Ohrs stammen, mithilfe eines 3D-Druckers eine neue Ohrmuschel.

Erfolgreiche Transplantation der „künstlichen“ Ohrmuschel

Im März 2022 wurde diese „künstliche“ Ohrmuschel dann transplantiert. Die Operation verlief laut dem Bericht erfolgreich und die transplantierte Ohrmuschel mit dem Namen AuriNovo wächst und bildet neues Knorpelgewebe.

„Als Arzt, der Tausende von Kindern mit Mikrotie aus dem ganzen Land und der ganzen Welt behandelt hat, bin ich begeistert davon, was diese Technologie für Mikrotie-Patienten und ihre Familien bedeuten kann. Diese Studie wird es uns ermöglichen, die Sicherheit und die ästhetischen Eigenschaften dieses neuen Verfahrens zur Ohrrekonstruktion unter Verwendung der eigenen Knorpelzellen des Patienten zu untersuchen“, kommentiert Dr. Bonilla.

Einsatz in der Transplantationsmedizin

Die 20-jährige Mexikanerin ist die erste von elf Probanden der klinischen Studie. Sollte die Transplantation langfristig erfolgreich verlaufen, könnte das Verfahren auch in anderen Bereichen der regenerativen Medizin verwendet werden. Denkbar ist der Einsatz in allen Teilen der Transplantationsmedizin, in denen Knorpel verwendet werden.

„Unsere ersten Indikationen konzentrieren sich auf Knorpel im rekonstruktiven und orthopädischen Bereich, einschließlich der Behandlung komplexer Nasendefekte und Wirbelsäulendegenerationen. Wir freuen uns darauf, unsere Plattform zu nutzen, um andere wichtige, ungelöste medizinische Probleme zu lösen, wie z. B. die Rekonstruktion von Lumpektomien, und schließlich auf Organe zu expandieren“, erklärt Daniel Cohen CEO und Mitgründer des Unternehmens.

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