Robert Klatt
Schwere Atemwegsinfektionen wie Covid-19 verursachen in der Lunge einen anhaltenden entzündlichen Zustand, der das Lungenkrebsrisiko stark erhöht. Impfungen, die vor schweren Verläufen schützen, können dies verhindern.
Charlottesville (U.S.A.). Atemwegsinfektionen wie Covid-19 oder Influenza (Grippe) schädigen oft die Lunge. In der Medizin gibt es deshalb seit Langem die Annahme, dass dadurch langfristig auch das Risiko für Lungenkrebs zunimmt. Dafür sprechen auch Patientendaten von Personen, die wegen Covid-19 stationär in einem Krankenhaus behandelt werden mussten und später deutlich öfter Lungenkrebs entwickelt haben, unabhängig von anderen Vorerkrankungen und davon, ob sie Raucher waren.
Forscher der University of Virginia (UVA) haben deshalb mithilfe von Tiermodellen untersucht, wieso Atemwegsinfektionen das Lungenkrebsrisiko beeinflussen.
„Wir wissen seit langem, dass Faktoren wie Rauchen das Risiko für Lungenkrebs erhöhen. Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass wir schwere virale Atemwegsinfektionen möglicherweise ähnlich bewerten müssen.“
Die Analyse der Lungen zeigt, dass eine schwere Atemwegsinfektion die Lunge langfristig verändert und einen anhaltenden entzündlichen Zustand auslöst. Außerdem verändern Covid-19 und ähnliche Krankheiten die Zellen, die die Lunge und die Lungenbläschen auskleiden. Diese „Umprogrammierung“ des Immunsystems der Lunge führt dazu, dass das Tumorrisiko auch Monate oder sogar Jahre nach der Atemwegsinfektion erhöht ist.
Die Forscher sprechen sich angesichts der Ergebnisse dafür aus, dass Menschen nach einer schweren Atemwegsinfektion regelmäßig mit einem Computertomographen (CT) untersucht werden sollten, um einen entstehenden Tumor frühzeitig zu entdecken. Dieses Vorgehen ist bei Rauchern und anderen Personen mit einem hohen Lungenkrebsrisiko bereits üblich.
„Ein schwerer Verlauf von COVID oder Grippe kann die Lunge in einen anhaltenden entzündlichen Zustand versetzen, der es Krebs später erleichtert, sich zu entwickeln. Die ermutigende Nachricht ist, dass Impfungen diese schädlichen Veränderungen für das Krebswachstum in der Lunge weitgehend verhindern.“
Laut den Studiendaten können Impfungen die krebsfördernden Veränderungen innerhalb der Lunge verhindern, weil deren Immunsystem dadurch Infektionen schneller bekämpfen kann. Zudem zeigen die Patientendaten, dass das Krebsrisiko nur bei Menschen mit einem schweren Krankheitsverlauf erhöht ist. Impfungen, etwa gegen Covid-19, können schwere Verläufe fast immer verhindern.
Personen, die sich von einer schweren viralen Lungenentzündung erholen, insbesondere mit einer Raucherhistorie, könnten von einer intensiveren Überwachung auf Lungenkrebs profitieren. Und die Verhinderung schwerer Infektionen durch Impfungen könnte indirekt auch vor Krebs schützen.“
Die Forscher erhoffen sich, dass die neuen Erkenntnisse dabei helfen, Präventionsmaßnahmen bei betroffenen Menschen zu intensivieren. Entstehender Lungenkrebs könnte dadurch früher erkannt und besser behandelt werden.
„Unser Ziel ist es, Ärzten zu helfen, Menschen mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko nach schweren Infektionen zu erkennen und gezielte Strategien zur Vorbeugung und Behandlung zu entwickeln. Wir gehen außerdem davon aus, dass Impfstoffe nicht nur akute Krankenhausaufenthalte verhindern, sondern auch langfristige Folgen schwerer Infektionen reduzieren können – einschließlich immunologischer Schäden, die das Krebsrisiko erhöhen.“
Quellen:
Pressemitteilung der University of Virginia (UVA)
Studie im Fachmagazin Cell, doi: 10.1016/j.cell.2026.02.013