Nicotiana benthamiana

Covid-19-Impfstoff in Tabakpflanzen gezüchtet

Robert Klatt

Ein neuer Covid-19-Impfstoff auf pflanzlicher Basis erlaubt die einfache Produktion großer Mengen. In einer Phase-1-Studie wurden nur geringe Nebenwirkungen und eine gute Bildung neutralisierender Antikörper beobachtet.

Montreal (Kanada). In Europa sind bislang nur Covid-19-mRNA- und Vektorvirus-Impfstoffe auf dem Markt. Diese benötigen bei der mRNA-Technologie spezialisierte Nanolipidpartikel und beim Vektorvirus-Verfahren Adenoviren, deren DNA ausgetauscht wird, also in beiden Fällen komplexe Herstellungsverfahren. Wissenschaftler der McGill University entwickeln deshalb in Kooperation mit den Pharmafirmen Medicago und GlaxoSmithKline (GSK) ein proteinbasiertes Vakzin zum Schutz vor Covid-19, das bereits in wenigen Monaten auf den Markt kommen könnte.

Dieses soll mithilfe der Pflanze Nicotiana benthamiana, einem tabakartigen Gewächs aus Australien, produziert werden. Laut der Publikation im Fachmagazin Nature Medicine setzen die Wissenschaftler der Pflanze dazu das Bakterium Agrobacterium tumefaciens ein, das Gene des Spike-Glykoprotein von SARS-CoV-2 übertragt. Anschließend bildet die Pflanze während ihrer Wachstumsphase den CoVLP genannte Impfstoff, der anschließend aus den Blättern extrahiert werden kann.

Produktion großer Impfstoffmengen möglich

Im Vergleich zu bisherigen Produktionsverfahren liegt der größte Vorteil der neuen Technik in den großen Impfstoffmengen, die damit relativ einfach erzeugt werden können. Außerdem ist der Impfstoff einfach zu lagern. Er verträgt Temperaturen zwischen zwei bis acht Grad Celsius, ohne seine Wirkung zu verlieren.

Phase-1-Studie mit proteinbasierten Covid-19-Impfstoff

Aktuell findet bereits eine Phase-1-Studie mit dem Virus-artigen Partikelvakzin mit 180 Probanden, die in neun Gruppen unterteilt sind, statt. Das Ziel der Studie ist es unter anderem zu untersuchen, ob der proteinbasierte Covid-19-Impfstoff ein oder zwei Adjuvanten benötigt, um die Immunabwehr auf Covid-19 vorzubereiten.

Geimpft wurden die Probanden im Abstand von drei Wochen jeweils zweimal. Die protokollierten Nebenwirkungen waren mild bis moderat und lagen etwa auf dem Niveau von AstraZeneca. Besonders bei Verwendung von zwei Adjuvanten kam es zu einer guten Bildung neutralisierender Antikörper. Deren Titer lag bei den Probanden zehnmal so hoch wie bei Menschen, die bereits eine Covid-19-Erkrankung überstanden hatten.

Nature Medicine, doi: 10.1038/s41591-021-01370-1

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