Delta-Variante

Covid-19-Herdenimmunität erst bei 90 Prozent Impfquote

Robert Klatt

Die Schutzwirkung aller Impfstoffe ist gegen die Delta-Variante von SARS-CoV-2 deutlich geringer. Zum Erreichen der Herdenimmunität ist deshalb eine Impfquote von 90 Prozent nötig.

Tübingen (Deutschland). Eine Reihe von Studien kam bisher zu dem Ergebnis, dass die Impfstoffwirksamkeit gegen die Delta-Variante von SARS-CoV-2 im Vergleich zu früheren Stämmen des Virus deutlich niedriger ist. Betroffen ist davon vor allem die Schutzwirkung vor Infektionen, die maßgeblich die Ausbreitung beeinflusst. Nun hat Martin Eichner vom Institut für Klinische Epidemiologie und angewandte Biometrie an der Universität Tübingen untersucht, welche Auswirkungen dies auf die zur Erreichung der Herdenimmunität nötige Impfquote hat.

Laut einer Veröffentlichung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg (PDF) ist die Impfstoffwirksamkeit von BNT162b2 von Biontech von 77 – 95 Prozent auf 54 – 80 Prozent gesunken. Auch bei mRNA-1273 von Moderna und AZD1222 von AstraZeneca ist die Schutzwirkung gegen die Delta-Variante deutlich geringer.

Mehrheit der Infektionen von Ungeimpften

Die Wissenschaftler der Universität Tübingen nutzen für ihre Berechnungen drei Wirksamkeitswerte von 60 Prozent (pessimistisch), 70 Prozent (mittlerer Wert) und 80 Prozent (optimistisch). Sie kamen dabei zu dem Ergebnis, dass bei der optimistischen Annahme eine Impfquote von 86,9 Prozent nötig ist, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, wenn bereits 15 Prozent der Bevölkerung von einer Infektion genesen sind und es keine Kontaktbeschränkungen gibt. Bei einer mittleren Impfwirksamkeit wäre dafür eine Impfquote von 93,3 Prozent und einer der pessimistischen Annahme eine Impfquote von 100 Prozent nötig.

Herdenimmunität in Deutschland nur bei hoher Inzident

Sollten nur 70 – 80 Prozent der Bevölkerung sich impfen lassen, würde die Herdenimmunität laut Eichner nur dann innerhalb eines Jahres erreicht werden, wenn eine sehr hohe 7-Tage-Inzidenz zwischen 400 - 800 pro 100.000 Einwohner vorliegt. Damit ist in Deutschland jedoch laut aktuellen Daten nicht zu rechnen.

Boosterimpfungen sind laut dem Epidemiologen zwar sinnvoll, um ältere und vorerkrankte Menschen besser zu schützen und um Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen zu unterbinden, haben aber nur einen minimalen Einfluss auf die Übertragungssituation in der Gesamtbevölkerung.

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