GC-IMS

Atemtest erkennt Covid-19 mit hoher Genauigkeit

Robert Klatt

Ein GC-IMS Atemtest erkennt Covid-19 mit 80 Prozent Genauigkeit. Die Ergebnisse sind praktisch sofort verfügbar. Das neue Verfahren könnte deshalb als vor Ort Test genutzt werden.

Dortmund (Deutschland). Einige Krankheiten wie zum Beispiel eine diabetische Ketoazidose lassen sich leicht am Geruch der ausgeatmeten Luft diagnostizieren. Diabetikerwarnhunde können die Stoffwechselerkrankung anhand von Geruchsstoffe sogar im Anfangsstadium erkennen und Patienten frühzeitig warnen. Bei Covid-19 wurde diese Art der Diagnostik bisher nicht genutzt. Einige Hunde können Covid-19 am Urin infizierter Menschen erkennen, die lange Trainingszeit erschwert den klinischen Einsatz der Tiere allerdings.

Wissenschaftler der Universität Edinburgh und des Klinikums Dortmund haben laut einer im Fachmagazin EClinicalMedicine publizierten Studie deshalb untersucht, ob die flüchtigen organischen Verbindungen (VOC), die bei einer Infektion der Lunge mit SARS-CoV-2 entstehen, mithilfe von Gaschromatografen in der ausgeatmeten Luft aufgespürt werden können.

Gaschromatografie und Ionen-Mobilitäts-Spektrometrie (GC-IMS)

Die unabhängig voneinander arbeitenden Forschungsgruppen nutzten beide ein identisches Messinstrument, das eine Ionen-Mobilitäts-Spektrometrie und die Gaschromatografie kombiniert. Neben Covid-19-Patienten wurden auch Atemluftanalysen von Menschen mit anderen Atemwegserkrankungen wie COPD und Asthma sowie bakteriellen oder viralen Atemwegsinfektionen durchgeführt.

Testergebnisse schnell verfügbar

Das Testverfahren ist im Vergleich zu bisherigen Methoden simpel und mit einem Alkoholtest vergleichbar. Die durch ein kleines Einmalsammelröhrchen geblasene Luft wird mit einer Spritze entnommen und in den GC-IMS eingebracht. Dort erfolgt die Analyse der Probe ohne zusätzliche Reagenzien. Ergebnisse liegen bereits nach wenigen Minuten vor. Laut den Studienautoren eignet sich diese Methode deshalb auch als Schnelltest vor Ort. Aerosole werden nicht freigesetzt, das Infektionsrisiko für das Testpersonal ist deshalb relativ gering.

Genauigkeit von 80 Prozent

In Edinburgh lag die Genauigkeit des Tests bei 27 Patienten mit COVID-19 bei 80 Prozent (Sensitivität/Spezifität 82,4 %/75 %; AUC-Wert 0,87). In Dortmund wurde eine Genauigkeit von 81,5 Prozent erzielt (Sensitivi­tät/Spezifität 90 %/ 80 %; AUC-Wert 0,91).

Weitere Studien mit größeren Probandengruppen sollen nun die Genauigkeit des Testverfahrens verifizieren und untersuchen, ob die Ergebnisse durch andere Faktoren wie der Ernährung der Menschen beeinflusst wird.

EClinicalMedicine, doi: 10.1016/j.eclinm.2020.100609

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