Felsgleithörnchen

Zwei neue Rieseneichhörnchen-Spezies im Himalaya entdeckt

Conny Zschage

Es wird über einen Meter lang und zweieinhalb Kilo schwer: das Felsgleithörnchen. Trotzdem gehört zu den seltensten Tieren der Welt, da bisher kaum Exemplare in der Wildnis gesichtet wurden. Hinzu kommt, dass der riesige Verwandte des Eichhörnchens nur im Himalaya-Gebirge vorkommt. Nun haben Forscher das Tier genauer untersucht und herausgefunden, dass es mindestens drei verschiedene Spezies gibt.

Kathmandu (Nepal). Das Himalaya-Gebirge erstreckt sich durch eine Vielzahl von Ländern. Im Westen verläuft es durch Pakistan, im Norden durch die Volksrepublik China, im Osten durch Nepal und Myanmar und im Süden durch Indien. Neben dem Mount Everest, dem wohl berühmtesten Berg der Welt, hat das Himalaya-Gebirge aber auch noch mehr zu bieten: Eine einzigartige Flora und Fauna. Während der nördliche Teil des Gebirges voller schneebedeckter Berge ist, findet man am Südhang eine ganze Vielfalt an Vegetation und Artenreichtum. Und eine Tierart stößt besonders hervor: das Felsgleithörnchen.

Es wurde 1888 zuerst beschrieben und galt ab 1924 für 70 Jahre als ausgestorben, bis Wissenschaftler 1994 ein lebendes Exemplar fanden. Ob das Tier tatsächlich so selten ist, oder sich einfach ausgesprochen gut verstecken kann, ist nicht bekannt. Seit 1996 wurden bisher keine weiteren Exemplare gesichtet. Da jedoch Kot des Tieres gefunden wurde, ist davon auszugehen, dass es noch nicht ausgestorben ist.

Widersprüchliche Angaben zur Lebensweise

Bis vor Kurzem war nicht vollständig bekannt, ob das Felsgleithörnchen in den Spitzen von Fichtenwäldern oder im felsigen Gebirge lebt. Hinzu kamen widersprüchliche Angaben von Wissenschaftlern, die das Tier untersucht hatten. Während einige Forscher angaben, ein Tier mit stumpfen Krallen analysiert zu haben, beschrieben andere ein Exemplar mit spitzen Krallen. Stumpfe Krallen würden eher auf ein Leben auf Felsen und in Höhlen hinweisen. Dort könnte sich das Felsgleithörnchen von Moos ernähren. Spitze Krallen deuten dagegen auf ein Leben in Bäumen hin.

Neue Studie schafft Klarheit

Da die bisherigen Befunde nicht eindeutig waren und kein neues Gleithörnchen gefunden werden konnte, entschloss sich eine Forschungsgruppe aus chinesischen und australischen Wissenschaftlern alle bisherigen Studien und Arbeiten, aber auch die in Museen aufbewahrten Exemplare des Gleichhörnchens genauer zu untersuchen. Zusätzlich verglichen sie die DNA aller verfügbaren Tiere. Am Ende ihrer Studie, welche sie in der Fachzeitschrift Zoological Journal of the Linnean Society veröffentlichten, hatten sie ein beeindruckendes Ergebnis vorzulegen. Sie fanden heraus, dass mindestens drei verschiedenen Arten des Felsgleithörnchens existieren.

Unterteilung nach Region

Dadurch kann das Felsgleithörnchen nun in drei Arten anhand der Region, in welcher es vorkommt, unterteilt werden: Die Typusart der Gattung, Eupetaurus cinereus, kommt im nördlichen Pakistan und Nordwesten von Indien vor. Eupetaurus nivamons ist im Norden der chinesischen Provinz Yunnan aufzufinden und Eupetaurus tibetensis lebt im südlichen Tibet und westlichen Bhutan. Alle Tiere leben im Himalaya auf einer Höhe von rund 3.500 Metern. Auch deshalb sind sie für Wissenschaftler schwer zu finden. Ob eine der neu gefundenen Arten möglicherweise schon ausgestorben ist, lässt sich nicht feststellen. Und solange keine neuen Exemplare gefunden werden, gilt das Felsgleithörnchen trotz der neuen Funde weiterhin als vom Aussterben bedroht.

Zoological Journal of the Linnean Society, doi: 10.1093/zoolinnean/zlab018

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