Naturschützer sind alarmiert

Rätselhaftes Sterben hunderter Elefanten in Botswana

Dennis L.

In einem Nationalpark in Botswana sind in den vergangenen Wochen hunderte Elefanten verstorben. Die Ursache ist völlig unklar. Sicher ist nur, sie sind nicht das Opfer von Wilderern. Regierung, Wissenschaftler und Naturschützer stehen vor einem Rätsel und vermuten eine bislang unbekannte Krankheit.

Gaborone (Botswana). Im Norden Botswanas spielt sich seit einigen Monaten eine Tragödie ab, die von erfahrenen Experten als äußerst dramatisch beschrieben wird. Im Okavango-Delta, bekannt für seine weitläufigen sumpfigen Grasflächen und großen Tierbestände, sterben Elefanten ohne erkennbaren Grund. Erste Beobachtungen hat es im März 2020 gegeben, große Aufmerksamkeit erlangten das Thema allerdings erst im Mai, nachdem weitere Tiere gefunden wurden. 275 tote Elefanten werden von der Regierung offiziell bestätigt, die Tierschutzorganisation Elephants Without Borders geht von mindestens 356 toten Tieren aus. Die Zahl kann allerdings weitaus höher liegen, denn weder die Zahl noch die Ursache ist bislang ausreichend ermittelt.

In Botswana leben rund 130.000 Elefanten, das sind fast zwei Drittel aller in Afrika lebenden Elefanten. Die Bestände konnten sich in den vergangenen 20 Jahren trotz anhaltender Wilderei signifikant erholen. Alleine in der betroffenen Region leben nach Schätzungen der örtlichen Naturpark-Ranger etwa 18.000 der grauen Dickhäuter.

Eine Krankheit steht im Verdacht der Spurensuche

Drei Besonderheiten lassen die Experten stutzen und deuten auf eine Krankheit hin. Zum einen haben die verstorbenen Tiere noch ihre Stoßzähne. Wilderer werden deshalb ausgeschlossen, weil die sich vor allem für das Elfenbein der Stoßzähne interessieren. Ein Massensterben könnte auch durch anhaltende Dürre ausgelöst werden. Doch davon ist Botswana momentan weit entfernt und auch im Okavango-Delta ist ausreichend Wasser vorhanden. Auffällig ist auch die Art, wie die Elefanten versterben. Unter normalen Umständen legen sie sich auf die Seite, doch die gefundenen Elefanten sind fast alle kopfüber gestürzt.

Doch dieser Einschätzung widerspricht die Regierung inzwischen. Wie Umweltminister Pohamba Shifeta mitteilte, wurden bei den untersuchten Tieren keine Krankheitssymptome gefunden. Vielmehr vermute man Stress als Todesursache. Dieser würde nach Ansicht Shifetas vor allem durch die zu hohe Population in den Gebieten verursacht. Die Anzahl der im Okavango-Delta lebenden Elefanten sei um das zehnfache höher als es die Lebensbedingungen des Gebiets ermöglichen würden. Dadurch wurden in der Vergangenheit auch große Flächen des Naturraums zerstört. Nun würden immer mehr Tiere um immer weniger Nahrung konkurrieren. Das verursacht Stress, so Pohamba Shifeta.

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