Sinnesorgan

Pflanzen können Regen „hören“ und reagieren darauf

 Robert Klatt

Reis keimt durch Regentropfen schneller )moc.sotohptisopedorpkl(Foto: © 

Reiskörner können Regentropfen anhand seiner Schallwellen hören. Wenn es in ihrer Umgebung regnet, keinem sie deutlich schneller.

Cambridge (U.S.A.). Die Biologie beschäftigt sich zunehmend mit der Intelligenz von Pflanzen, etwa indem sie untersucht, ob und wie diese Informationen austauschen können. Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben nun entdeckt, dass Samen ein „Sinnesorgan“ besitzen, mit dem sie die Geräusche von Regen unter bestimmten Bedingungen „hören“ können.

Laut dem publizierten Paper haben sie ein Experiment mit 8.000 Reiskörnern durchgeführt. Diese wurden in ein Wasserbad gelegt und den Geräuschen von Regen ausgesetzt, indem Wassertropfen aus unterschiedlichen Höhen freigesetzt wurden. Reiskörner, die sich im Wasserbad mit simuliertem Regen befanden, sind 30- bis 40-mal schneller gekeimt als Reiskörner im ruhigen Wasser, ohne simulierten Regen.

„Die Energie des Regengeräusches reicht dabei aus, um das Wachstum eines Samens zu beschleunigen.“

Regentropfen erzeugen „laute“ Geräusche

Laut den Wissenschaftlern, darunter Nicholas Makris, ein Maschinenbauprofessor mit Interesse an Akustik, liefern ältere Studien Hinweise darauf, wieso die Regentropfen das Keinem der Reiskörner beschleunigen.

„Das liegt daran, dass Wasser eine höhere Dichte hat als Luft, sodass derselbe Tropfen unter Wasser stärkere Druckwellen erzeugt. Für ein Samenkorn, das sich nur wenige Zentimeter vom Aufprallpunkt eines Regentropfens entfernt befindet, entsprechen die Schalldruckwerte, denen es im Wasser oder im Boden ausgesetzt ist, denen, die man in der Luft in einem Umkreis von wenigen Metern um ein Flugzeugtriebwerk erleben würde.“

Die Forscher erklären, dass Reiskörner nicht nur Licht erkennen können, sondern auch Beschleunigungen. Sie können so anhand der Erdbeschleunigung ermitteln, in welche Richtung ihre Wurzeln wachsen sollen. Dazu nutzen sie Statolithen, also kleine Zellorganellen, die dichter sind als die übrige Zelle und leicht in Erschütterungen versetzt werden können. Experimente haben bereits zuvor belegt, dass Erschütterungen der Statolithen bei unterschiedlichen Pflanzen das Wachstum anregen können. Die Forscher haben deshalb untersucht, ob dieser Effekt bereits durch die Schallwellen von Regentropfen ausgelöst werden kann.

Regen erschüttert die Statolithen

Messungen, die mit verschiedenen Tropfengrößen und Aufprallgeschwindigkeiten durchgeführt wurden, zeigen, dass Regen die Statolithen tatsächlich ausreichend stark erschüttern kann, um das Keimen zu beschleunigen. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass Pflanzen die Fähigkeit nutzen, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen.

„Weltweit wurden hervorragende Forschungsarbeiten durchgeführt, um die Mechanismen aufzudecken, wie Pflanzen die Schwerkraft wahrnehmen. Unsere Studie hat gezeigt, dass genau diese Mechanismen den Pflanzensamen offenbar die Möglichkeit bieten, durch das Wahrnehmen von Regengeräuschen die Tiefe der Überflutung im Boden oder im Wasser zu erfassen, was für ihr Überleben von Vorteil ist.“

Quellen:

Pressemitteilung des Massachusetts Institute of Technology (MIT)

Studie im Fachmagazin Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-026-44444-1

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