Genetische Veränderungen

Neandertaler besaßen eine niedrigere Schmerzschwelle

von Dennis L.

Moderne Menschen und Neandertaler hatten sich über viele Jahrtausende gemischt. Das wirkte sich positiv auf das Schmerzempfinden der gemeinsamen Nachkommen aus.

Leipzig (Deutschland). Schmerzen werden über die menschlichen Nervenzellen übertragen. Sie werden aktiviert, wenn ein schädlicher Einfluss einen Teil des Körpers beeinflusst. Nervenzellen sind mit einem Ionenkanal ausgestattet. Er ist ein wichtiger Schlüssel beim Auslösen eines Schmerzimpulses, der durch die Nervenzellen an das Gehirn weitergeleitet wird. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts in Leipzig und des Karolinska Instituts in Schweden haben eine Studie im Fachjournal Current Biology veröffentlicht, in der nachgewiesen wurde, dass Menschen in der heutigen Zeit weniger Schmerzen empfinden, wie die sogenannte Neandertaler-Variante, die über einen Ionenkanal verfügt.

Forschern wurde es durch die steigende Anzahl an sequenzierten Neandertaler Genomen leichter gemacht, die genetischen Veränderungen herauszufiltern, die bei allen oder vielen Neandertalern vorkamen. Sollten die Veränderungen bei den heutigen Menschen zu finden sein, könnte das physiologische Auswirkungen haben. Die Wissenschaftler Hugo Zeberg, Svante Pääbo und das Team haben ein Gen etwas genauer analysiert. Viele Menschen aus Süd- und Mittelamerika sowie Europäer haben eine spezielle Neandertaler-Variante dieses Gens geerbt. Es ist für ein Ionenkanal zuständig, welches für die Schmerzempfindung zuständig ist.

Bestimmte Aminosäuren verstärken den Schmerz

Durch die Daten der umfangreichen Studie in Großbritannien wurde festgestellt, dass Menschen, die über die Neandertaler-Variante des Ionenkanals verfügen, wesentlich mehr Schmerzen empfinden. Das Schmerzempfinden hängt vom Alter ab. Im direkten Vergleich empfinden Menschen mit einer Neandertaler-Variante des Ionenkanals Schmerzen, als wären sie bis zu acht Jahre älter, geben die Experten bekannt. Die spezielle Variante steht in drei Aminosäuren zur Verfügung. Einige Aminosäuresubstitutionen beeinträchtigen nicht die Funktion des Ionenkanals. Bei dem modernen Menschen mit einer vollständigen Neandertaler-Variante, inklusive drei der Aminosäuresubstitutionen leiden unter einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit, so die Forscher.

Der Ionenkanal wird dadurch leichter auf der molekularen Ebene aktiviert. Aus diesem Grund haben Menschen, die den Neandertaler-Ionenkanal geerbt haben, eine höhere Schmerzempfindlichkeit. „Heute ist es schwer zu sagen, ob Neandertaler mehr Schmerzen gespürt haben. Schmerzen werden nicht nur im Rückenmark sondern auch im Gehirn moduliert“, erklärt Svante Pääbo. Die Arbeit hat aber gezeigt, dass bei Neandertalern die Schwelle zur Auflösung von Schmerzimpulsen wesentlich niedriger war, als bei vielen Menschen der Neuzeit.

Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2020.06.045

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