Hemipenes

Nano-Chamäleon mit großem Doppelpenis entdeckt

Robert Klatt

Die Männchen der Chamäleonart Brookesia nana sind die kleinsten Männchen aller höheren Wirbeltiere, besitzen aber einen „gigantischen“ Doppelpenis.

München (Deutschland). Ein Team aus Wissenschaftlern um Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) hat auf Madagaskar die bisher unbekannte Chamäleonart Brookesia nana entdeckt. Laut der Publikation imFachmagazin Scientific Reports hat das entdeckte Weibchen von Brookesia nana eine Körperlänge von 19 Millimeter und eine Gesamtlänge von 29 Millimeter. Das entdeckte Männchen ist noch deutlich kleiner.

Frank Glaw: „Mit einer Körperlänge von nur 13,5 Millimetern und einer Gesamtlänge von knapp 22 Millimetern ist das Männchen des Nano-Chamäleons das kleinste bekannte Männchen unter allen höheren Wirbeltieren.“

Kein anderes Säugetier oder Reptil hat noch kleinere Männchen als Brookesia nana. Lediglich bei den Amphibien sind noch winzigere Männchen bekannt.

Genital ist überproportional groß

Männliche Chamäleons der Gattung Brookesia besitzen als Ausgleich für ihre winzigen Körper einen überproportional großen Hemipenes. Auch die Art Brookesia nana bildet hier keine Ausnahme. Das einzige bekannte Männchen hat einen Doppelpenis, dessen Länge bei 18,5 Prozent der Körperlänge liegt. Die verwandte Art Brookesia tuberculata kommt sogar auf Genitalien, deren Länge bei etwa 30 Prozent der Körperlänge liegt.

Die Nano-Chamäleons haben damit im Verhältnis zur Körperlänge die größten männlichen Genitalien in dieser Reptiliengruppe. Als möglichen Grund dafür sieht die Biologie die Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern. Im Gegensatz zu vielen Chamäleonarten sind bei Brookesia die weiblichen Tiere größer als ihre männlichen Artgenossen.

Frank Glaw: „Die kleinen Männchen brauchen wahrscheinlich einfach größere Hemipenes, damit die Paarung mit ihren deutlich größeren Weibchen auch von der Biomechanik her klappt.“

Mini-Tiere auf Madagaskar häufig

Unklar ist, wieso die Nano-Chamäleons einen so kleinen Körper haben.

Andolalao Rakotoarison von der Universität Antananarivo in Madagaskar: „Auf Madagaskar leben auffällig viele extrem miniaturisierte Tiere, darunter die kleinsten Primaten und winzige Zwergfrösche, die mehrfach unabhängig voneinander entstanden sind.“

In der Region, wo Brookesia nana entdeckt wurde, leben aber auch deutlich größere eng verwandte Chamäleonarten.

Frank Glaw: „Der Inseleffekt, wonach Arten auf kleinen Inseln kleiner werden, ist jedenfalls keine überzeugende Erklärung für diesen Gebirgsbewohner. Kleine Chamäleonarten sind beispielsweise dafür bekannt, dass sie ihre Zunge schneller ausschleudern können als große.“

Vermutlich sind die kleinen Körper von Brookesia nana also eine Anpassung an ihren gebirgigen Lebensraum, der Vorteile bei der Jagd bringt. Diese These konnte bisher aber noch nicht bestätigt werden.

Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-020-80955-1

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