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6 Finger, 6 Zehnen

Menschen mit Polydaktylie sind klar im Vorteil

Polydaktylie, also die anatomische Besonderheit bei dem Betroffenen mehr Finger oder Zehen als üblichen haben, erweitert die Bewegungsfähig enorm. Forscher haben die motorischen Auswirkungen eines zusätzlichen Fingers im Detail untersucht und kommen zu dem Entschluss: Menschen mit Polydaktylie sind klar im Vorteil.

Freiburg (Deutschland). Als Polydaktylie wird die vererbbare und somit angeborene anatomische Besonderheit beschrieben, mehr Hand- und/oder Fußgliedmaßen zu besitzen als üblich. Obwohl die Eigenschaft sechs Finger (oder noch mehr) an einer Hand zu haben von vielen Wissenschaftlern als evolutionäres Experiment der Natur angesehen wird, so beschreibt die Biologie und die Medizin Polydaktylie allgemein als krankhafte Fehlentwicklung. Dabei konnten Forscher aus Freiburg, London und Lausanne jetzt durch Experimente belegen, dass Polydaktylie in unserer heutigen Welt eindeutig eine Vielzahl motorischer Vorteile bietet.

Die Überzahl von Fingern oder Zehen tritt aber nicht nur beim Menschen auf. Polydaktylie ist auch bei Hunden, Katzen, Vögeln und anderen Tieren weit verbreitet. Beim Menschen tritt diese anatomische Besonderheit besonders häufig in Form eines ein- oder beidseitigen sechsten Fingers (meist ein unvollständiger Doppeldaumen) oder an den Füßen als doppelter großer Zeh auf.

In den meisten Fällen wird Polydaktylie autosomal-dominant vererbt. Neben der isolierten Form kann Polydaktylie jedoch auch bei über 90 unterschiedlichen Syndromen als Symptom auftreten. Zu den häufigsten Syndromen zählen:

  • C-Syndrom
  • Edwards-Syndrom
  • Allis-van-Creveld-Syndrom
  • Kurzripp-Polydaktylie-Syndrom
  • Laurence-Moon-Bardet-Biedl-Syndrom
  • Meckel-Gruber-Syndrom
  • Pätau-Syndrom

Es muss jedoch erwähnt werden, dass das Gesamtvorkommen von Syndromen bei Polydaktylie lediglich bei etwa 15 Prozent liegt.

Wie viele Menschen haben Polydaktylie?

Die häufigste Form der Polydaktylie, die Hexadaktylie, tritt in Asien, Europa und Nordamerika etwa gleich häufig, mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:3.000 auf. In Afrika ist Polydaktylie jedoch, mit einer Wahrscheinlichkeit von nur 1:300, signifikant häufiger. Global betrachtet tritt der sechste Finger oder der sechste Zeh zu 40 Prozent beidseitig auf. Schaut man sich die Lebendgeburten aller Länder an, so kommt Polydaktylie bei einer von 500 Geburten (1:500) vor.

Eine Studie aus dem Jahr 2008, die alle Formen der Polydaktylie zusammengefasst hat, zählt bei 2,3 von 1.000 männlichen weißen und bei 0,6 von 1.000 weiblichen weißen, sowie bei 13,5 von 1.000 männlichen schwarzen und 11,1 von 1.000 weiblichen schwarzen Personen die zusätzliche Ausbildung von Fingern oder Zehen.

Polydaktylie: Evolution oder genetischer Defekt?

Der Freiburger Neurowissenschaftler Carsten Mehring und seine Kollegen sehen in unserer modernen Welt einen klaren Vorteil von sechs Fingern pro Hand in Bezug auf die Motorik, da der sechste Finger die Bewegungsfreiheit deutlich erweitert. So sind Menschen mit sechs Finger an jeder Hand in der Lage, bestimmte Bewegungen einhändig auszuführen, für die Menschen mit nur fünf Finger pro Hand beide Hände benötigen. Wie die Forscher im Fachjournal Nature Communications berichten, haben sie für ihre Studie zwei Menschen mit jeweils einem zusätzlichen Finger zwischen Daumen und Zeigefinger pro Hand in Hinsicht auf die Motorik der Person untersucht. Bei den Versuchen wurde die Gehirnaktivität mithilfe funktionaler Magnetresonanztomografie (fMRT) aufgezeichnet und analysiert.

So haben die Forscher feststellen können, dass die zusätzlichen Finger mit eigenen Muskeln und Nerven kontrolliert werden und weitestgehend unabhängig von den übrigen Fingern bewegt werden können. Die Probanden können ihre zusätzlichen Finger frei einsetzen, ähnlich wie einen weiteren Daumen – und dass allein oder zusammen mit den anderen fünf Fingern“, erklärt Mehring. „Dies ermöglicht ihnen, ihre Hand außergewöhnlich vielseitig und geschickt einzusetzen.“

Menschen mit Polydaktylie haben im Alltag meist keine Einschränkungen durch einen zusätzlichen Finger. „Mit Fingerhandschuhen sieht es mit sechs Fingern pro Hand jedoch schlecht aus“, scherzt ein Betroffener. Sonst sind sechs Finger pro Hand im Alltag aber eher positiv. Ob beim Klavierspielen, beim Tippen auf der Tastatur oder beim Greifen besonderer Gegenstände sind Menschen mit Polydaktylie klar im Vorteil.

1 Kommentar

Dennis
Eine spannende Frage... Ich persönlich denke, dass Polydaktylie tatsächlich auf die Evolution zurückzuführen ist. Wenn der Mensch dadurch tatsächlich besser greifen kann und für viele Tätigkeiten nur eine Hand statt beide benötigt, ist das ein Vorteil - und macht Evolution nicht genau das? Sie experimentiert um zu optimieren...? Ich bin nur überrascht, wie viele Menschen tatsächlich einen zusätzlichen Finger haben!
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