Valviloculus pleristaminis

Kreidezeit-Blume in Bernstein entdeckt

Robert Klatt

Wissenschaftler haben in Myanmar eine zuvor unbekannte Pflanzengattung aus der Kreidezeit entdeckt, die in Bernstein konserviert wurde.

Corvallis (U.S.A.). Bernstein, der aus urzeitliche Baumharz entstanden ist, hat als natürliche Zeitkapsel unterschiedlichste Tiere und Pflanzen konserviert. Forscher haben in Bernstein eine Zecke aus der Zeit der Dinosaurier gefunden, den neuen Tierstamm der Schimmelschweinchen entdeckt, sind auf eine 105 Millionen Jahre alte Schlange gestoßen und haben einen 99 Millionen Jahre alten Ammonit ausgegraben.

Nun haben Paläontologen um George Poinar von der Oregon State University laut einer Publikation im Journal of the Botanical Research Institute of Texas in einem etwa 100 Millionen Jahre alten Bernstein aus Myanmar eine neue Gattung und Art der Blütenpflanzen entdeckt. Die etwa zwei Millimeter große konservierte Blüte wuchs in der mittleren Kreidezeit und hat laut den Paläontologen einen ungewöhnlich komplexen Aufbau.

George Poinar: „Es ist zwar keine Weihnachtsblume, aber eine echte Schönheit – vor allem wenn man bedenkt, dass diese Blüte sich schon vor rund 100 Millionen Jahren in einem Wald zur Sonne reckte. Obwohl diese Blume so klein ist, ist der erhaltene Detailreichtum erstaunlich.“

Vermutlich bildete die männliche Blüte vor ihrer Konvertierung gemeinsam mit weiteren weiblichen und männlichen Blüten eine Dolde.

Ungewöhnliche Staublätter

Im Inneren des eiförmigen Kelchs, aus dem sechs Blütenblätter abgehen, befinden sich auf den Stielen stehenden Pollenträgern mehr als 50 ungewöhnliche arrangierte Staublätter. Geöffnet werden die Pollensäcke in diesen zweikammerigen Kapseln durch einen Klappmechanismus.

George Poinar: „Die Blüte hat mehr als 50 Staubblätter, die wie eine Spirale angeordnet sind.“

Aufgrund der hohen Anzahl an Staubblättern haben die Wissenschaftler ihre Entdeckung auf den Namen Valviloculus pleristaminis getauft. Pleristaminis besteht aus den Worten plerus (Viele) und Stamen (Staublätter). Eingeordnet wurde die Blume in die der Wissenschaft zuvor unbekannten Gattung und Art der echten Blütenpflanzen (Angiospermen).

Die Herkunft der kreidezeitliche Blume ist der einstige Superkontinent Gondwana, der vor etwa 150 Millionen Jahren angefangen hat zu zerbrechen. Die nun gefundene Blüte stammt aus dem Bereich des heutigen Australiens und wanderte dann auf einem Bruchstück des Kontinents in das heutige Südostasien.

Journal of the Botanical Research Institute of Texas, doi: 10.17348/jbrit.v14.i2

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