Größer als zwei Meter

Harpyie - Riesenvogel vom Aussterben bedroht

Conny Zschage

Die Harpyie ist einer der größten Greifvögel der Welt. Sie lebt in den tropischen Wäldern Mittel- und Südamerikas und ernährt sich dort von größeren Tieren wie Faultieren und Affen. Doch, obwohl die Harpyie der physisch stärkste Vogel ist, ist sie nun aufgrund von massenhafter Abholzung vom Aussterben bedroht.

Mato Grosso (Brasilien). Mit einer Körperlänge bis zu 110 Zentimeter und einer Flügelspannweite von mehr als 200 Zentimetern ist die Harpyie ein wahrer König der Lüfte. Die Männchen sind etwas kleiner als die Weibchen, welche bis zu neun Kilogramm schwer werden können.

Aufgrund ihrer enormen Größe und Kraft können sie eine Vielzahl von Tieren erbeuten. Dazu gehören allerhand Nagetieren, Nasenbären, Opossums, größere Vögel, Echsen und sogar Schlangen. Doch am liebsten ernähren sich Harpyien von Faultieren und Affen, welche aufgrund der zahlreichen Abholzungen immer weniger werden.

Wald der Größe Belgiens verschwindet jedes Jahr

Pro Jahr verschwinden zwischen ungefähr 18 Millionen Hektar Wald aufgrund von Abholzungen. Das entspricht etwa 2.400 gefällten Bäumen pro Minute. Besonders in Regenwäldern wie dem Amazonas kommt es deshalb immer wieder zur großflächigen Entwaldung. Dabei wird das bewaldete Land in Agrarland umgewandelt, z.B. für Palmölplantagen. Durch das Verschwinden der Flora werden auch viele Tierarten vertrieben und bedroht.

Harpyie stark betroffen

Die Harpyie, welche in Ländern wie Brasilien heimisch ist, wird dort aktiv durch die Abholzung des Regenwaldes bedroht. Da viele hohe Bäume verschwinden, gibt es weniger Plätze, an welchen der Vogel seinen Horst zum Brüten bauen kann. Auch die Beute der Harpyie verschwindet. Wie groß das Problem tatsächlich ist, zeigt nun eine Studie von Forschern, welche den Greifvogelbestand im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso näher untersuchte.

Dafür nutzten die Wissenschaftler Daten von Google Maps und Kameras, um festzustellen, wie die Harpyien auf die Abholzung von Beutegebieten reagierten. Im vollständig erhaltenen Regenwald erbeuteten die Greifvögel zu etwa 50 % Faultiere und Affen. In beschädigten Wäldern wechselten Harpyien allerdings nicht auf kleinere Beute. Sie fingen einfach weniger und kleinere Lebewesen, welche in Baumkronen vorkommen.

Mangel an Adaptation

Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass Harpyien sehr abhängig von Affen und Faultieren sind. Dieser Mangel an Adaptation als Reaktion auf sich ändernde Umweltbedingungen könnte dem Greifvogel jedoch zum Verhängnis werden. Denn Zweifinger-Faultiere und Kapuzineraffen, welche ganz oben auf dem Speiseplan von Harpyien stehen, sind sehr stark von der zunehmen Abholzung ihrer Lebensgebiete betroffen.

Die Forscher gehen in ihrer Studie, welche im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde, zudem davon aus, dass es heute etwa 3.256 Brutpaare weniger als noch 1985 gibt. Dies führt zu weniger Nachwuchs und langwierig auch zu einer geringeren Gesamtpopulation. Kombiniert mit dem Aussterben der Art aufgrund von Nahrungsmangel, könnten Harpyien in Zukunft existenzbedroht sein.

Nature, doi: 10.1038/s41598-021-92372-z

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