Von: Dennis L.
Guten Appetit

Forscher entdecken zufällig Plastik fressende Raupe

In Spanien entdecke eine Biologin zufällig, dass die Raupen in ihrem Garten eine ganz besondere Eigenschaft besitzen: Sie fressen Plastik – und das in einer der Wissenschaft bisher unbekannt hohen Geschwindigkeit.

Plastik fressende Raupe.
© Sam Droege / wikipedia.org

Santander (Spanien). Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Forscher, Politiker und Wissenschaftler mit der Frage, wie die immer weiter steigenden Berge von Plastikmüll aus unserer Welt beseitigt werden können, ohne die Natur weiter zu belasten. Ironischerweise ist es nun genau diese, die in Form einer kleinen Raupe die Lösung bringen könnte - Dank einer zufälligen Entdeckung der Biologin Federica Bertocchini.

Die Nordspanierin ist an der Universidad de Cantabria beschäftigt und züchtet in ihrer Freizeit Bienen. Zufällig entdeckte sie bei der Säuberung einer ihrer Bienenstöcke die Raupenlarven. Da sich die Raupen von den Pollenresten der Bienen ernähren, ist sie für Imker eine belastende Plage. Die Biologin drapierte die Larven in eine Plastiktüte, als sie nach geraumer Zeit zu genau dieser Tüte griff, machte sie eine unglaubliche Entdeckung: "Nach einer Weile war der Beutel voller Löcher und die Larven waren draußen."

Plastikfresser mit Rekordgeschwindigkeit

Wie die Biologin und ihre Kollegen in den darauffolgenden Forschungen entdeckten, war das Fressverhalten der Larven auf Bertocchinis Bienenstock kein Einzelfall. Der biologisch kaum abbaubare und am häufigsten verwendete Kunststoff Polyethylen (PE) wird von den Raupen der Großen Wachsmotte ("Galleria mellonella") in hoher Zersetzungsgeschwindigkeit gefressen - so lässt sich eine handelsübliche Plastiktüte relativ zügig auflösen. Die Forscher berichten im Fachmagazin Current Biology, dass sie in einem Test herausfanden, dass in zwölf Stunden 92 Milligramm einer regulären Einkaufstüte von etwa 100 Wachsmottenlarven abgebaut werden können, es waren bereits nach 40 Minuten Löcher zu erkennen, was laut Current Biology "Potenzial für bedeutende biotechnologische Anwendungen" habe.

Grundstein für weitere Forschungen

Einige Bakterien oder Pilze haben bereits die Eigenschaft, Kunststoffe abbauen zu können. So wurde beispielsweise voriges Jahr das Bakterium "Ideonella sakaiensis 201-F6" am japanischen Kyoto Institute of Technology entdeckt, welches PET-Flaschen verdauen kann. Problematisch ist nur die Zersetzungsgeschwindigkeit des Bakteriums, diese beträgt rund sechs Wochen, um lediglich ein kleines Stück PET aufzulösen. Anders agiert die Wachsmotten-Raupe beim Abbau der Polyethylen (PE), welches zur Herstellung von etwa einer Billion Tüten pro Jahr verwendet wird, circa 60 Millionen Tonnen Plastik.

Auch Bertocchini ist zuversichtlich, wenn es um ihre Zufallsentdeckung geht. Die Zersetzung durch die Große Wachsmotte biete laut der Wissenschaftlerin einen Abbau, der schneller sei als alles andere, was bisher zu diesem Thema wissenschaftlich veröffentlicht worden sei. Doch auch wenn Erfolge erkennbar sind, ist dies nur der Grundstein für weitere Forschungen und einen Plastikmüll-Abbau im großen Stil: "Wir vermuten, dass für diese schnelle Zersetzung ein Molekül oder Enzym verantwortlich ist, dass wir zu isolieren versuchen werden." Erst nach der Isolation sei es möglich, das Enzym in großen Umfang zu produzieren und für die Müllvernichtung zu nutzen.

Folgen Sie uns
Oft gelesen