Von: Dennis L.
Zu viele Wölfe

Extrem paradoxe Methode zum Schutz von Rentieren funktioniert

In Nordamerika geht der Bestand an Karibus durch die große Wolfpopulation immer weiter zurück. Wie eine aktuelle Studie gezeigt hat, muss man allerdings keine Jagd auf Wölfe machen, sondern – so paradox es auch auf den ersten Blick scheinen mag – auf Elche.

Paradox: Die Jagd auf Wölfe macht laut Forschern wenig Sinn um die Rentiere zu schützen.
© Ryan Hagerty / wikipedia.org

Edmonton (Kanada). Die ökologischen Zusammenhänge in der Natur können mitunter sehr komplex und scheinbar widersprüchlich sein, wie Robert Serrouya und seine Kollegen von der University of Alberta im Fachmagazin PeerJ berichten.

Ein Beispiel erklärt die nordamerikanische Problematik mit den Rentieren sehr gut: In einem Gebiet lebt eine angestammte Population von Rentieren, auf die Wölfe seit jeher Jagd machen. Nun wandern zusätzlich Elche in das Gebiet ein. Man sollte meinen, dass der Zuwachs den Rentieren Erleichterung verschafft, da die Wölfe ja jetzt auf Rentiere und Elche Jagd machen können. Doch eine Beobachtungsstudie hat nun gezeigt, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Die kanadischen Waldkaribus leben relativ weit südlich und sind, anders als ihre nordamerikanischen Verwandten im höheren Norden, sehr standorttreu. In den letzten Jahren sind jedoch vermehrt Weißwedelhirsche und Elche nach Süden gewandert, da Abholzungen und der Klimawandel den Tieren keinen idealen Lebensraum mehr bieten. Die Forscher haben herausgefunden: Je mehr Elche es gibt, desto mehr geht der Bestand an Karibus zurück.

Bioinvasoren können auch sehr indirekt schaden

Die sinkende Zahl an Karibus liegt aber nicht an direkter Nahrungskonkurrenz, denn die Region bietet beiden Arten ausreichend Ressourcen. Vielmehr lässt der hohe Elchbestand die Zahl der Wölfe explodieren. Die Elche dienen den Wölfen als bevorzugte Beute und als stabile Nahrungsquelle, wie die Forscher berichten. Eine erhöhte Wolfpopulation führt aber auch dazu, dass mehr Karibus als eine Art Beifang gerissen werden.

Neu ist die Erkenntnis, dass Bioinvasoren den alteingesessenen Nahrungskonkurrenten gar nicht direkt schaden müssen. Der Zusammenhang zwischen Bestandszahlen verschiedener Arten kann viel indirekter sein, als man dies bisher wusste.

Ein Langzeitexperiment der Forscher bewies den Zusammenhang zwischen den sinkenden Karibubeständen und der steigenden Elchanzahl. In einem Gebiet wurde durch gezielte Jagd auf Elche der Bestand dezimiert. Hier ging die Wolfpopulation langsam zurück und die Karibuzahlen blieben konstant. In zwei anderen Testgebieten hingegen, lies man die Elche in Ruhe – hier sank die Karibupopulation immer weiter.

Will man also die gefährdeten Karibus schützen, muss man daher nicht Jagd auf Wölfe, sondern auch Elche machen. Die Elchjagd ist in Nordamerika auch aus politischen Gründen akzeptierter als die verpönte Wolfsjagd.

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