Studie belegt

Die Jagd auf einzelne Wölfe führt zu mehr gerissenen Nutztieren

D. Lenz

Es mag im ersten Moment paradox klingen, aber die Jagd auf einzelne freilebende Wölfe erhöht die Anzahl gerissener Nutztiere im Folgejahr um durchschnittlich vier Prozent.

Washington (U.S.A.). Nachdem der Wolf in Deutschland fast 150 Jahre lang ausgerottet war, wurden im Jahr 2000, in der sächsischen Oberlausitz, wieder die ersten Wolfswelpen in Freiheit geboren. Seitdem breitet sich der Wolf vor allem in Nord- und Ostdeutschland immer weiter aus, wie der Naturschutzbund Deutschland e.V. dokumentiert. Dies führt jetzt jedoch zu immer mehr Konflikten und zu Unklarheiten - vor allem beim Deutschen Jagdverband, die einen ganzen Fragenkatalog und Forderungskatalog für die Bundesregierung entworfen hat, in dem es unter anderem um gesetzliche Regelungen, Jagdzubehör und die Zusammenarbeit mit anderen Ländern, vor allem mit Polen, geht.

Eine Studie von US-Biologen vom Large Carnivore Conservation Laboratory an der Washington State University haben Daten des U.S. Fish and Wildlife Services Interagency Annual Wolf Reports aus den US-Bundesstaaten Idaho, Montana und Wyoming ausgewertet und ihre Ergebnisse im Fachjournal Plos One veröffentlicht. Demnach schützt die Jagd auf einzelne Wölfe nicht den Nutztierbestand der Region, denn durch das Erlegen einzelner Wölfe erhöht sich im Folgejahr sogar die Zahl der gerissenen Nutztiere um rund vier Prozent. Schätzungen gehen davon aus, dass gerade einmal 0,1 bis 0,6 Prozent der Todesfälle von Nutztieren auf Wölfe zurückzuführen sind – sofern der Mensch nicht in die Wolfspopulation eingreift.

Ein toter Wolf bedeutet vier Prozent mehr tote Nutztiere

Kaylie Peebles und Rob Wielgus, die die wissenschaftliche Auswertung der Daten zwischen den Jahren 1987 und 201 durchgeführt haben, sagen ganz klar: Ein toter Wolf bedeutet vier Prozent mehr tote Schafe im nächsten Jahr und sogar fünf bis sechs Prozent mehr gerissene Rinder. Die Daten zeigen, wenn 20 Wölfe geschossen werden, verdoppelte sich die Verlustrate unter den Nutztieren. Er wenn mindestens ein Viertel des Wolfsbestandes in einer Region erlegt wird, ist dies auf lange Sicht praktikabel und es stellt sich ein Schutzeffekt für die Nutztiere ein.

Warum das so ist, kann unterschiedliche Gründe haben. So kann es beispielsweise sein, dass durch die Jagd die bestehende Rudelstruktur zerstört wird, wenn plötzlich ein Mitglied fehlt – besonders wenn es sich dabei um ein Alphatier handelt. Also Folge daraus kann es sein, dass sich ein Rudel zerstreut, was dann direkte Auswirkungen auf die Jagdreviere der Wölfe haben kann. Durch den Verlust eines Alphatieres kommt es zudem zu mehr Nachwuchs als normal, wodurch es im Folgejahr auch mehr Wölfe gibt.

Grundsätzlich geht von den wenigen Wölfen in Deutschland eine geringe Bedrohung der Nutztierbestände aus. Dennoch werden jetzt dringend klare gesetzliche Regelungen benötigt, die im Fall der Fälle alle Eventualitäten regeln.

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