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Fruchtfliegen

Der Duft der Frauen sorgt für friedliche Gemüter

Aggressives Verhalten von Fruchtfliegen lässt sich dank neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse auch auf das von Menschen ableiten. Die Anwesenheit weiblicher Artgenossen hat dabei einen entscheidenden Einfluss. Befinden sich diese in unmittelbarer Umgebung, reagieren Männchen oft weniger aggressiv als in einer rein gleichgeschlechtlichen Zusammenkunft.

San Francisco (U.S.A.). Für das Studium und die Ableitung von neurobiologischen Prozessen sind Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) besonders gut geeignet. Im Fall von Aggressionen zeigen diese Insekten gegenüber ihren rivalisierenden männlichen Artgenossen ein sich immer wiederholendes Verhalten hinsichtlich Besitzansprüche. Diese beziehen sich auf die Nahrung, ihr zu verteidigendes Territorium und auf die weiblichen Fliegen als Sexualpartner. Der Neurophysiologe Yuh Nung Jan, Wissenschaftler Universität von Kalifornien, konnte jetzt herausfinden, dass die Gegenwart von weiblichen Fruchtfliegen eine aggressionslindernde, besänftigende Wirkung auf die Männchen hat. Dabei war auch entscheidend, wie lange die gegengeschlechtlichen Insekten zusammen waren und ob sie sich gepaart hatten.

Die Versuche mit den Tieren behandelten unterschiedliche Situationen. Zuerst führten die Wissenschaftler um Yuh Nung Jan, die männlichen Fliegen zu den weiblichen Artgenossen, danach wurden die Tiere wieder voneinander separiert. Die männlichen Insekten zeigten in diesem Fall ein viel niedrigeres Aggressionspotenzial als im Versuchsdurchlauf ohne das Beisammensein mit weiblichen Tieren. Für dieses Verhalten war vor allem die Dauer der Zusammenkunft entscheidend. Tiere die sich zwar gepaart hatten aber kurze Zeit danach getrennt wurden blieben viel aggressiver als die Fruchtfliegen, die über mehrere Stunden zusammen waren. Den Grund für dieses Stimmungsverhalten sieht der Neurophysiologe im Wirken weiblicher Lockstoffe.

Erkenntnisse auch auf menschliches Verhalten übertragbar

Diese weiblichen Lockstoffe verhindern den Transport von neuralen, aggressionssteigernden Botenstoffen bei der männlichen Gattung von Drosophila melanogaster. Diese sind in den Nervenzellen in den Bereichen Gehirn und Rückenmark besonders stark angesiedelt. Im Kontakt mit den weiblichen Fruchtfliegen werden die sogenannten GABA-Rezeptoren aktiviert, diese hemmen schließlich die Gewaltbereitschaft bei den Tieren. Das Verhalten der Insekten soll sogar weitreichende Auskünfte über unser eigenes Verhalten geben. Bei uns funktioniert ein ganz ähnlicher Mechanismus, der zeigt, dass Menschen mit neuronalen Dispositionen ebenfalls Probleme bei der Gewaltbeherrschung haben können. In Zukunft wäre eine Therapie auf Basis biochemischer Substanzen eine mögliche Medikation.

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