Artenreichtum der Erde

Baum des Lebens zeigt 2,2 Millionen Spezies auf einen Blick

Robert Klatt

Der Baum des Lebens wurde nach neun Jahren fertiggestellt. Die gigantische Visualisierung enthält Informationen zu allen bekannten lebenden und kürzlich ausgestorbenen Arten der Erde.

London (England). Wissenschaftler haben den virtuellen „Baum des Lebens“ nach neun Jahren Arbeit komplettiert. Die interaktive Übersicht wurde bereits 2012 veröffentlicht. Sie enthielt damals etwa 5.000 Säugetierarten. Inzwischen enthält der Baum mehr als 2,2 Millionen Spezies, die aktuell auf der Erde leben oder erst vor Kurzem ausgestorben sind. Er ist damit „komplett“ und enthält alle bekannten Arten von Lebewesen sowie ihre Verhältnisse zueinander. Die Entwickler bezeichnen das Projekt auch als „Google Earth der Biologie“.

Die Datenbank enthält überdies von rund 85.000 Spezies Bilder sowie Informationen über ihren Gefährdungsstatus. Die per Blatt symbolisierten Spezies sind grün (nicht gefährdet), rot (gefährdet) oder schwarz (kürzlich ausgestorben) gekennzeichnet. Beim Großteil der Arten ist die Markierung jedoch grau, weil nicht bekannt ist, ob sie gefährdet sind.

Big Data und neue Algorithmen

Laut James Rosindell vom Imperial College London und Yan Wong von der Universität Oxford haben die Wissenschaftler für die Vervollständigung des Baums neue Algorithmen entwickelt und Big Data Quellen wie die Wikipedia eingebunden. In ihrer Publikation im Fachmagazin Methods in Ecology and Evolution ermittelten die Forscher die Popularität der einzelnen Spezies etwa an den Aufrufen ihrer Seiten in der englischsprachigen Wikipedia.

Visualisierung für Museen und Zoos

Die Entwickler erhoffen sich, dass der fertige Baum des Lebens in Museen, Zoos und anderen Bildungseinrichtungen zur Visualisierung des Artenreichtums der Erde verwendet wird. Eine eigens gegründete Stiftung soll auf Basis des Projekts außerdem die Öffentlichkeit über Evolution, Biodiversität und den Artenschutz aufklären. Derzeit können Förderer einzelne Spezies im Baum des Lebens adoptieren und die Arbeit der Wissenschaftler so finanziell unterstützten.

Methods in Ecology and Evolution, doi: 10.1111/2041-210X.13766

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