Rekordgröße

430 Jahre alte Steinkoralle im Great Barrier Reef entdeckt

Robert Klatt

Im Great Barrier Reef wurde eine 430 Jahre alte Steinkoralle mit einem Rekorddurchmesser entdeckt. Die extrem widerstandsfähige Porites-Koralle überlebte bisher rund 80 starke Zyklone und 100 Korallenbleichen.

Townsville (Australien). Aus Kolonien von winzigen Korallenpolypen können im Laufe ihres Lebens große Hartkorallen entstehen. Dies geschieht durch das aus dem Wasser aufgenommen Aragonit (Kalk), durch das die Polypenkolonien zu immer größer werdenden Steinkorallen heranwachsen. Die bilden somit die Basis fast aller Korallenriffe, die wie inzwischen bekannt wurde, nicht nur in lichtdurchfluteten Gewässern der Tropen existieren, sondern auch im Brackwasser der Amazonasmündung und sogar in der arktischen Tiefsee vorkommen.

Wissenschaftler der James Cook University haben nun im Great Barrier Reef vor der australischen Ostküste eine rekordverdächtige Steinkoralle entdeckt. Die vor den Palm Islands gefundene bräunlich-beige Koralle aus der Gattung Porites ist rund 5,3 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 10,4 Meter. Bezeichnet werden solche kugeligen Korallenriesen auch als Bommies.

Dickste Koralle des Great Barrier Reef

„Damit ist diese Koralle die dickste, die je im Great Barrier Reef gemessen wurde“, erklärt Adam Smith. Der zweitgrößte bekannte Korallle ist 2,4 Meter kleiner. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Scientific Reports konnten die Wissenschaftler anhand der Größe der Koralle errechnen, dass diese zwischen 421 und 438 Jahre alt sein muss. Die Koralle, die von den Einheimischen Muga dhambi (große Koralle) genannt wird, lebte somit schon lange vor dem Eintreffen der ersten Europäer in Australien.

Lebende Korallenpolypen trotz des hohen Alters

Während ihres bisherigen Lebens hat die Steinkoralle somit mindestens 80 starke Zyklone und 100 Korallenbleichen sowie Umweltveränderungen durch invasive Arten und den Menschen und schwankende Gezeiten überstanden. „Die riesige Porites-Koralle vor Orpheus Island ist damit ebenso selten wie widerstandsfähig“, konstatiert Smith.

Auch die Oberfläche der Koralle deutet trotz des hohen Alters auf einen guten Gesundheitszustand hin. Rund 70 Prozent des Bommies sind von lebenden Korallenpolypen bedeckt, der Rest von Algen, Schwämmen und Polypen anderer Korallenarten. „Wir haben weder tote Korallen, Korallentrümmer noch Sand beobachtet“, so die Entdecker. Auch Anzeichen von einer Korallenbleiche lagen nicht vor. Lediglich im unteren Segment der Steinkoralle wurden einige Bohrschwämme entdeckt, die in das Kalkgerüst der Korallen Löcher ätzen, in denen diese dann leben.

„Diese seltene Koralle sollte wertgeschätzt, erhalten und gut überwacht werden. Dann wird sie hoffentlich noch die kommenden Generationen dazu inspirieren, unsere Riffe und unsere Kultur zu schützen“, so die Forscher.

Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-021-94818-w

Spannend & Interessant
VGWortpixel