Relativitätstheorie

Weltraumteleskop Gaia entdeckt 12 neue Einsteinkreuze

Robert Klatt

Eine KI hat in den Beobachtungsdaten des Weltraumteleskops Gaia zwölf neue Einsteinkreuze entdeckt. Diese visuellen Nachweise der Relativitätstheorie bieten einzigartige Möglichkeiten zur Untersuchung der Expansion des Universums und von Dunkler Materie.

Paris (Frankreich). Astronomen der Europäische Weltraumorganisation (ESA) haben mithilfe des Weltraumteleskops Gaia zwölf neue Einsteinkreuze entdeckt. Einsteinkreuze sind Gravitationslinsen, in denen durch massereiche Objekte im Vordergrund das Licht ferner aktiver Galaxienkerne (Quasare) so stark gekrümmt wird, dass dabei aus unserer Sicht mehrere Abbilder entstehen.

Die erste Vorhersage dieser visuellen Nachweise der Relativitätstheorie gab es bereits 1912, die erste Entdeckung eines Einsteinkreuzes im Weltraum erfolgte 1985. Bisher konnte die Astronomie 50 verschiedene Einsteinkreuze entdecken, die nun erfolgte Neuentdeckung hat deren bekannte Anzahl also fast um ein Viertel erhöht.

Künstliche Intelligenz (KI) untersucht Daten

Laut der auf dem Preprint-Server arXiv.org publizierten Arbeit, die bald im Astrophysical Journal erscheinen wird, haben die Astronomen für ihre Neuentdeckung die Aufzeichnungen des Weltraumteleskops mithilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI) ausgewertet. Diese suchte in den Aufzeichnungen nach jeweils vier eng beieinander liegende Quasaren mit geringen Eigenbewegungen. Anschließend wurden Daten des Weltraumteleskops Wise (Wide-field Infrared Survey Explorer) zur Bestätigung der möglichen Einsteinkreuze verwendet.

Die Entdeckungen zeigt laut den Wissenschaftlern die hohe Bedeutung von Instrumenten wie Gaia für die Astronomie. Die kürzlich entdeckten Einsteinkreuze sind einzigartige Möglichkeiten zur Untersuchung der Expansion des Universums und von Dunkler Materie.

Weitere Einsteinkreuze wahrscheinlich

Das Weltraumteleskop Gaia fotografiert seitdem Start der Mission 2013 mit einer Gigapixelkamera permanent den Weltraum. Parallaxenmessung auf dem Weg des Teleskops um die Sonne ermöglichen es, die Position unzähliger Sterne sowie deren relative Bewegung exakt zu bestimmen. Die nun entdeckten Einsteinkreuze wurden anhand der Gaia Data Release 2 (EDR2) Sammlung gefunden. Kürzlich wurde die Gaia Early Data Release 3 (EDR3) Sammlung veröffentlicht. Es handelt sich dabei um die präziseste Karte der Milchstraße mit über 1,8 Milliarden Himmelskörpern. Bei einer Analyse der EDR3 Sammlung dürften also noch deutlich mehr Einsteinkreuze gefunden werden.

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