Überall, nur nicht hier

Vermutlich keine Außerirdischen in unserer Nähe

D. Lenz

Kein anderes Thema der Astronomie wird so häufig diskutiert, wie die Frage nach extraterrestrischem Leben – mit anderen Worten: Aliens. Bisher wurde noch kein außerirdischer Besuch nachgewiesen, doch es gibt immer wieder ungeklärte UFO-Sichtungen. Ein Astrobiologe ist jetzt der Frage nachgegangen, wie wahrscheinlich Besuche aus dem All sind. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Ithaca (U.S.A.). Den Berechnungen des Wissenschaftlers zufolge befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Erde kein intelligentes Leben in der Milchstraße. Das erste UFO wird also noch lange auf sich warten lassen. Doch wie kann das sein?

Das Fermi-Paradoxon (nach dem Physiker Enrico Fermi) beschreibt das Problem, von dem all diese Nachforschungen ausgehen: Wie ist es möglich, dass wir trotz des nahezu unendlich großen und Milliarden Jahre alten Universums bisher weder Besuch noch Signale außerirdischer Lebensformen erhalten haben? Allein die Milchstraße hat 100 bis 200 Milliarden Sterne, wodurch es extrem unwahrscheinlich scheint, dass die Erde der einzige bewohnte Planet der Galaxie ist.

Die Drake-Gleichung

Mit der Drake-Gleichung soll die Anzahl der technologisch entwickelten Zivilisationen in der Milchstraße bestimmt werden. Einziges Problem: Es ist ein Term mit sieben Unbekannten. Die Anzahl der (wahrscheinlich existierenden) Zivilisationen ist dabei das Produkt aus diesen Faktoren:

  1. mittlere Sternentstehungsrate pro Jahr
  2. Anteil an Sternen mit Planetensystem
  3. Zahl der Planeten in der habitablen Zone (pro Planetensystem)
  4. Anteil an habitablen Planeten die tatsächlich Leben entwickeln
  5. Anteil an belebten Planeten mit intelligentem Leben
  6. Anteil an Planeten mit intelligentem Leben, das Interesse an interstellarer Kommunikation hat
  7. Lebensdauer einer solchen Zivilisation in Jahren

Der US-Astrophysiker Frank Drake hat sich offenbar die richtigen Gedanken gemacht und mit seiner Formel einen guten Ansatz geliefert, doch leider fehlten ihm die entscheidenden Zahlen, um sie aufzulösen. Das ist heute anders. Durch die Kepler-Mission hat die Menschheit extrem viel Wissen über Exoplaneten in der Milchstraße gewonnen. Über die Jahre wurden mehr als 2.000 solcher Planeten ausgemacht. Mit Hilfe von Spektralanalysen fand man daraufhin heraus, dass sich einige dieser Exoplaneten in der habitablen Zone befinden.

Das reichte dem Astrobiologen Amri Wandel als statistische Probe aus, um Aussagen über die gesamte Milchstraße treffen zu können. Er fokussierte sich bei seinen Berechnungen, die im International Journal of Astrobiology erschienen, auf den Faktor der Exoplaneten in der habitablen Zone und kam zu dem Schluss, dass viele Millionen solcher Welten existieren müssten. Doch in direkter Nähe zur Erde sehe es laut Wandel ziemlich düster aus.

Was den Begriff „Nähe“ angeht, so muss man natürlich in den Maßstäben des nahezu unendlichen Kosmos denken. Nähe heißt nicht Mars, auch nicht Pluto. Denn so komisch es klingen mag, auch 50 Lichtjahre sind in unserer „näheren Umgebung“. Amri Wandels Ergebnisse zeigen jedoch, dass die nächste intelligente Lebensform erst auf einem Planeten in mehreren tausend Lichtjahren Entfernung haust. Wir Menschen müssen demnach noch etwas warten und uns mit Star Trek und Co. begnügen, bevor es zum Erstkontakt kommt.

Spannend & Interessant
VGWortpixel