Von: Dennis L.
Keine Elektronik

Rein mechanischer Rover soll die Venus erkunden

Aus Sicht von NASA-Ingenieuren gleicht die Venus der Hölle: 90 Atmosphären Druck und Temperaturen von über 450 Grad Celsius machen die Erkundung der Planetenoberfläche äußerst schwierig. Damit dies doch gelingt, baut die NASA derzeit einen sehr speziellen Rover – ein rein mechanisches Landefahrzeug.

Der AREE wird der erste voll mechanische Venus-Rover sein.
© JPL / nasa.gov

Pasadena (U.S.A.). Die Venus macht es den Forschern durch ihre unwirklichen geologischen und atmosphärischen Bedingungen nicht leicht. Kein Wunder, dass die ersten Versuche, die Venus mit Landefahrzeugen zu erkunden in den 1960er Jahren mehr oder weniger zum Scheitern verurteilt waren. Nachdem bereits andere Sonden abgestürzt, überhitzt oder von der Atmosphäre zerquetscht wurden, baute die Sowjetunion mit Venera 7 eine massive Venussonde die im Jahr 1970 erstmals weich auf der Venus landete. Es folgten noch fünf weitere sowjetische Venussonden, aber keine überlebte unter den hohen Temperaturen und dem Druck länger als 1,5 Stunden.

Die Auswertung der früheren Venus-Missionen zeigt, dass ein Rover durchaus stabil genug konstruiert werden kann, das große Problem ist Elektronik, welche der Hitze nur sehr kurz standhalten kann.

Der zukünftige Venus-Rover wird ein Panzer mit Uhrwerk

Um einen Rover zu bauen, der den Bedingungen auf der Venus über lange Zeit trotzen kann, haben sich die Ingenieure des Jet Propulsion Laboratory der NASA sich etwas sehr Außergewöhnliches einfallen lassen: Ein rein mechanischer Rover der einem Panzer aus dem ersten Weltkrieg ähnelt und durch eine Art mechanisches Uhrwerk angetrieben wird.

Der Rover mit der Bezeichnung AREE (Automaton Rover for Extreme Environments) wird die benötigte Energie aus zentral gelagerten Windturbinen beziehen. Diese sollen dann das System aus Räderwerken und Hebeln antreiben. „Die Venus ist zu unwirklich für komplexe Kontrollsysteme wie sie bei den Marsrovern eingesetzt werden“, erläutert Jonathan Sauder von der NASA. „Ein rein mechanischer Rover hingegen könnte auf der Venus ein Jahr oder sogar noch länger funktionsfähig bleiben.“

Der Venus-Rover kommuniziert mit Morsecode

Zwar ist bisher noch nicht geklärt, wie auf mechanischen Wege Daten gesammelt werden könnten, aber eine Lösung für die Kommunikation haben die Ingenieure bereits gefunden: Ein Bauteil, das von einer Sonde per Radar aus dem Orbit erfasst werden kann, soll Kommunikationsdaten mithilfe von Morsecodes an den Rover übermitteln – ganz ähnlich wie früher Schiffe über größere Distanzen via Lichtsignalen kommuniziert haben bzw. es heute noch tun.

Das Rover-Projekt, das im Rahmen des Innovative Advanced Concept Programms von der NASA finanziert wird, befindet sich bereits in der zweiten Phase. Derzeit wählen Forscher und Ingenieure des JPL aus, welche Elemente des Venus-Rovers weiterentwickelt werden müssen um am Ende einen funktionsfähigen Prototyp präsentieren zu können.

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