Kraken Mare

Erstmals Tiefe von Titans größtem See ermittelt

Robert Klatt

Eine Atmosphäre und Regen machen den Saturnmond Titan zu einem der interessanten Objekte in unserem Sonnensystem. Astronomen haben nun erstmals die Tiefe des größten Sees Kraken Mare ermittelt.

New York (U.S.A.). Eine Atmosphäre und Regen machen den Saturnmond Titan zu einem der interessanten Beobachtungsobjekte der Astronomie in unserem Sonnensystem. Weil es auf dem Mond statt Wasser flüssiges Methan und Ethan regnet, bestehen die Flüsse und Seen des Titan aus diesen Kohlenwasserstoffen. Ligaea Mare. Der zweitgrößte See des Mondes besteht zum Beispiel fast ausschließlich aus fast reinem Methan und organischem Schlamm.

Ob dies auch auf den größten See des Mondes, Kraken Mare, zutrifft, hat die Forschung bisher nicht untersucht. Bekannt ist lediglich, dass Kraken Mare mit rund 400.000 Quadratkilometern so groß ist, dass es Gezeiten mit bis zu einem Meter hohen Wellen geben könnte. Auch die Tiefe des Sees war bis vor Kurzem unbekannt.

Valerio Poggiali von der Cornell University: „Für alle anderen Seen auf dem Titan wurde dies schon bestimmt, nur für Kraken Mare nicht – obwohl er rund 80 Prozent der gesamten Flüssigkeit auf dem Saturnmond enthält.“

Radardaten verraten Tiefe von Kraken Mare

Ein Team der Cornell University hat laut einer Publikation im Journal of Geophysical Research nun anhand von Radardaten der NASA-Raumsonde Cassini die Tiefe von Kraken Mare ermittelt. Cassini hat die Daten bereits im Sommer 2014 bei Überflügen über Kraken Mare gesammelt. Gemessen wurde die Tiefe von Moray Sinus, einer Bucht von Kraken Mare, aus einer Höhe von etwa 1.000 Kilometern mithilfe eines Radar-Altimeters. Anhand der Absorption der Radarstrahlen sind außerdem Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Flüssigkeit möglich.

Kranken Mare ist sehr tief

Die Analyse der Daten zeigt, dass bereits die Bucht Moray Sinus etwa 85 Meter tief ist.

Valerio Poggiali: „Der Hauptteil von Kraken Mare zeigte keine vom Seegrund zurückkehrenden Signale. Das deutet darauf hin, dass der See für Cassinis Radarstrahlen entweder zu tief oder aber zu absorbierend ist.“

Die Möglichkeit, dass der See auf dem Saturnmond Titan zu absorbierend ist, halten die Wissenschaftler aber für unwahrscheinlich, weil dies bedeuten würde, dass der Hauptteil des Sees eine andere Zusammensetzung als die Bucht Moray Sinus hat.

Valerio Poggiali: „Wenn man jedoch davon ausgeht, dass der Hauptteil von Kraken Mare eine ähnliche Absorption besitzt wie Moray Sinus, dann können wir schlussfolgern, dass der See dort noch deutlich tiefer sein muss als 100 Meter.“

Möglich ist laut den Forschern eine Tiefe von bis zu 300 Metern. Kranken Mare wäre damit nicht nur der flächenmäßig größte, sondern auch der tiefste See des Titan.

Zusammensetzung der Flüssigkeit des Titan Sees

Die Analyse der Radardaten zeigt außerdem, dass Kranken Mare zu 70 Prozent aus flüssigem Methan, 16 Prozent aus Stickstoff und 14 Prozent aus Ethan besteht. Ligaea Mare und Kranken Mare sind somit relativ ähnlich zusammengesetzt. Frühere Annahmen, laut denen Kraken Mare aufgrund seiner südlicheren Lage und größeren Fläche mehr Methan verdunstet sind damit widerlegt.

Valerio Poggiali: „Die Tiefe und die Zusammensetzung von Kraken Mare und dem Moray Sinus zu kennen ist wichtig, weil uns dies eine genauere Einschätzung des hydrologischen Kreislaufs auf dem Titan ermöglicht.“

Journal of Geophysical Research, doi: 10.1029/2020JE006558

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