Materialermüdung?

Arecibo-Radioteleskop mit zweitem Kabelbruch

Robert Klatt

Am Arecibo-Radioteleskop ist innerhalb weniger Monate ein zweites Haltekabel gebrochen. Das zu den weltweit größten Antennen der Radioastronomie gehörende Teleskop kann deshalb auf unbestimmte Zeit nicht genutzt werden.

Arecibo (Puerto Rico). Das Arecibo-Teleskop gehört mit seiner 305 Meter großen Reflektorschüssel zu den weltweit größten Antennen der Radioastronomie. In der Vergangenheit konnte die Wissenschaft mit diesem in Puerto-Rico installierten Teleskop bereits Fast Radiobursts (Radioblitze) einfangen, Einsteins Relativitätstheorie anhand eines Dreifachsystems aus Weißen Zwergen und einem Neutronenstern überprüfen und als Teil des SETI-Projekts nach außerirdischen Signalen suchen. Außerdem wird das Teleskop regelmäßig verwendet, um die Bahnen erdnaher Asteroiden für Risikoanalysen detailliert zu bestimmen.

Am 10. August 2020 kam es unbekannten Gründen am Arecibo-Teleskop zum Riss des ersten Haltekabels, dass auf die Antennenschüssel fiel und dabei einen Teil der Aluminiumpaneele des Reflektors zerstörte. Überdies wurde beim ersten Unfall die Kuppel des Sekundärreflektors beschädigt. Als möglicher Grund gilt aufgrund des hohen Alters Materialermüdung. Das Arecibo-Teleskop wurde bereits in den 1960er-Jahren errichtet.

Haltekabel der Empfangseinheit gebrochen

Am 6. November 2020 kam es am Arecibo-Radioteleskop erneut zu einem Kabelbruch. Dabei wurde eines der Hauptkabel, die die Empfangseinheit über der Schüssel fixieren, zerstört. Am Radioteleskop wurden dadurch Schäden an einem benachbarten Kabel und an der Antennenschüssel ausgelöst. Verletzt wurde laut Francisco Cordova, Direktor des Arecibo-Observatoriums dabei niemand. Die erst kürzlich begonnenen Reparaturarbeiten, die den Schaden vom 10. August beseitigen sollten, mussten aber unterbrochen werden.

Wie Cordova erklärt, „untersuchen die Experten des Arecibo-Radioteleskops zurzeit die Lage.“ Es soll so sichergestellt werden, dass die Struktur zeitnah stabilisiert werden kann, um noch größere Schäden zu verhindern. Als wahrscheinlichsten Grund für den zweiten Kabelbruch nennen die Ingenieure eine Überlastung, weil das Kabel seitdem 10. August eine hohe zusätzliche Last tragen musste. Kameraaufnahmen zeigen, dass bereits vor dem eigentlichen Kabelbruch einzelne Stränge des Hauptkabels defekt waren. Der Austausch des Kabels war deshalb bereits geplant. Um weitere Kabelbrüche zu vermeiden, wurden bereits provisorische Stahlträger an kritischen Stellen angebracht.

Trotz der großen Schäden soll das Teleskop so bald wie möglich wieder betriebsbereit sein. Laut Cordova „ist es einfach ein zu wichtiges Werkzeug für die Wissenschaft.“ Einen konkreten Zeitpunkt nennt der Direktor dafür aber nicht.

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