Von: Dennis L.
Größte Stadt um 1200 n. Chr.

Riesige versunkene Städte in Kambodscha gefunden

Ein ganzes Netzwerk aus Städten entzog sich unter dichter Vegetation zuvor dem Blick der Archäologen. Experten zufolge verändert diese Entdeckung die gesamte Geschichtsschreibung Südostasiens.

Angkor Wat ist winzig im Gegensatz zu den Ruinen, welche die Archäologen nun entdeckt haben.
© Photo Dharma / wikipedia.org

Paris (Frankreich). Der australische Archäologe Dr. Damian Evans dokumentiert im Journal of Archaeological Science die Entdeckung bislang unbekannter Stätten im kambodschanischen Dschungel. Mithilfe der LiDAR-Technologie (light detecting and ranging) können durch die Vegetation Bodenstrukturen vom Hubschrauber aus vermessen werden. Bereits 2012 hatte eine Untersuchung Überreste einer Stätte auf der Hochebene Phnom Kulen entdeckt. Eine umfangreichere Vermessung eines Gebiets von 1.901 Quadratkilometern fand dann später statt. 2012 habe er nur einen Teil der Stadt Mahendraparvata entdeckt, teilt Dr. Evans mit, der für die École Française d'Extrême-Orient (EFEO) in Siem Reap arbeitet. Die komplette Fläche der Stadt entspreche der des modernen Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas mit 1,5 Millionen Einwohnern. Zusätzlich zu weiteren Tempeln im Bereich von Angkor Wat fanden Dr. Evans und sein Team auch eine große Stätte um Preah Khan of Kompong Svay.

Das Alter der Stätten liegt zwischen 900 bis 1.400 Jahren. Die Ausmaße der Stadt Mahendraparvata und des gesamten Netzwerks an Städten, Tempeln und umfangreichen Bewässerungsanlagen legen nahe, dass das sie Teil des weltgrößten Reiches im 12. Jahrhundert waren. Teile der entdeckten Anlagen stammen aus der Zeit vor dem Aufstieg der Khmer.

Neue Perspektiven zur Geschichte Südostasiens

Prof. emer. David Chandler von der australischen Monash University of Melbourne bescheinigte der Entdeckung, sie werde "die Geschichte neu schreiben". Die entdeckten Wasserkanäle setzen Technologien voraus, die gemäß bisherigem Wissen damals noch unbekannt waren.

Auch zum Untergang des Khmer-Reiches erhoffen sich Wissenschaftler neue Erkenntnisse im Hinblick auf die Rolle von Klimaveränderungen und Wasserressourcenmanagement. Die bisherige Theorie besagt, dass nach Angriffen der Thai eine Abwanderung der Khmer gen Süden stattgefunden habe. Angkor Wat sei nach einer Plünderung um das Jahr 1431 fluchtartig verlassen worden. Dr. Evans zeigt auf, dass Nachfolgestädte der Khmer wie Longvek und Oudong nicht mit der Bevölkerungsgröße des entdeckten Städteverbunds korrelieren. "Dies stellt die komplette Auffassung eines Kollapses infrage", so Dr. Evans in einem Interview mit dem britischen The Guardian.

Folgen Sie uns
Oft gelesen