Lagerstätte in Wales

Fossilienfunde zeigen urzeitliche Miniatur-Lebenswelt

Robert Klatt

Rekonstruktion der Lebewesen in Castle Bank )nc.sac.hsilgneauhgniD gnaYknaB eltsaC ni nesewebeL red noitkurtsnokeR(Foto: © 
Auf den Punkt gebracht
  • In Wales wurde eine weltweit einzigartige Fossilienlagerstätte entdeckt, in der zahlreiche Lebewesen auf dem mittleren Ordovizium konserviert sind
  • Die größtenteils winzigen Organismen sind inklusive Details wie Tentakel, innere Organe und dem Nervensystem konserviert. Üblicherweise sind diese bei Fossilien nicht vorhanden
  • Die Fundstätte liefer deshalb neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Lebens

In Wales wurde eine weltweit einzigartige Fossilienlagerstätte entdeckt, in der bereits 150 größtenteils winzigen Spezies gefunden wurden. Die Fundstätte liefert damit neue Erkenntnisse über die Vielfalt des Lebens im mittleren Ordovizium.

Nanjing (China). Es sind nur sehr wenige Fossilienfundstätten bekannt, in denen auch die Weichteile und andere empfindliche Details der urzeitlichen Lebewesen konserviert sind. Diese sind aber entscheidend bei der Untersuchung der frühen Lebenswelten. Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) haben nun in dem walisischen Castle Bank eine einzigartige Fossilienfundstätte entdeckt, die sich in einer etwa 462 Millionen Jahre alten Gesteinsformation aus Vulkanasche und feinem Meeresschlamm befindet.

Diese Materialien schlossen eine große Anzahl kleiner Organismen ein. Dabei versteinerten selbst kleinste Details wie winzige Tentakel, innere Organe und das Nervensystem. Bei Fossilien sind diese üblicherweise nicht vorhanden.

150 Spezies identifiziert

Bislang hat die Forschungsgruppe unter der Leitung von Joseph Botting vom Nationalmuseum Wales über 150 verschiedene, bisher unbekannte Spezies in Castle Bank entdeckt. Der Großteil dieser neu identifizierten Organismen besteht aus winzigen Meeresbewohnern, die lediglich einige Millimeter messen. Ein Teil dieser neuartigen Spezies weist Ähnlichkeiten zu frühen Arthropoden oder gar Insekten auf, während andere eher mit wurmähnlichen Wesen, Schwämmen oder Seesternen vergleichbar sind.

„Wir entdecken bei jedem Besuch etwas Neues und manchmal etwas wirklich Außergewöhnliches.“

Leben des mittlere Ordoviziums

Die neuentdeckten Lebensformen stammen laut der Publikation im Fachmagazin Nature Ecology and Evolution aus dem mittleren Ordovizium, einem Zeitalter, aus dem bisher kaum Fossilien entdeckt wurden.

„Es gibt einige Fossillagerstätten aus dem frühen Ordovizium, aber sie sind älter als unsere und selbst in ihnen sind Weichteil-Fossilien rar. Hier haben wir nun alles.“

Zwei Tiere mit weichen Körpern aus der Fauna der Castle Bank.
Zwei Tiere mit weichen Körpern aus der Fauna der Castle Bank. )nc.sac.hsilgneSAPGIN.knaB eltsaC red anuaF red sua nrepröK nehciew tim ereiT iewZ(Foto: ©

Das Ordovizium wird als die Ära angesehen, in welcher die Vorstufen gegenwärtiger Organismengruppen eine stärkere Diversifikation erfuhren und die Grundlagen der heutigen Biodiversität geschaffen wurden. Aus den damals noch weitestgehend homogenen Kambrium-Lebensräumen entwickelten sich innovative ökologische Nischen und Ökosysteme.

Wie Lucy Muir vom National Museum Wales erklärt, ermöglicht die Fundstätte neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Lebens.

„Dieser Fund ist bedeutend, weil er uns ein neues Fenster in diese für die Entwicklung des Lebens so wichtige Zeit öffnet. Die Fossilien stammen aus der Zeit des ‚Großen Ordovizanischen Biodiversifizierungs Ereignisses‘, als sich die ersten Tiere mit harten Skeletten zu entwickeln begannen. Zum ersten Mal können wir nun auch sehen, was in dieser Zeit mit dem Rest des Ökosystems geschah.“

Weitere Fossilienfunde erwartet

Bisher konnten die Paläontologen nur ein kleines Gebiet der Fossillagerstätte untersuchen. Laut Botting sind daher weitere Fossilienfunde zu erwarten.

„Diese Fossilfundstätte wird noch über Jahrzehnte neue Entdeckungen liefern. Dies ist erst der Anfang und wir sind gespannt, was als Nächstes kommen wird.“

Nature Ecology and Evolution, doi: 10.1038/s41559-023-02038-4

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