Todesstrafe

Erstmals römische Kreuzigung in England entdeckt

Robert Klatt

Die Kreuzigung gehörte zu den grausamsten Todesstrafen im römischen Reich. Nun wurde erstmals ein Beleg für eine solche Hinrichtung in England entdeckt.

Cambridge (England). Im römischen Reich war die Kreuzigung die wohl grausamste aller Todesstrafen. Angewandt wurde sie primär bei Nichtrömern und Sklaven. In der Regel wurde diese gegeißelt und dann zum Platz der Hinrichtung geführt. Dort wurden die Arme des Gekreuzigten an die Querbalken gebunden und genagelt. Anschließend wurden auch die Füße und Beine mit Nägeln oder Seilen fixiert. Diese Art der Hinrichtung war laut historischen Dokumenten jedoch sehr selten.

Wissenschaftler von Albion Archaeology und der University of Cambridge haben nun bei Ausgrabungen an der alten Römerstraße Via Devana zwischen Cambridge und Godmanchester in der Nähe des Orts Fenstanton in einer antiken Siedlung der Römer erstmals einen Nachweis für diese Art der Hinrichtung in England entdeckt.

Nägel im Grab eines Mannes

Bei den dortigen Ausgrabungen fanden die Archäologen 40 Gräber aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert, in denen laut Grabbeigaben überwiegend wohlhabende Römer lagen. Lediglich ein Grab war laut den Wissenschaftlern ungewöhnlich. Dieses enthielt einen 25 bis 35 Jahre alten Mann, der auf einer Holzbahre bestattet wurde. Um ihn herum lagen lange Nägel.

Nach der Reinigung des Skeletts entdeckte die Osteoarchäologin Corinne Duhig, dass sich ein etwa fünf Zentimeter langer Nagel im Fersenbein des Toten befand. Laut Duhig muss dieser Nagel bereits zu Lebzeiten des Mannes in den Fuß geschlagen wurden sein. Dies belegt unter anderem eine kleine Delle nahe dem Nagel, die ein Indiz für einen Fehlversuch ist.

Römische Kreuzigung in England

Laut Lebzeiten ist dies ein Beleg dafür, dass der Mann gekreuzigt wurde. Der Nagel allein ist zwar kein unwiderlegbarer Beweis, gemeinsam mit den übrigen Umständen ist diese Hinrichtungsart aber die sinnvollste Erklärung.

Auch die ausgedünnte Struktur der Beinknochen spricht dafür, dass der Mann vor seinem Tod lange gefesselt war. Das Skelett aus Fenstanton ist damit der erste archäologische Beleg für eine Kreuzigung im römischen Britannien. „Die Begräbnispraktiken zur römischen Zeit variierten stark und auch Verstümmelungen hat man hier schon gefunden – aber noch nie eine Kreuzigung“, erklärt Kasia Gdaniec vom Cambridgeshire County Council.

Archäologische Seltenheit

Inklusive des Funds in Fenstanton wurden bisher nur vier archäologische Belege für eine Kreuzigung erbracht. Wie Duhig erklärt, ist der neuste Fund der bisher am besten erhaltene Nachweis dieser Todesart. „Die glückliche Kombination eines guten Erhaltungszustands und dieses Nagels im Knochen hat dieses einzigartige Beispiel erbracht – tausende andere sind verloren vergangen“, erklärt Duhig.

Wieso der Mann nach seiner Kreuzigung mit den übrigen Römern in einem normalen Grab bestattet wurde, ist noch unklar. Normalerweise wurden Gekreuzigte im römischen Reich an anderen Orten und ohne die verwendeten Nägel bestattet.

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