Steinzeiternährung

Die echte „Paleo-Diät“ war extrem giftig und ungesund

von Dennis L.

Die Menschen in der Steinzeit lebten bei weitem nicht so gesund, wie es manche Diät-Ratgeber gerne behaupten. Eine aktuelle norwegische Studie zeigt sogar, dass die Steinzeiternährung oftmals giftig und ungesund war.

Tromsø (Norwegen). Bei der Steinzeiternährung oder Steinzeitdiät, die umgangssprachlich auch als Paleo-Diät bezeichnet wird, handelt es sich um eine besondere Ernährungsform, die sich an der vermuteten Ernährung der Menschen aus der Altsteinzeit orientiert. Im speziellen ist die Zeit vor der Neolithischen Revolution (beginnend vor etwa 20.000 bis 10.000 Jahren) gemeint, in der noch kein Ackerbau oder Vierzucht betrieben wurde. Anhänger glauben, dass die einfache Steinzeiternährung gesünder war als die heutige Ernährungsweise und essen daher nur Beeren, Fisch, Fleisch, Kräuter und Samen.

Die Paleo-Diät ist aber aus wissenschaftlicher Hinsicht gleich mehrfach umstritten, denn zum einen sind positive Effekte auf die Gesundheit oder gar eine Verminderung von modernen Krankheiten, wie es in einigen Ratgebern tatsächlich beschrieben steht, aus ernährungswissenschaftlicher Sicht mehr als fraglich. So gilt es als nachgewiesen, dass ein hoher Anteil an tierischen Produkten und der komplette Verzicht auf Getreide und Hülsenfrüchte langfristig sogar negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Dass die damaligen Steinzeitmenschen viele heute weit verbreitete Krankheiten wie Krebs, Demenz, etc. nicht bekamen, lag nach Ansicht der Wissenschaftler weniger an der gesunden Ernährung als an der wesentlich niedrigeren Lebenserwartung.

Auch Archäologen sehen die Paleo-Diät kritisch, denn diverse Funde deuten darauf hin, dass es eine typische Steinzeiternährung gar nicht gab. Vieles lässt die Archäologen vermuten, dass die damaligen Menschen ihre Ernährung einfach den örtlichen und jahreszeitlichen Ressourcen angepasst haben. So fanden Archäologen in Südafrika kürzlich Überreste von Pflanzenteilen mit einem sehr hohen Stärkeanteil. So standen vermutlich bereits vor 170.000 Jahren kohlenhydratische Sprossen auf dem Speiseplan der damaligen Menschen – ein klarer Widerspruch zur vielen Paleo-Diät Büchern.

Schwermetalle in Steinzeitnahrung

Norwegische Forscher um Hans Peter Blankholm von der Arktischen Universität Norwegen berichten nun im Fachmagazin Quaternary International, dass die Nahrung aus der Steinzeit alles andere als gesund war. Untersuchungen von Nahrungsüberresten aus der norwegischen Arktis haben gezeigt, dass diese sehr hohe Werte giftiger Schmermetalle aufwiesen.

So konnten die Forscher beispielsweise in den Resten von Dorschen extrem hohe Cadmiumwerte nachweisen. „Sie übersteigen die oberen Grenzwerte der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit um mehr als das Zwanzigfache“, so Blankholm. Zudem konnten die Forscher hohe Anteile von Blei und Quecksilber messen – und das nicht nur im Fisch sondern beispielsweise auch in Robbenfleisch.

Der langfristige Konsum solch kontaminierter Nahrung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr schädlich für die damaligen Arktisbewohner gewesen sein. Es ist jedoch unklar, welchen Anteil die belasteten Nahrungsmittel bei der Ernährung gespielt haben und ob sie überhaupt alt genug wurden, um die damit verbundenen Erkrankungen zu entwickeln. Analysen menschlicher Überreste aus jener Zeit sollen diese ragen nun beantworten.

Erderwärmung erhöht die Schmermetallkonzentration

Die Forscher vermuten hinter der ungewöhnlich hohen Belastung durch Schwermetalle übrigens klimatische Veränderungen, wie wir sie derzeit erneut erleben. Durch die Erderwärmung taut Eis und Permafrostböden und geben so gespeicherte Metalle frei. Durch den steigenden Meeresspiegel gelangen die Metalle dann vom Land ins Wasser.

Quaternary International, doi: 10.1016/j.quaint.2020.01.019

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