67.800 Jahre alt

Archäologen entdecken bislang älteste Höhlenkunst der Welt

 Dennis L.

Archäologen stießen in einer entlegenen Kalksteinhöhle auf eine verblasste Handschablone die als älteste bekannte Höhlenkunst gilt. Die pigmentierte Silhouette entstand durch Aufsprühen von rotem Ocker um eine auf die Wand gelegte Hand. Dieser sensationelle Fund auf Sulawesi eröffnet völlig neue Perspektiven auf die künstlerischen Fähigkeiten früher Menschengruppen und ihre weitreichenden Wanderungen. )ytisrevinU htiffirG(Foto: © 
Auf den Punkt gebracht
  • Wissenschaftler nutzen U-Series-Datierung für genaue Altersangaben

In den Kalksteinhöhlen Südostasiens finden Archäologen immer wieder Spuren uralter menschlicher Aktivitäten die weit über bekannte europäische Beispiele hinausreichen. Moderne Analysemethoden wie die Laserablation ermöglichen präzise Datierungen von Mineralablagerungen über Pigmentschichten. Solche Untersuchungen erhellen schrittweise wie sich künstlerischer Ausdruck und kognitive Fähigkeiten des modernen Menschen entwickelten ohne jedoch konkrete Orte oder exakte Zahlen vorwegzunehmen.

Höhlenkunst umfasst seit jeher eine der faszinierendsten Ausdrucksformen früher menschlicher Kulturen. Dabei handelt es sich um Pigmentaufträge oder Gravuren auf Fels- oder Höhlenwänden die oft durch Sprühtechniken mit Mund oder Rohr erzeugt wurden. Solche Werke finden sich weltweit in Karstregionen und reichen von einfachen Handnegativen bis zu komplexen Szenen mit Tieren oder geometrischen Mustern. Die Datierung erfolgt häufig über Uran-Thorium-Reihen in Kalksinterablagerungen die sich über den Farbschichten bilden und ein Mindestalter liefern während unterliegende Schichten maximale Altersgrenzen setzen können. Diese Methode arbeitet mit radioaktivem Zerfall von Uran-234 zu Thorium-230 und erreicht Genauigkeiten im Bereich von wenigen tausend Jahren bei Proben aus dem Pleistozän. Frühere Funde in Europa wie in der Chauvet-Höhle oder in Spanien galten lange als älteste Belege doch neuere Entdeckungen in Asien verschieben diese Grenzen kontinuierlich weiter zurück. Die künstlerische Praxis setzt bereits fortgeschrittene Planung symbolisches Denken und soziale Koordination voraus was Rückschlüsse auf die geistige Entwicklung des Homo sapiens erlaubt. In feuchten Tropenregionen wie Indonesien erhalten sich solche Werke dank stabiler Mikroklimata in Höhlen besonders gut obwohl Erosion und Mineralwachstum die Analyse erschweren. Forscher kombinieren daher zerstörungsfreie bildgebende Verfahren mit hochauflösender Massenspektrometrie um Schichtfolgen millimetergenau zu kartieren. Diese interdisziplinäre Herangehensweise verbindet Geochemie Archäologie und Anthropologie und liefert ein detailliertes Bild der kulturellen Evolution über Zeiträume von mehr als 60.000 Jahren.

Die Ausbreitung des modernen Menschen aus Afrika heraus führte zu ersten künstlerischen Manifestationen in neuen Lebensräumen. Bereits vor der Ankunft in Europa besiedelten Gruppen von Homo sapiens Inselketten in Wallacea wo sie maritime Techniken und soziale Strukturen entwickelten. Solche Wanderungen erforderten nicht nur Navigation über offene See sondern auch kulturelle Anpassungen an neue Umwelten mit einzigartiger Flora und Fauna. Höhlen dienten dabei oft als Schutzräume und rituelle Orte in denen künstlerische Handlungen stattfanden. Die Technik der Handschablone entsteht durch Auflegen der Hand und Besprühen mit pigmenthaltiger Flüssigkeit was einen negativen Umriss hinterlässt. Diese Methode ist weltweit verbreitet und erfordert präzise Koordination von Atem und Handhaltung. In tropischen Karstlandschaften bilden sich über Jahrhunderten dünne Kalkschichten die das Kunstwerk schützen und gleichzeitig datierbar machen. Die Analyse solcher Sinter erfordert Labore mit hochpräzisen Instrumenten die Isotopenverhältnisse auf atomarer Ebene messen können. Dadurch entsteht ein chronologisches Gerüst das Migrationen und kulturelle Kontinuitäten rekonstruieren hilft. Frühe Kunstwerke deuten auf komplexe Weltbilder hin in denen Mensch und Tier oder Geist und Materie eng verknüpft waren.

Die Entdeckung in der Liang Metanduno Höhle

Archäologen eines internationalen Teams untersuchten systematisch Kalksteinhöhlen auf Muna Island einer Nebeninsel von Sulawesi in Südostindonesien. Dort stießen sie auf eine fragmentarische Handschablone aus rötlichem Pigment die nur noch 14 Zentimeter mal 10 Zentimeter groß ist. Die Silhouette zeigt Teile von Fingern und Handfläche wobei ein Finger nachträglich künstlich verschmälert wurde um einen krallenartigen Eindruck zu erzeugen. Solche Modifikationen sind charakteristisch für die Region und deuten auf symbolische Bedeutung hin. Die umgebenden Wände tragen weitere jüngere Motive was auf eine langanhaltende Nutzung der Höhle als künstlerischen Raum über mindestens 35.000 Jahre hinweist. Die Nature-Publikation dokumentiert die genaue stratigrafische Lage und die umliegenden Motive. Durch sorgfältige Probenentnahme an mikroskopisch kleinen Sinterablagerungen direkt über dem Pigment gelang die exakte Altersbestimmung.

Präzise Datierung mit Laserablation U-Series-Methode

Die Forscher der Griffith University wandten die Laserablation U-Series-Datierung an einem hochauflösenden Massenspektrometer an. Dabei wird ein fokussierter Laserstrahl von 44 Mikrometern Durchmesser über die Kalkschicht geführt und die abgetragenen Partikel direkt in das Plasma eingeleitet. Dies ermöglicht eine räumliche Auflösung im Mikrometerbereich und vermeidet Kontamination durch ältere oder jüngere Schichten. Für die zentrale Handschablone ergab die Analyse ein Uran-Thorium-Alter von 71,6 plusminus 3,8 tausend Jahren was ein Mindestalter der darunterliegenden Höhlenkunst von 67800 Jahren festlegt. Eine benachbarte Schablone zeigte zwei Pigmentschichten mit einer Trennung von mindestens 35000 Jahren. Die Methode berücksichtigt Detrituskorrekturen und liefert sowohl Mindest- als auch Höchstalter wo möglich. Verglichen mit früheren Funden in der Maros-Pangkep-Region übertrifft dieser Wert alle bekannten Beispiele um mehr als 16600 Jahre. Solche Daten quantifizieren die Anwesenheit des Homo sapiens in Wallacea und schließen Lücken in der Migrationschronologie.

Die Ergebnisse unterstreichen die kontinuierliche künstlerische Tradition in der Region. Frühere Höhlenkunstfunde bei Neandertalern zeigen ähnliche Praktiken doch die indonesischen Beispiele sind eindeutig dem Homo sapiens zuzuordnen. Die Modifikation zu einer krallenartigen Form könnte auf rituelle oder totemistische Vorstellungen hinweisen in denen Mensch und Tierwelt verschmolzen. Weitere Funde in benachbarten Höhlen wie Gua Mbokita oder Gua Anawai ergänzen das Bild mit zusätzlichen datierten Motiven aus dem Pleistozän.

Auswirkungen auf das Verständnis der Besiedlung von Sahul

Der Fund liefert das älteste direkte Zeugnis für moderne Menschen entlang der nördlichen Route von Asien über Sulawesi und die Molukken nach Sahul dem prähistorischen Kontinent aus Australien Tasmanien und Neuguinea. Modelle zur Erstbesiedlung Sahuls reichen von 50000 bis mindestens 65000 Jahren zurück. Die datierte Höhlenkunst auf Muna Island stützt die frühere Variante und belegt maritime Fähigkeiten mit geplanter Überquerung von Meerengen. Solche Reisen erforderten Boote Navigation und soziale Organisation über Generationen. Die künstlerische Kontinuität über 35.000 Jahre deutet auf stabile Populationen hin die ihr kulturelles Erbe pflegten. Vergleiche mit frühen Besiedlungsdaten aus anderen Regionen zeigen parallele Entwicklungen kultureller Komplexität. Der Fund schließt eine wichtige Lücke zwischen Afrika und Australien und bestätigt die außergewöhnliche künstlerische Kultur Südostasiens als eine der ältesten und langlebigsten weltweit.

Nature, Rock art from at least 67,800 years ago in Sulawesi; doi:10.1038/s41586-025-09968-y

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