Zur mobilen Website wechseln?

Lange Tradition

Welchen Sinn und Zweck haben Normen?

Oftmals bleiben sie unbemerkt, doch im Grunde stecken sie überall. Die Rede ist von Normen. Es gibt kaum etwas, das nicht durch irgendeine Norm standardisiert ist. Doch was genau sind Normen? Wie entstehen sie? Welche Vorteile bringen sie mit sich?

Normen sind ein Ordnungsinstrument der Wirtschaft. Sie halten nachvollziehbar fest, was von einem Produkt oder einer Dienstleistung erwartet werden kann, und geben damit auch vor, welche Regeln und Bedingungen bei der Produktion beziehungsweise beim Anbieten von Dienstleistungen eingehalten werden sollen.

Eine Empfehlung, keine Verpflichtung

Bei der Vielzahl an Bereichen, in denen Normen eine wichtige Rolle spielen, könnte man davon ausgehen, dass es sich um gesetzliche Regelungen handelt. Das würde bedeuten, dass Betriebe, Institutionen und Produktionsfirmen rechtlich dazu verpflichtet sind, sich an die vereinbarten Normen zu halten und die anzuwenden.

Dem ist allerdings nicht so. Im Gegensatz zur Einhaltung von Gesetzen ist die Beachtung von Normen keine Pflicht, sondern erfolgt freiwillig. Es handelt sich um private, technische Regelungen mit Empfehlungscharakter.

Auch die Übernahme von internationalen Normen ist kein Muss: Die Mitgliedsländer der Internationalen Organisation für Normen (ISO) können selbst entscheiden, ob sie diese Normen auf nationaler Ebene übernehmen möchten. Verpflichtend sind Normen allerdings dann, wenn sie in einem Vertrag oder anderweitig festgelegt werden.

Sinn und Vorteil einer Norm

Normen werden dann gebraucht, wenn ähnliche oder gleichartige Dinge vielseitig und von vielen Menschen genutzt werden können sollen. Handel, internationaler Warenverkehr, die Globalisierung im heutigen Ausmaß – all solche Dinge wären ohne Normen nicht möglich.

Qualitätssicherung

Normen sorgen dafür, dass die Qualität von Produkten aus allen Bereichen des Lebens gesichert ist. Sie alle unterliegen Normen, die festlegen, welche Regeln und Bedingungen bei der Produktion oder bei der Ausführung einer Dienstleistung eingehalten werden sollen. Durch die Vereinheitlichung können sich alle Marktteilnehmer darauf verlassen, dass ein genormtes Produkt für den vorgesehenen Verwendungszweck auch funktioniert.

Mehr Effizienz

Standards verbessern die Effizienz – vor allem, was die Produktion von Waren betrifft. Auch der globale Warenverkehr würde ohne Normen ausgebremst. Das beginnt schon bei der Normgröße für Container, die somit problemlos weltweit auf Frachter und Züge geladen und transportiert werden können.

Einfachere Arbeit mit Bauteilen

Ein weiterer Vorteil von der Normung liegt in der einfacheren Arbeit mit Bauteilen, da diese untereinander ausgetauscht werden können. Das geht aber nur, wenn die grundlegenden Eigenschaften der Normteile von einer zentralen Normstelle festgelegt und von Herstellern und Handel verwendet werden.

Normen geben Rechtssicherheit

Wenn eine Norm nicht eingehalten wird, muss der Hersteller allerdings nachweisen, dass sein Werk trotzdem die üblichen fachlichen beziehungsweise die mit dem Kunden vereinbarten Anforderungen erfüllt. Kann er das nicht, hat der Kunde einen gesetzlichen Anspruch auf Gewährleistung.

Deswegen stellt die Einhaltung von Normen für Unternehmer eine gewisse Rechtssicherheit dar. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen ein Werk fehlerhaft ist, obwohl sämtliche Normen eingehalten wurden, oder umgekehrt, dass ein Werk mangelfrei ist, obwohl es nicht normenkonform ist.

So entsteht eine Norm

Normen sind das Ergebnis nationaler, europäischer und internationaler Normungsarbeit. Diese beginnt grundsätzlich immer mit einem Normungsantrag, der an das entsprechende Institut herangetragen wird. Der zuständige Ausschuss des jeweiligen Fachbereichs entscheidet dann darüber,

  • ob Bedarf für die Norm besteht,
  • ob die betreffenden Kreise bereit sind, das Projekt zu finanzieren und
  • ob die Bearbeitung auf nationaler, europäischer oder internationaler Ebene erfolgen soll.

Anschließend wird die Norm bei den entsprechenden Ausschüssen und Normungsorganisationen erarbeitet. Das erfolgt nach festgelegten Grundsätzen sowie Verfahrens- und Gestaltungsregeln.

An diesem Prozess können sich alle interessierten Kreise beteiligen, etwa Hersteller, Verbraucher, Hochschulen, Händler, Forschungsinstitute, Behörden und Prüfungsinstitute. Sie entsenden Experten, die an den Sitzungen der Normausschüsse teilnehmen.

Normen entstehen immer im Konsens. Die Teilnehmer des Ausschusses einigen sich auf eine gemeinsame Version der Inhalte, die versucht, alle Interessen der Beteiligten zu berücksichtigen und Gegenargumente auszuräumen. Das Ganze geschieht immer im Hinblick auf den aktuellen Stand der Technik.

Bis eine Norm definiert ist, vergehen bis zu drei Jahre. Eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass die Innovationszyklen immer kürzer und die Disruptionsrhythmen immer hastiger werden. Dennoch werden Normen in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen, denn gerade im Bereich der Digitalisierung sind Standards entscheidend.

Institute für Normen und Standards

Es gibt verschiedene Institute, die regelmäßig neue Normen und Standards veröffentlichen und dafür solche abschaffen, die nicht mehr zeitgemäß sind. Schließlich müssen die Standards immer auch den Stand der Technik widerspiegeln. Spätestens alle fünf Jahre werden die bestehenden Normen daher auf ihre Aktualität geprüft.

DIN

Das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) hat im Jahr 2017 sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Jedes Jahr veröffentlicht das Institut mehr als 2.000 neue und überarbeitet Normen – insgesamt sind es etwa 34.000. Die Normen.

ISO

Die Abkürzung ISO steht für International Organization of Standardization, zu Deutsch: Internationale Organisation für Standardisierung. ISO-Normen sind weltweit gültig und eignen sich daher zur Verwendung im Welthandel.

CEN

Das Europäische Komitee für Normung (französisch: Comité Européen de Normalisation; englisch: European Commitee for Standardization) veröffentlich die Europäischen Normen (EN) und hat die Voraussetzungen für den europäischen Binnenhandel geschaffen. Die EN-Normen sind aber nur innerhalb der EU gültig. In dem Komitee sind die Normungsorganisationen verschiedener Länder Mitglied.

Genormte Bereiche und Produkte

Normen prägen unseren Alltag – oftmals ohne, dass wir es merken. Es gibt kaum einen Lebensbereich, der ohne Standardisierungen auskommt. In folgenden Bereichen sind bestimmte Arbeitsschritte und Produkte durch Normen festgelegt.

Baubereich

Die DIN 18065 regelt unter anderem die Laufbreite und das Steigungsverhältnis von Treppenstufen, sodass man beim Treppensteigen nicht stolpert. Dank DIN 18040-1 müssen Türen mindestens 205 Zentimeter hoch sein – Menschen mit einer durchschnittlichen Körpergröße müssen daher nicht befürchten, sich den Kopf zu stoßen.

Handwerk

Eine der Normen für Elektriker ist DIN 5035-6. Sie regelt die Mess- und Bewertungsverfahren von Beleuchtungen. Sie enthält Anforderungen an die Messgeräte und legt die Vorbereitung und Durchführung der Messverfahren fest.

In Bezug auf Stahlrohre gibt es ebenfalls verschiedene Normen, die die Gewindegröße bestimmen. Je nach Nennweite und Gewindegröße, die wiederum in Außen- und Innengewinde aufgeteilt ist, ergibt sich eine andere Zollgröße. Diese Angaben sind wichtig, um bei Handwerksarbeiten im Heizungs- und Sanitärbereich die richtige Rohrgröße ermitteln zu können.

Ernährung

Auch in Bezug auf Lebensmittel wurden einige Normen festgelegt. Äpfel, egal welcher Sorte und Klasse, müssen eine Mindestgröße von sechs Zentimetern und ein Gewicht von wenigstens 90 Gramm aufweisen.

Damit Brot als gesundes Lebensmittel eingestuft wird, darf es pro 100 Gramm Mehl nur ein Gramm Salz enthalten. Ansonsten fällt es in die gleiche Nahrungskategorie wie Chips.

Kleidung

Allein für Schuhgrößen gibt es drei verschiedene DIN-Normen: Eine Norm befasst sich mit den Grundlagen des Größensystems, eine weitere regelt die Längenstufung und eine dritte die Weitenstufung für Damen- und Herrenschuhe.

Kleidung für Kleinkinder darf nach DIN EN 14682 im Kapuzen- und Halsbereich keine Kordeln oder Zugbänder haben, die sich in Spielzeugen verfangen können.

Kindersachen

Kuscheltiere sind ebenfalls genormt (DIN EN 71-1). Das Fell muss feuerresistent sein und die Augen müssen heftigem Ziehen widerstehen oder so groß sein, dass sie nicht verschluckt werden können.

DIN 58124 legt die Anforderungen an die ergonomische und sicherheitstechnische Beschaffenheit von Schulranzen fest.

Sport

Profi- wie auch Freizeitsportler sollen gleichermaßen Spaß am Sport haben. Generell geht es dabei hauptsächlich um die Gewährleistung der Sicherheit. Vor allem beim Profisport kommt noch dazu, dass das Equipment im Sinne der Fairness genormt ist. Hier dazu ein paar Beispiele:

  • Kunstrasen
    Viele Sportarten werden auf Kunstrasen ausgetragen – und beanspruchen diesen sehr stark. Die Europäische Norm DIN EN 15330 legt die Leistungs- und Dauerhaftigkeitseigenschaften von Kunstrasenflächen für den Sport fest: Die Böden dürfen nicht abfärben oder bei Regen Pfützen bilden und müssen reißfest sein.
  • Fußballtor
    DIN EN 748 gibt die Maße, Werkstoffe und die Konstruktion vor, die ein Fußballtor haben muss. Entspricht das Tor den Anforderungen der Norm, sollte es den Beanspruchungen der Torschützen standhalten können. Dafür sind Standfestigkeit und Stabilität der Tore sowie die Maschenreißfestigkeit und die Fundamente festgelegt.
  • Rennradreifen
    Ein Rennrad für nicht-professionelle Benutzung muss hohe Sicherheitsstandards erfüllen: Die Reifen dürfen nach DIN EN ISO 4210-2 höchstens 28 Millimeter breit sein und der Bremsweg darf – bei 25 Stundenkilometern auf trockener Straße – höchstens sechs Meter betragen.

Doch nicht alles lässt sich mit einer Norm angleichen und vereinheitlichen. Ein berühmtes Beispiel sind die Steckdosen, für die in vielen Ländern unterschiedliche Stecker notwendig sind. Manche Standards sind historisch gewachsen und gehören gewissermaßen zur Kultur eines Landes dazu. Oft macht eine Angleichung auch aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn.

Kurioses aus der Welt der Normen

Normen mögen grundsätzlich einen ernsten Sinn und Zweck verfolgen. Dennoch gibt es einige Normen, die eher für Verwunderung sorgen – wie die folgenden Beispiele.

Sicherer Grillrost

Es gibt eine EU-Norm, die den Abstand zwischen den Stäben eines Grillrostes sein darf, nämlich maximal 20 Millimeter. So fällt garantiert kein Grillgut in die Glut.

Geregelte Woche

Auch der Kalender untersteht einer Norm: Die DIN ISO 8601 regelt, dass eine Kalenderwoche auf der ganzen Welt ein Zeitintervall von sieben Tagen ist, das am Montag beginnt.

Elektrischer Honig

Gemäß der EU-Norm 2000/13 muss Waldhonig eine elektrische Leitfähigkeit von mindestens 0,8 MikroSimens pro Zentimeter aufweisen. Ansonsten ist es kein Wald-, sondern normaler Honig.

Unsichtbarer Buttereinwickler

Eine weitere Norm legt fest, dass im diffusen Tageslicht und bei flach einfallendem UV-Licht auf der Butter keine Rückstände des Buttereinwicklers zu sehen sein – weder mit noch ohne Lupe.

Ungefährliche Schnullerketten

Sogar Schnullerketten sind genormt. Die Konstruktion einer Schnur für Babyschnuller ist auf 52 Seiten und in acht Kapiteln genau geregelt. Dabei heißt es sogar im Vorwort der Norm, dass Unfälle mit Schnullern kaum und tödliche Unfälle so gut wie nicht bekannt sind.

Stabile Zahnbürsten

Die Norm DIN EN ISO 20126 verlangt weltweit, dass bei Zahnbürsten jede einzelne Borste eine Zugkraft von 15 Newton aushalten muss.

0 Kommentare

Schreib uns deine Meinung
Diese Seite ist geschützt durch reCAPTCHA und es gelten folgende Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen von Google.