Von: Dennis L.
Gefahr aus dem Weltraum

Was sagt die Turiner Skala über Asteroiden aus?

Zur Einstufung der Bedrohung durch erdnahe Objekte klassifiziert die Turiner Skala Asteroiden und Kometen nach der Wahrscheinlichkeit eines Einschlags, deren Zerstörungsgrad sowie die verbleibende Zeit bis zu einem Zeitraum von 100 Jahren.

Simulation eines Einschlags der alles Leben auf der Erde vernichten würde.
© Don Davis / wikipedia.org

Im Jahr 1995 stellt Professor Richard P. Binzel vom Institute of Technology in Massachusetts (MIT) auf der UN-Konferenz zum Thema Near-Earth Object Hazard Index eine Skala zur Einstufung der Bedrohung erdnaher Objekte vor. 1999 wurde eine überarbeitete Version der Skala auf der International Monitoring Programs for Asteroid and Comet Threat (IMPACT) Konferenz vorgestellt, welche bis heute durch die Internationale Astronomische Union (IAU) anerkannt und in Gebrauch ist. Die Turiner Skala, auch Torino Skala genannt, klassifiziert dabei die Bedrohung solcher Objekte, ähnlich wie die Richterskala für Erdbeben. Die Turiner Skala ist dabei in 11 Klassen mit einer eindeutigen Beschreibung eingeteilt, welche von "keine Gefahr" bis "100%iger Einschlag" skaliert sind. Von der Klasse 0 geht keinerlei Gefahr aus, auch bei Klasse 1 besteht kein Grund zur Sorge. Erdnahe Objekte der Klassen 2 bis 4 sollten unter Beobachtung der Astronomen bleiben. Die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags ist zwar gering, besteht jedoch. Objekte der Klasse 4 bis 7 sind bedrohlich. Je nach Größe des Asteroiden oder Kometen, kann ein Einschlag eine globale Katastrophe auslösen. Bei Objekten dieser Klassen ist jedoch nicht klar, ob sich diese tatsächlich auf Kollisionskurs mit der Erde befinden. Bei den Klassen 8 bis 10 ist ein Einschlag garantiert. Hier gibt die Turiner Skala nur noch Auskunft über den Zerstörungsgrad durch die freigesetzte kinetische Energie, welche von lokalen Verwüstungen bis hin zu einem Einschlag mit globalen Auswirkungen und dem Ende der menschlichen Zivilisation reicht. Die Turiner Skala lässt allerdings nur eine Einstufung für erdnahe Objekte im einem zeitlichem Radius von 100 Jahren bis zur Begegnung zu.

Die Turiner Skala soll klar und unmissverständlich die Bedrohung durch erdnahe Objekte aufzeigen und einen internationalen Klassifizierungsstandard für die Einstufung der Gefahr bieten. Im Jahr 2003 kam es durch Pressemeldungen zu einem Falschalarm, der teils Panik auslöste. Als Konsequenz wurden die Beschreibungstexte der jeweiligen Klassen zurückhaltender formuliert. Neu hinzu kam die Unterscheidung, welche Klasse weiterer Beobachtung durch Astronomien und welche Klasse die öffentliche und offizielle Aufmerksamkeit bedürfen.

Größere Einschläge von Asteroiden und Kometen sind extrem seltene Ereignisse. Jedoch wird die Erde fast stündlich von kleineren Teilchen (Meteoriten; von meteorologischen Wettererscheinungen) getroffen, welche als Sternschnuppe in der Erdatmosphäre verglühen. Kleinere Asteroiden mit einer Größe von unter zehn Metern schlagen hingegen mehrmals im Jahr auf der Erdoberfläche ein. Asteroiden und Kometen mit einer gefährlichen Größe, die es durch die Erdatmosphäre schaffen und auf der Erde einschlagen kommen, je nach Größe, alle 50 Jahre bis zu einer Million Jahre vor. "Ein solcher Einschlag kann dramatische Folgen haben. Da es für die Öffentlichkeit oft schwierig sein kann, einzuschätzen wie gefährlich ein sich der Erde nähernder Asteroid ist, hoffen wir, mit dieser Klassifizierung unnötige Ängste vermeiden zu können", erläutert Binzel.

Die bislang höchste Einstufung auf der Turiner Skala erhielt der Asteroid mit dem Namen Apophis (Stand 08/2012), mit seinen 270 Metern Durchmessern und einem Gewicht von 270 Millionen Tonnen. Apophis wurde nach ersten Berechnungen der Klasse 4 zugeteilt. Spätere Berechnungen, welche genauerer Ergebnisse lieferten sagten dann aber einen Vorbeiflug an der Erde vorraus und somit wurde der Asteroid Apophis von der Klasse 4 auf die Klasse 0 zurückgestuft.

Eine Liste mit allen erdnahen Objekten welche eine Klassifizierung der Turiner Skala besitzen, finden Sie unter http://newton.dm.unipi.it/neodys/index.php?pc=4.1.

keine Gefahr 0 Die Kollisionswahrscheinlichkeit beträgt 0% oder die Größe des Objekts ist so gering, dass nicht mit Schäden zu rechnen ist.

gewöhnlich

1 Eine routinemäßige Neuentdeckung für die ein Vorbeiflug vorhergesagt wird. Erste Berechnungen ergeben, dass eine Kollision extrem unwahrscheinlich ist. Genauere Berechnungen und Beobachtungen führen wahrscheinlich zu einer Rückstufung in die Klasse 0.
Beobachtung
erforderlich 
2 Eine Neuentdeckung eines Objekts mit einem etwas engeren, aber nicht ungewöhnlichem Vorbeiflug. Während die Aufmerksamkeit der Astronomen gefordert ist, besteht keinerlei Anlass öffentlicher Aufmerksamkeit oder gar Sorge. Da eine Kollision höchst unwahrscheinlich ist, werden genauere Berechnungen und Beobachtungen wahrscheinlich zu einer Rückstufung in die Klasse 0 führen.
3 Eine engere Annäherung, welche die Aufmerksamkeit der Astronomen bedarf. Aktuelle Berechnungen ergeben eine Kollisionswahrscheinlichkeit von über einem Prozent. Bei einem Einschlag wäre mit lokaler Zerstörung zu rechnen. Liegt die Zeit bis zur voraussichtlichen Begegnung unter zehn Jahren, verdient diese die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und von offizieller Seite.
4 Eine engere Annäherung, welche die Aufmerksamkeit der Astronomen bedarf. Aktuelle Berechnungen ergeben eine Kollisionswahrscheinlichkeit von über einem Prozent. Bei einem Einschlag wäre mit regionaler Zerstörung zu rechnen. Liegt die Zeit bis zur voraussichtlichen Begegnung unter zehn Jahren, so muss die Öffentlichkeit sowie offizielle Stellen über die mögliche Gefahr informiert werden.
Bedrohlich 5 Eine engere Annäherung, die eine ernste, aber noch unsichere Bedrohung darstellt. Astronomen müssen dringend prüfen, ob es zur Kollision mit dem Objekt kommt oder nicht. Ein Einschlag würde zur regionalen Verwüstung führen. Ist die Bedrohung weniger als zehn Jahre entfernt, so kann der Staat Notfallplanungen einleiten.
6 Eine engere Annäherung eines großen Objekts, die eine ernste, aber noch unsichere Bedrohung darstellt. Astronomen müssen dringend prüfen, ob es zur Kollision mit dem Objekt kommt oder nicht. Ein Einschlag würde zur globalen Verwüstung führen. Ist die Bedrohung weniger als zehn Jahre entfernt, so sollten Staaten Notfallplanungen einleiten.
7 Eine sehr enge Annäherung eines großen Objekts, die eine ernste, aber noch unsichere Bedrohung darstellt. Astronomen müssen dringend prüfen, ob es zur Kollision mit dem Objekt kommt oder nicht. Ein Einschlag wäre eine Katastrophe mit globaler Verwüstung. Ist die Bedrohung näher als einhundert Jahre, so sind internationale Notfallplanungen erforderlich.
100%iger
Einschlag
8 Eine sichere Kollision, welche bei einem Einschlag auf Land lokale Verwüstungen und bei einem Einschalg in Küstennähe einen Tsunami auslösen wird.
9 Eine sichere Kollision, welche bei einem Einschlag auf Land eine regionale Katastrophe und bei einem Einschalg im Meer einen großen Tsunami auslösen wird.
10 Eine sichere Kollision, mit Verwüstungen unbekanntem Ausmasses und globaler Klimakatastrophe. Der Einschalg kann die menschliche Zivilisation zerstören, egal ob das Objekt auf dem Land oder im Meer einschlägt.
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