Frage der Definition

Der Mount Everest ist nicht wirklich der höchste Berg der Erde

Die meisten Menschen glauben, dass der Mount Everest, mit seinen rund 8.848 Metern Höhe, der Höchste Berg der Erde sei. Dies ist aber nur bedingt richtig. Der Grund dafür ist, dass es drei unterschiedliche wissenschaftliche Ansätze gibt, wie man die Höhe eines Berges vermisst und je nach Messmethode trägt jedes Mal ein anderer Berg den Titel „Höchster Berg der Erde“.

Der Mount Everest im Himalaya ist wohl der berühmteste Berg der Erde. Mit seinen 8.848,86 Metern Höhe zählt er zu den insgesamt 14 Achttausendern, zu den sogenannten Seven Summits und gilt im Allgemeinen als höchster Berg der Welt. Seinen heutigen Namen trägt der Berg seit dem Jahr 1856 nach dem britischen Landvermesser George Everest. Je nach Land trägt der Mount Everest noch die Namen Sagarmatha (Nepal), Qomolangma (Tibet) oder Zhūmùlǎngmǎ Fēng (China).

Lange Zeit war nicht klar, welcher der zahlreichen Berge auf der Erde wirklich der Größte und wie Hoch der Mount Everest wirklich ist. Die gemessene Gipfelhöhe des Mount Everest ist seit der ersten Messung im Jahr 1848 mehrmals korrigiert worden. Dabei reichten die Höhenangaben von 8.840 bis 8.850 Meter. Die aktuellste und modernste Messung stammt aus dem Jahr 2020, wobei China und Nepal gemeinsam der Berg neu vermessen haben und sich auf die Höhe von 8.848,86 Metern geeinigt haben.

Grundlage der Höhenmessungen ist die Höhe des Meeresspiegels, der im Übrigen alleine im Jahr 2018 um 3,7 Millimeter anstieg. Genau genommen wird dadurch der Mount Everest jedes Jahr etwas kleiner. Bei dieser Messmethode, bei der der Meeresspiegel als Referenzlinie genommen wird, sind jedoch alle Berge benachteiligt, die nicht irgendwo auf dem Land, sondern im Wasser stehen. Ändert man die Referenzlinie und misst die Höhe eines Berges an seinem Fuß, so ist der Mauna Kea auf Hawaii der größte und höchste Berg der Erde.

Der Mauna Kea ragt rund 4.205 Meter aus dem Meer und ist damit nach jeder Messmethode der größte Berg auf Hawaii. Bezieht man seine größte unter Wasser für die Vermessung jedoch mit ein, so ist der Mauna Kea etwa 10.203 Meter hoch und damit deutlich größer als der Mount Everest. Nimmt man es mit der Vermessung noch genauer, ist der Mauna Kea vom eigentlichen Fuß bis zum Gipfel sogar über 17.000 Meter hoch. Ein Großteil des Berges ist jedoch durch das hohe Gewicht in den Meeresboden eingesackt, wodurch der eigentliche Fuß des Berges tief unter dem Meeresgrund liegt.

Ändert man jetzt wiederum die Messmethode und definiert den höchsten Berg der Erde dadurch, dass der Gipfel der am weitesten entfernte Punkt vom Erdmittelpunkt ist, so ist weder der Mount Everest, noch der Mauna Kea der größte Berg der Welt, sonder der Chimborazo bzw. Tschimborasso in Ecuador.

Der höchste Berg in Ecuador misst zwar vom Meeresspiegel nur eine Höhe von 6.263 Metern, aber durch seine Nähe zum Äquator, wo die Erde ein wenig breiter ist, ergibt sich auf dem Gipfel dieses Berges der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernteste Punkt auf der Erdoberfläche.

Dass die Messmethode anhand des Meeresspiegels, welche wie man heute weiß, keine fixe Referenzlinie darstellt, nicht die beste Methode zur Vermessung von Gebirgen ist, stellen Astronomen in den letzten Jahren immer häufiger fest. Denn wie soll die exakte Höhe eines Berges auf einem Mond, Planeten oder gar Asteroiden bestimmt werden, der überhaupt kein Wasser besitzt?

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